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18. Mai 2015 | 536 mal gelesen

Der Sozialstaat Deutschland scheint aktuell einigermaßen im Gleichgewicht zu sein. Der Hauptgrund: Das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern ist einigermaßen ausgewogen, da sich die geburtenstarken Jahrgänge noch im Erwerbsleben befinden und in die Sozialkassen einzahlen. Zudem liegt die Anzahl der Erwerbstätigen in Deutschland auf einem Rekordhoch.

Doch was geschieht, wenn genau diese geburtenstarken Jahrgänge in 10 bis 15 Jahren in Rente gehen?

Eine einfache Zahl bringt das sehr gut zum Ausdruck: Soll die heutige Relation zwischen Erwerbstätigen und Rentnern aufrecht erhalten werden, müssen die Menschen zukünftig bis zum 74. Lebensjahr arbeiten.

In der Politik scheint diese Wahrheit noch nicht angekommen zu sein, blickt man auf “Reformen” wie die abschlagsfreie Rente mit 63. Auch die schrittweise Anhebung des “normalen” Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und die durchaus beachtliche Zuwanderung werden das Problem nicht beseitigen können. Damit bleiben für die Zukunft nur sehr wenige Lösungsansätze:

  1. Das Rentenniveau wird weiter drastisch abgesenkt (unwahrscheinlich).
  2. Das Renteneintrittsalter wird weiter von 67 z.B. auf 70 Jahre angehoben (unwahrscheinlich).
  3. Reformen wie die Rente mit 63 werden zurückgenommen (unwahrscheinlich).
  4. Die Renten werden zunehmend nicht mehr aus Beiträgen, sondern aus Steuereinnahmen finanziert, was zwangsläufig zu Steuerhöhungen führen muss, die genauso wie die Sozialversicherungsbeiträge von den Erwerbstätigen oder aus zunehmender Staatsverschuldung zu zahlen sind (wahrscheinlich).
  5. Die Politik tut noch viel mehr für die Förderung eigenverantwortlicher privater Altersvorsorge (wünschenswert, aber unwahrscheinlich).