Europa-Sparbuch

31. März 2014 | 694 mal gelesen

Die Zinsen für Spareinlagen sind nahe null, und viele Unternehmen bekommen von den Banken für Investitionen keine Kredite. Die EU-Kommission will nun handeln und Sparern ein gut verzinstes Europa-Sparbuch anbieten. Die Guthaben sollen dann wiederum den Unternehmen als Kredit zur Verfügung gestellt werden (s. Kölner Stadtanzeiger vom 31. März 2014). 

Auf den ersten Blick eine gute Idee.

Oder doch nicht?

Warum sind die Zinsen so niedrig? EU-Staaten wie Griechenland wären wohl längst bankrott, müssten sie für Anleihen die Zinsen zahlen, die dem tatsächlichen Ausfallrisiko entsprächen. Um einen solchen Bankrott und die damit verbundenen Gefahren für den Euro zu verhindern, hält die EZB den Zins künstlich niedrig. Die Staaten können sich so billig verschulden. Der Leidtragende ist der Sparer, da sich die Guthabenzinsen der Geschäftsbanken am Leitzins orientieren (müssen).

Warum ist die Kreditvergabebereitschaft der Banken so niedrig? Bankpleiten wie die der Lehman-Bank können über Wechselwirkungen den gesamten Bankensektor und damit das gesamte Finanzsystem zu Fall bringen. Aus diesem Grunde wurden die Eigenkapitalanforderungen an Banken drastisch angehoben. Wenn also eine Bank einen Kredit gibt, ist das Eigenkapital, das dafür hinterlegt werden muss, deutlich höher als noch vor Jahren. Mit jedem Kredit steigen damit die Eigenkapitalanforderungen. Aber Eigenkapital muss über Dividendenzahlungen bedient werden. Zudem hängen die Boni des Bankenmanagements teilweise von der Eigenkapitalrendite ab. Dies fördert die Tendenz, das Eigenkapital niedrig zu halten, im Gegenzug deshalb die Kreditvergabe zurück zu fahren.

Damit steht fest: Sowohl die niedrigen Guthabenzinsen als auch die niedrige Kreditvergabebereitschaft der Banken sind Ergebnis regulatorischer Eingriffe. Vor diesem Hintergrund den Banken ihr Kerngeschäft – Annahme und Weitergabe von Geld – zu entziehen und dieses auf staatliche bzw. europäische Institutionen zu verlagern, ist ein weiterer massiver Schritt weg von marktorientierter Steuerung. Das wird dauerhaft nicht funktionieren, der Beweis liegt vor.