Zu Ende gedacht…

5. Februar 2015 | 701 mal gelesen

Kein Tag vergeht, an dem nicht die Zeitungen gefüllt sind mit den Auswirkungen der Niedrigzins- und Geldpolitik der EZB. Besonders betroffen von diesen Berichten: Die deutschen Lebensversicherer. Der Tenor: Ihr Untergang ist programmiert. Kein Wunder, wenn deshalb der eine oder andere mit dem Abschluss eines neuen Vertrages zögert und andere über eine vorzeitige Kündigung eines bestehenden Vertrages nachdenken.

Doch was ist tatsächlich dran an den “Untergangsszenarien”, zumal ja nunmehr klar ist, dass ein Ende der Niedrigzinsphase nicht in Sicht ist? 

  1. Fest steht, dass derzeit fast alle deutschen Lebensversicherer mit einem Kraftakt gewaltige Zinszusatzreserven aufbauen, die nur einen einzigen Zweck haben: Nämlich Verpflichtungen aus Garantiezinszusagen der Vergangenheit zu finanzieren, die zukünftig bei weiter sinkenden Zinsen immer schwieriger aus den laufenden Erträgen gedeckt sind. Bei vielen Lebensversicherern wird diese Maßnahme ausreichen, um auch langfristig alle Verpflichtungen erfüllen zu können. 
  2. Ebenso steht fest, dass Lebensversicherer wie die AachenMünchener aufgrund des hohen Anteils fondsgebundener Lebensversicherungen vom Problem der anhaltend niedrigen Zinsen weit weniger betroffen sind als Versicherer mit einem hohen Anteil konventioneller Lebensversicherungen mit Garantiezins. 
  3. Viele deutsche Lebensversicherer, darunter auch die AachenMünchener, sind sehr finanzstark, verfügen also über Eigenmittel, die im Fall der Fälle genutzt werden könnten, um Verpflichtungen zu erfüllen. 
  4. Die Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent entlastet die Lebensversicherer vor allem im Neugeschäft, da dieser Satz bei langfristigen Anlagen durchaus am Markt erwirtschaftet werden kann.   
  5. Und zu guter Letzt: Es gäbe, sofern denn erforderlich, noch eine ganze Reihe weiterer Instrumente, mit denen die Aufsicht gemeinsam mit betroffenen Lebensversicherern sicherstellen könnte, dass Kunden nicht leer ausgehen: So könnten die Garantiezinsen für das Neugeschäft noch weiter gesenkt oder Schlussgewinnanteile zurückgenommen werden. Und sollte bei einzelnen Versicherern im Extremfall auch all dies nicht mehr reichen, um bestehende Verpflichtungen in vollem Umfang zu erfüllen, bestünde immer noch die Möglichkeit, einen begrenzten Teil von Zusagen zurückzunehmen. 

Zugegeben, nicht jede der genannten Maßnahmen wäre populär aber allemal dazu geeignet, das vom Kunden angesparte Kapital zu erhalten. Sträflich wäre es, wenn Kunden ihre bestehenden Verträge aus Panik kündigen würden, denn durch die Garantieverzinsung sind die Altvertäge unverändert eine attraktive Anlage im Niedrigzinsumfeld.

Vor diesem Hintergrund Untergangsszenarien zu zeichnen, ist alles andere als verantwortungsvoll. Im Gegenteil: Betrachtet man die Vielzahl von bereits ergriffenen und noch zusätzlich bestehenden Möglichkeiten, mit denen Lebensversicherer die Erfüllung ihrer Verpflichtungen sicherstellen können, ist die Lebensversicherung gerade jetzt immer noch eines der solidesten Produkte für die Alters- und Hinterbliebenenversorgung.