Profiteure

6. Juli 2015 | 822 mal gelesen

Wer profitiert eigentlich von den anhaltend niedrigen Zinsen?

Diese Frage stellte sich das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und stellte eine Vielzahl von Berechnungen an.

Zu den Gewinnern zählen:

  • Zunächst einmal der Staat, der sich extrem niedrig neu verschulden kann und für neue Schulden weitaus weniger Zinsen bezahlt als noch vor Jahren. Da der Staat nichts anderes ist als die Summe seiner Bürger, profitiert am Ende jeder, vorausgesetzt, der Staat nutzt die Situation zum Schuldenabbau. In den meisten europäischen Ländern ist das Gegenteil der Fall. Deutschland hat sich zumindest auf die Agenda geschrieben, die Nettoneuverschuldung zu beenden.
  • Korrespondierend profitieren alle Unternehmen und privaten Haushalte, die Schulden haben oder neu aufnehmen. Denn wie für den Staatshaushalt gilt auch hier, dass die Zinsverpflichtungen weitaus niedriger ausfallen als vor Jahren.
  • Da niedrige Zinsen für institutionelle Anleger unattraktiv sind, fließt mehr Geld in die Aktien- und Immobilienmärkte. Dies treibt die Kurse und Preise. Profiteur der niedrigen Zinsen sind so unter dem Strich die meisten Aktiensparer und Immobilienbesitzer. Umgekehrt sind all diejenigen, die zinsorientiert sparen, eher auf der Verliererseite. Ganz besonders diejenigen, die mit nahe null verzinsten Formen wie dem Sparbuch oder Sicht- und Termineinlagen sparen – die Mehrheit der Deutschen.
  • Unterstellt man, dass junge Menschen tendenziell verschuldet sind (z.B. durch Immobilienerwerb) und ältere Menschen Geldvermögen besitzen, führt die aktuelle Niedrigzinsphase zu einer Umverteilung von Alt zu Jung, tendenziell auch von Reich zu Arm, sofern denn die “Reichen” den Fehler machen, ihr Geldvermögen zinsgebunden anzulegen.

Bleibt: Wie immer gibt es dort, wo es Verlierer gibt, auch Gewinner. Selten aber war es so einfach, von den Verlierern zu den Gewinnern zu wechseln. Denn was ist einfacher, als unsinnig auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten geparktes Geld so anzulegen, dass etwas dabei herauskommt. Zugegeben: Ein wenig Risikobereitschaft gehört dazu. Genauso wie kompetenter Rat eines erfahrenen Beraters.   


Schlagwörter: , ,