Politik als Anlageberater?

3. Februar 2014 | 1.009 mal gelesen

Es gibt viele Beispiele dafür, dass die Politik Anreize für die Geldanlage setzt. Nicht immer ist man gut beraten, solchen Anreizen zu folgen.

Wer in den frühen 90er Jahren in den damals neuen Bundesländern in Immobilien investierte, weil es für diese Sonderabschreibungsmöglichkeiten gab, erlebte fast immer nach einigen Jahren ein böses Erwachen: In Form von Mietausfällen durch jahrelangen Leerstand und durch drastischen Wertverlust. Beides enstanden durch ein dramatisches Überangebot an Immobilien, das fast zwangsläufig dadurch entstand, dass sehr viele die steuerlichen Vorteile nutzen wollten und deshalb Immobilien kauften und sanierten.

Der aktuelle Fall des Windparkbetreibers Prokon ist zumindest ähnlich. Die Politik beschloss eine Energiewende, und viele investierten deshalb in erneuerbare Energien.

Allein bei Prokon waren es über 75.000 Anleger, die nunmehr in großer Sorge um ihr Geld sind.

Was lehrt das?

Staatliche Anreize für die Geldanlage können sehr schnell dazu führen, dass Märkte aus dem Gleichgewicht geraten, weil zu viele die Vorteile nutzen wollen. Die daraus resultierenden Überangebote können dann durchaus zum Totalverlust führen.

Man sollte dies auf der Jagd nach Rendite bedenken. Oder sich gleich fernhalten von geschlossenen Fonds und anderen ähnlich riskanten Anlageformen, die nur deshalb interessant erscheinen, weil es für einige Jahre steuerliche Vorteile gibt.  


Kommentare für diesen Artikel (2)

  1. Bayernhelfer, 3. Februar 2014 um 22:03 Uhr

    Bis 1998 konnten halt vermögende Menschen mit solchen Steuermodellen hohe Steuervorteile generieren. Viele haben in ihrem “Steuer-Spar-Wahnsinn” Teile oder sogar das ganze Vermögen verloren. Aber es gibt auch viele dieser “Steuersparmodelle”, die auch erfolgreich mit dem Geld der Steuersparer ordentlich gewirtschaftet und vernünftige Nachsteuer-Renditen erwirtschaftet haben.

    Heute werden die Normal- und Geringverdiener mit staatlichen Zulagen zu schlechten Sparverträgen animiert. Klar wollten das die Versicherungen mit Ihrer Lobby so haben – aber zum Glück gibt es ja wenigstens im Investmentbereich Möglichkeiten – trotz der Förderungen – bei hoher Sicherheit ordentliche Renditen zu erwirtschaften.

  2. , 4. Februar 2014 um 12:32 Uhr

    @ Bayernhelfer

    Bei jedem Steuersparmodell gibt es auch Gewinner, keine Frage. Leider sind es aber oftmals eben nicht die Kunden bzw. Anleger, dafür gibt es sehr viele Beispiele, nicht nur die genannten. Nehmen Sie die Bauherrenmodelle, bei denen sehr viele sehr viel Geld verloren haben.

    Jedoch sollten solche Steuersparmodelle nicht wie von Ihnen hier versucht in einen Topf geworfen werden mit staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten wie die Riester- oder Rürup-Rente.

    Der entscheidende Unterschied: Die Steuervorteile bzw. staatlichen Zulagen sind zeitlich unbefristet, die Anlagerisiken sind fast gleich null und die staatliche Fördrung ist kein Konjunkturprogramm für bestimmte Branchen, sondern dient der Vermeidung von Altersarmut.

    Im übrigen sind solche Verträge unter Berücksichtigung von Zulagen und Steuervorteilen für fast jeden Kunden auch aus Renditegesichtspunkten sehr attraktiv.