Robo-Beratung

24. Mai 2017 | 1.968 mal gelesen

Für jeden Winkel des menschlichen Lebens werden derzeit digitale Geschäftsmodelle entwickelt. Und tausende von Start-Ups träumen davon, schon bald die Amazons und Googles von morgen zu sein.

Eine dieser Ideen: Die Ablösung der Finanz-Beratung von “Mensch zu Mensch” durch die Robo-Beratung, also die Beratung durch ein Computersystem. Das kann naturgemäß nur funktionieren, wenn der Computer reichlich mit persönlichen Daten gefüttert wird, beispielsweise zur Finanzsituation des Kunden, zu seinem Ausgabenverhalten, seinem Vermögen und seinen Einnahmen, seinen Sparzielen und zu seiner Risikobereitschaft.

Je mehr ein Nutzer preisgibt, desto präziser können Empfehlungen sein.


Mit Cashboard hat nach einer Meldung von Gründerszene.de gerade einer der Pioniere dieses Geschäftsmodells Insolvenz angemeldet. Die große Euphorie scheint nach und nach von der Realität eingeholt zu werden. Und die besteht für jedes Unternehmen immer noch darin, ausreichend Kunden gewinnen und – vor allem – diese auch halten zu können. Was spricht also gegen den Erfolg der Robo-Berater?

  • Ganz sicher die geringe Bereitschaft der Menschen, einen Computer am besten fortlaufend mit vielfältigsten, sehr persönlichen Daten zu “füttern”. Doch macht man das nicht, wird das System nicht das halten können, was es verspricht und die Kunden werden sich wieder abwenden.
  • Zum zweiten: Robo-Berater sind anonym und im Zweifel nur schwer “greifbar”, wenn etwas mal nicht ganz nach den Wünschen eines Anlegers läuft. Ganz anders bei der persönlichen Beratung. Denn hier kommt der Berater fast immer aus dem sozialen Umfeld des Kunden und muss im Zweifel jederzeit Rede und Antwort stehen. Eine bessere Vertrauensbasis als dieses Prinzip der “Sozial-Haftung” kann es nicht geben. Denn wer als Berater das Vertrauen bei auch nur einem Kunden verspielt, läuft Gefahr, sehr schnell sein Vertrauen im gesamten Kundenumfeld und damit seine Existenzgrundlage zu verlieren. Wenn man so will bestmöglicher Verbraucherschutz.

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