Ein Ei im Korb

10. Januar 2018 | 1.664 mal gelesen

Eine alte Anlegerweisheit lehrt, dass man nicht alle Eier in einen Korb” legen soll.

Der Grund dafür ist einfach: Risiken und Renditechancen vieler Anlagearten sind gegenläufig. Wer also gut “durchmischt”, muss nicht ständig die Entwicklung der Anlagemärkte antizipieren, nach der aktuell besten Anlageform suchen und dabei jedes mal Transaktionskosten zahlen, geht langfristig weitaus weniger Risiken ein und glättet die Gesamtrendite.

Doch wie sieht die Realität bei denjenigen in Deutschland aus, die in der Lage sind, etwas größere Summen zu investieren? Sei es wegen eines hohen Einkommens oder weil entsprechende Ersparnisse oder Erbschaften da sind.

Immer mehr dieser Menschen investieren – zusätzlich zur eigenen Immobilie – in Eigentumswohnungen oder Häuser, um diese zu vermieten, verbunden mit der Hoffnung auf zusätzliche Rendite aus Wertsteigerungen.

Dies kann dann sehr schnell dazu führen, dass sich der Anteil der Immobilien am Gesamtvermögen der 100%-Marke annähert. Denn im Regelfall werden beim Immobilienerwerb allein wegen der Größe des Investments andere, bereits bestehende Anlagen für die Finanzierung aufgelöst.

Ein solches Immobilieneigentum mag vordergründig ein beruhigendes Gefühl sein, sollte es aber nicht, ganz im Gegenteil. In erster Linie wegen der mittel- bis langfristig hohen Abhängigkeit von der Entwicklung der Immobilienmärkte. Die Vergangenheit lehrt, dass diese bei steigenden Zinsen und sich abschwächender Konjunktur sehr anfällig für starke Wertverluste und für Leerstand werden. Privatanleger erkennen “im Gefühl der Sicherheit” solche Entwicklungen meist erst dann, wenn es schon zu spät ist und die Immobilie nicht mehr oder nur deutlich unter Wert veräußert bzw. längere Zeit nicht mehr vermietet werden kann. Darüber hinaus haben Immobilien – ganz anders als z.B. Aktien oder Investmentfonds – das Problem, dass sie zur Deckung eines kurzfristigen Liquiditätsbedarfs nicht geeignet sind, da sie nur als Ganzes veräußert werden können und dies im Regelfall zeitlichen Vorlauf erfordert.

Deshalb der Rat an jeden, der größere Summen investieren will oder bereits investiert hat, mindestens jährlich eine Grafik zu erstellen, aus der deutlich wird, wieviel Anteil die einzelnen Anlagekategorien am Gesamtvermögen haben. Das ist je nach Vielfalt nicht ganz einfach, insbesondere bei der Zusammensetzung von fondsgebundenen Anlagen, die sehr oft eine Mischung aus Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, Immobilien und/oder Liquidität sein können und insoweit mit dem jeweiligen Anteil unterschiedlichen Anlagekategorien zugerechnet werden müssen.

Ein kompetenter Berater kann allerdings dabei helfen. Spätestens dann wird sichtbar, in wie vielen Körben die Eier liegen. Oder doch nur in einem?