Vertrauen

5. November 2013 | 672 mal gelesen

Es gibt durchaus Parallelen zwischen dem Hausarzt und dem Vermögensberater. Jeder hilft auf seine Art.

Eine bedeutende Gemeinsamkeit: Sowohl der Patient ist gegenüber seinem Arzt wie auch der Kunde gegenüber seinem Vermögensberater auf Vertrauen angewiesen.

Weder kann ein Patient erkennen, ob bestimmte Heilmethoden oder Medikamente richtig, notwendig und angemessen sind, noch kann ein Kunde im Normalfall alle Bedingungen und Einzelheiten von Finanzverträgen beurteilen. Daran werden auch “Beipackzettel” und Produktinformationsblätter nichts ändern.

Bei gesetzlich Krankenversicherten besteht hier wohl eher die Situation, mit Blick auf die umfangreichen Leistungseinschränkungen zu wenig Medizin zu bekommen. Vertrauen weicht hier also der Hoffnung, überhaupt einen Termin zu erhalten.

Anders bei Privatpatienten. Termine bekommen diese immer. Hingegen ist es inzwischen unstrittig, dass die Ärzte ihre Einkommensverluste aus dem Sektor der gesetzlich Versicherten mit den privat Versicherten kompensieren.

Oft durch ein “Zuviel” an Medizin. Privatpatienten sind dem wie gesagt mangels medizinischer Kenntnisse ausgeliefert. Und die Prämien steigen. Hinzu kommt, dass beileibe nicht jede Rechnung von der privaten Krankenversicherung bezahlt wird. Das verhindern Selbstbehalte und die Chance auf Beitragsrückerstattungen. Am Ende zahlt also oft der Patient die Kosten für das “Zuviel” an Medizin auf jeden Fall – direkt aus dem Geldbeutel oder über steigende Beiträge.

Kein Wunder also, dass immer mehr Privatpatienten schon vor der Behandlung fragen: Was kostet das? Vertrauen liegt dem dann nicht mehr zugrunde. Die Ursachen liegen auf der Hand (siehe Artikel “Melkkuh des Systems” in der WELT am SONNTAG).