EZB kauft Anleihen

22. Januar 2015 | 963 mal gelesen

Die Meldung des Tages am Nachmittag des 22. Januar 2015: Die EZB wird tatsächlich damit beginnen, Anleihen aufzukaufen, um so einer Deflation mit ihren möglichen negativen Auswirkungen auf die Konjunktur und die Beschäftigung entgegen zu wirken.

Motive, die nachvollziehbar sind. Ob die beabsichtigten Wirkungen tatsächlich eintreten, ist aber, so die Fachleute, aus vielen Gründen fraglich.

Sicher aber dürfte sein: Wenn die EZB mit milliardenschweren Programmen Anleihen nachfragt und aufkauft, muss dies nach den Gesetzen des Marktes zwangsläufig zu noch weiter sinkenden bzw. weiterhin extrem niedrigen Zinsen für Anleihen führen. Dies vermindert den Reformdruck in Ländern, die dringend reformieren müssten. Es entlastet die Staatshaushalte und darüber ein Stück weit auch den Steuerzahler. Es vermindert die Motivation der öffentlichen Hand, zu sparen bzw. die Neuverschuldung zurückzuführen. Es begünstigt all diejenigen Unternehmen und privaten Haushalte, die sich verschulden. Und es trifft diejenigen, die sparen und vorsorgen. Damit für alle, die mit guten Argumenten auf ein Ende der Niedrigzinsphase warten, kein guter Tag.  

Deshalb wichtiger denn je: Ein “kühler Kopf”, wenn es um Vorsorge und Geldanlage geht.

Und das bedeutet vor allem das Bewusstsein dafür zu behalten, dass es auch weiterhin durchaus rentable Geldanlagen gibt. Die steigenden Aktienkurse als Reaktion auf die EZB-Entscheidung belegen dies.

Und dass auch weiterhin – sogar mit noch niedrigeren Zinsen – private Vorsorge sinnvoll und notwendig ist. Denn auch damit baut sich Kapital auf, das im Alter verwendet werden kann. Es ist ein nennenswertes aber eben doch nur ein Randmotiv, durch Sparen und Vorsorge Rendite zu erwirtschaften. Das Hauptmotiv ist und bleibt, früher an später zu denken, also heute Geld beiseite zu legen, das später dringend benötigt wird.

Schließlich haben die Menschen früher Vorräte auch nicht deshalb angelegt, weil sich die Vorratsbestände quasi von alleine vermehrt haben, sondern weil diese dafür genutzt wurden, die Wintermonate zu überbrücken. Insoweit ist beispielsweise der Abschluss einer privaten Rentenversicherung nichts anderes als die Bevorratung von finanziellen Mitteln fürs Alter – und das aktuell mit rund 3,5 Prozent Überschussbeteiligung. Und mit einer lebenslang garantierten Rente, also einem Vorratskeller, dessen Vorräte niemals ausgehen oder weniger werden, egal wie lange der Winter andauert.