Unsinn zur Lebensversicherung (9)

20. Oktober 2013 | 695 mal gelesen

Immer wieder ist viel Unsinn zur Lebensversicherung zu lesen. Leider auch in namhaften Zeitungen und Zeitschriften, was dann entsprechende Wirkung bei den Verbrauchern hat. In einer kleinen Serie wollen wir deshalb Falschaussagen bzw. Halbwahrheiten zur Lebensversicherung aufgreifen und widerlegen.

Heute: Teil 9 – am besten ist es, aus Kostengründen eine Lebensversicherung im Internet oder bei einem Direktversicherer abzuschließen.

Tatsächlich findet man immer wieder den Rat, nicht nur Auto- sondern auch Lebensversicherungen im Internet oder bei einem Direktanbieter abzuschließen.

Das Argument: Bei solchen Anbietern sind die Kosten niedriger, da kein Außendienst mitfinanziert werden muss.

Tatsächlich finden sich in den Ranglisten der Lebensversicherer, geht es um die Kosten, einige Direktversicherer im vorderen Drittel. Zu glauben, solche Versicherer hätten keine Abschlusskosten, ist jedoch ein großer Irrtum. Denn Direktanbieter müssen, wenn sie ihre Produkte verkaufen wollen, in ganz erheblichem Umfang in Werbung investieren – sei es klassische TV- und Printwerbung mit Hotline oder Rückcoupon, seien es die hundertausenden von Mailings, die sich jeden Tag in den bundesdeutschen Briefkästen finden oder seien es Anzeigen in Suchmaschinen, mit denen der Internetnutzer auf die eigenen Seiten gezogen werden soll.

Gerade letzteres gewinnt immer mehr an Bedeutung, eine Ursache für die aktuellen Rekordgewinne von Google.

Nun möge der Verbraucher selbst entscheiden, wofür ein Teil seiner Versicherungsprämie verwendet wird: Als “Futter” für die Werbeindustrie und für Suchmaschinen wie Google oder als redliche Vergütung für Berater in der Finanzbranche, die ihren Kunden Lebensversicherungen nicht einfach verkaufen, sondern stattdessen zunächst die Ziele und Wünsche des Kunden ermitteln, darauf aufbauend ein Vorsorge- und Anlagekonzept entwickeln und erst dann die dazu passenden Produkte ermitteln und vermitteln.

Sollten dann am Ende die Kosten bei solchen Anbietern geringfügig höher sein, gibt es einen zweiten Grund, dort abzuschließen: Ein deutlich breiteres und tiefers und deshalb in der Verwaltung kostenintensiveres Produktangebot, das aber passgenau auf den Bedarf und die Situation des Kunden zugeschnitten werden kann.

Und zuletzt: Im Zweifel ist eine geringfügig höhere Kostenqote allemal die bessere Wahl, wenn dafür die Solvabilität, also die Sicherheit des Lebensversicherers weit höher ist als bei anderen. Denn gerade Vorsorgeprodukte sind Verträge mit sehr langer Laufzeit, ohne weiteres 50 Jahre, legt man eine Beitragszahlungsdauer von 25 sowie eine Rentenbezugsdauer von nochmals 25 Jahren zugrunde.

Wer auf all dies verzichtet und sich im Internet – vermutlich mit einigen Stunden Zeitaufwand – den aus seiner Sicht besten Lebensversicherer und das beste LV-Produkt aussuchen mag, ist tatsächlich möglicherweise bei einem Direkt- oder Internetversicherer besser aufgehoben.