Unsozial

5. Februar 2014 | 830 mal gelesen

Immer häufiger sind in letzter Zeit Berichte darüber zu lesen, was sich in Großbritannien und in den Niederlanden tut, seit dort die Vermittlung von Finanzprodukten gegen Provision verboten und stattdessen eine generelle Honorarberatung eingeführt wurde.

Man kann eigentlich von außen nur begrüßen, dass sich diese zwei Länder vorgewagt haben. Denn so lässt sich jetzt trefflich beobachten, was ein solcher Weg mit sich bringt.

Und man kann nur hoffen, dass alle, die sich mit diesem Thema beschäftigen, die Entwicklungen aufmerksam verfolgen. Denn die sind – insbesondere aus Sicht des “Otto-Normal-Verbrauchers” – katastrophal.

So berichtet die WELT am Sonntag vom 26. Januar 2014 über die Entwicklungen in Großbritannien.

  • Umgerechnet 1.200 Euro im Jahr, das der Basistarif für Privatkunden, die eine Beratungsfirma als Minimum für die Beratung erhebt. Was genau es dafür gibt, wird nicht erläutert. Aber wenn es sich um einen Basistarif handelt, kann es nicht viel sein.
  • Mindestens 950 englische Pfund (rund 1.150 Euro) sind in einer Bank für eine Durchsicht der Finanzen als Honorar zu berappen
  • Und wieder eine andere Bank berät ihre Kunden gar nicht mehr, wenn nicht mindestens 50.000 Pfund (über 60.000 Euro) angelegt werden

Damit ist klar: Wenn es überhaupt noch Beratung gibt, dann wird es teuer – für alle.

Ein Vermittler, der gegen Provision berät, lebt von der Mischkalkulation. Kunden, die mehr Geld haben und deshalb die hohen Summen abschließen, zahlen über die abgeschlossenen Verträge höhere Provisionen als beispielsweise ein einkommensschwacher Kunde, der sich nur einen Riestervertrag leisten kann. Dennoch bekommen beide die gleiche Beratung.

Tendenziell führt damit die provisionsbasierte Beratung zu einer sozialen Umverteilung, die durchaus ihre Vorzüge hat. Denn so werden Menschen mit geringem Einkommen nicht von der Beratung abgeschnitten.

Pointiert ausgedrückt: Provisionsberatung ist das deutlich sozialere Modell.