Beratungskultur

17. April 2018 | 1.435 mal gelesen

Die Digitalisierung ist allgegenwärtig. Und nicht wenige sehen mit ihr auch das baldige Ende der persönlichen Beratung in finanziellen Fragestellungen kommen. Zum einen, weil es für die Menschen zunehmend einfacher wird, Finanzprodukte im Internet zu kaufen. Zum anderen, weil sich Finanzprodukte kostengünstiger kalkulieren lassen, wenn keine persönliche Beratung stattfindet.

Was bei dieser Betrachtung immer wieder gänzlich außer acht gelassen wird, ist die in Deutschland über Jahrzehnte gewachsene Beratungskultur. Insbesondere die privaten Haushalte wollen Beratung haben. Weil die Menschen mit der Vielzahl möglicher Finanzprodukte und deren unterschiedlicher Funktionsweisen schlicht und ergreifend überfordert sind.

Es geht also weniger darum, ob Finanzprodukte über das Internet abgeschlossen werden können. Denn diese Frage kann ohne jeden Zweifel heute für sehr viele Produkte mit einem “Ja” beantwortet werden.

Was das Internet hingegen nicht leisten kann, sind Bedarfsweckung, die Analyse der finanziellen Situation des Kunden, die Priorisierung der Finanzprodukte in Abhängigkeit von der individuellen Situation des Kunden, eine an das Wissensniveau des Kunden angepasste Erklärung der finanziellen Zusammenhänge und die administrative Entlastung des Kunden beim Abschluss und bei der Anpassung von Verträgen sowie bei der Ausübung vertraglicher Rechte und Pflichten.

All dies sind Aufgaben der Berater in der Finanzbranche, die die meisten der Menschen trotz aller Möglichkeiten des digitalen Abschlusses nicht missen wollen.

Genauso wie beim Thema Gesundheit. Auch hier informieren sich inzwischen viele im Internet, suchen dann aber im Zweifel einen Arzt ihres Vertrauens auf, wenn es um die abschließende Diagnose und um die Therapie geht.


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