Die “Gurke”

2. April 2014 | 766 mal gelesen

The Gherkin – die Gurke – so die zur Optik passende Bezeichnung eines der besonders markanten und weltweit berühmten Hochhäuser mitten im “Financial District” Londons, entworfen und gebaut vor rund 10 Jahren vom namhaften Architekten Norman Foster.

Aber leider jetzt wohl auch Symbol für eine erneut gravierende Falschberatung auf breiter Front, die nicht weniger schlimm daher kommt, wie seinerzeit der Verkauf von Lehman-Zertifikaten an ahnungslose Privatanleger.

The Gherkin (London)

Was ist geschehen?

Als das Gebäude gebaut wurde, wurden auch private Finanzierer gesucht. Dafür wurde ein geschlossener Immobilienfonds mit hohen Renditeversprechen aufgelegt, der dann auch in Deutschland von deutschen Banken vor allem an ältere Menschen als sichere Altersvorsorge verkauft wurde. Darüber berichtete das ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO in seiner Sendung vom 31. März 2014.

Schon nach einem Jahr aber blieben die Zinszahlungen aus. Jetzt müssen die Anleger den Totalverlust fürchten, so WISO.

Die Ursache: Ein beträchtlicher Teil der Baukosten wurde über Fremdkapital finanziert. Dies allerdings nicht in englischen Pfund, also währungskongruent zu den Mieteinnahmen, sondern  – aufgrund (vermeintlich) günstigerer Zinsen – in Schweizer Franken. Es kam, wie es kommen musste: Von Jahr zu Jahr verlor das englische Pfund massiv gegenüber dem Schweizer Franken. Zunehmend mussten also neben den Mieteinnahmen auch die Einlagen zur Zinszahlung und Darlehenstilgung herhalten und fraßen so nicht nur die Rendite, sondern auch das Kapital der Anleger auf.

Was lehrt das? Die Konstruktion geschlossener Fonds ist oft sehr undurchsichtig. Im Fall der “Gurke” lag der Anlage nichts anderes als ein hohes Fremdwährungsdarlehen zugrunde, und jeder, der sich ein wenig auskennt weiß, dass Währungsgeschäfte höchst spekulativ sind.

Die Anleger glaubten also, in eine sichere Immobilie zu investieren, ließen sich aber tatsächlich auf ein Fremdwährungsgeschäft ein. Verwerflich, als Bank den eigenen Kunden eine solche Konstruktion als sichere Altersversorgung zu verkaufen und dafür hohe Provision zu erhalten! Und wieder einmal der Beweis dafür, dass gerade Privatanleger die Finger lassen sollten von Geldanlagen, die allzu hohe Renditen versprechen und mit besonders schönen Prospekten angeboten werden.

Wenn solche Fälle am Ende noch ein Minimum an Positivem hergeben, so ist es die Besinnung, die beim einen oder anderen entstehen dürfte. Besinnung auf ein Produkt, das wie kein anderes für die Altersvorsorge geeignet ist: Die private Rentenversicherung.