Mal angenommen…

2. Juli 2014 | 762 mal gelesen

Mal angenommen, man …

  • kauft ein neues Auto für 30.000 Euro und der Autohändler informiert darüber, dass davon 5.000 Euro für ihn sind.
  • kauft im Supermarkt für 50 Euro ein und der Händler informiert darüber, dass davon 15 Euro auf seine Spanne entfallen.
  • kauft einen Anzug für 400 Euro und der Modehändler legt offen, dass 150 Euro in seiner Kasse bleiben.
  • kauft für 1.500 Euro eine schicke Uhr und der Uhrhändler weist drauf hin, dass er davon 500 Euro einbehalten wird.

Was würde geschehen?

Manch einen würde das alles gar nicht interessieren. Auch würde vermutlich eine solche Offenlegung der Handelsspannen keinen potentiellen Käufer vom Kaufwunsch abbringen. Es würde wohl auch nicht dazu führen, dass z.B. ein ganz anderes Auto, andere Lebensmittel, ein anderer Anzug oder eine andere Uhr gekauft wird.

Ein Teil der potentiellen Käufer würde aber vermutlich den Kauf zunächst zurückstellen und im Internet suchen, ob es das Produkt nicht auf anderem Wege billiger gibt. Ein anderer Teil der potentiellen Käufer käme auf die Idee, mit dem Händler über dessen Marge zu feilschen, also einen Teil der Marge als Rabatt zu bekommen. Damit ist leicht vorhersehbar: Wird Händlern vorgeschrieben, gegenüber den Kunden ihre Marge offfen zu legen, wird das viele Händler zumindest mittelfristig in ihrer Existenz gefährden – weil potentielle Käufer im Internet kaufen, oder weil sie den Händler um seinen Verdienst bringen.

All dies würde auch geschehen, wenn man Berater in der Finanzbranche dazu zwingt, ihre Provisionen offen zu legen. Mit zwei gravierenden Unterschieden zum Sachgüterhandel:

  • In der Finanzbranche sind die allermeisten Menschen zwingend auf Beratung angewiesen, und die gibt es nicht im Internet. Wird diese nicht mehr angeboten, weil sich mit ihr kein Geld mehr verdienen lässt, geht das nur zu Lasten der Verbraucher.
  • Und – anders als bei Lebensmitteln, Autos oder Kleidung – muss in der Finanzbranche für bestimmte Themen wie z.B. Alters-, Gesundheits- oder Pflegevorsorge der Bedarf erst geweckt und zum Konsumverzicht motiviert werden, damit überhaupt Verträge abgeschlossen werden. Ohne Berater wäre also das Versorgungs- und Absicherungsniveau in der Bevölkerung bedrohlich niedrig. 

Eine Provisionsoffenlegung nutzt deshalb nicht, sondern sie schadet – und zwar weitreichend.


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Kommentare für diesen Artikel (1)

  1. Jochen Buhr, 2. Juli 2014 um 11:14 Uhr

    ein schwäbisches Sprichwort besagt nicht ganz zu Unrecht :
    “was nix koschd’, isch au nix wert!”

    (eine Übersetzung dürfte sich auch für Nicht-Schwaben erübrigen?!) 😉