Schimäre Riester-Rente

1. August 2013 | 634 mal gelesen

“Schimäre Riester-Rente”, so kürzlich ein Aufmacher im Handelsblatt.

Da muss man zunächst im Bedeutungswörterbuch nachschauen, was “Schimäre” eigentlich heißt: Trugbild, Hirngespinst.

Was also ist das Hirngespinst?

Das von der Bundesregierung im Alterssicherungsbericht ausgewiesene Gesamtversorgungsniveau sei eine solche Schimäre. Weil dort unterstellt werde, dass alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 4 Prozent ihres beitragspflichtigen Einkommens in eine Riester-Rente stecken.

Das stimmt nachweislich tatsächlich nicht, denn rund 30 Prozent der Berechtigten haben keine ergänzende betriebliche oder staatlich geförderte Altersversorgung. Die meisten davon Geringverdiener.

Deshalb wenig verständlich der Rat des Handelsblatts, der Staat solle – anstelle privater Anbieter – selbst eine Art Basis-Riester-Rente zur Verfügung stellen, ohne einkalkulierte Vertriebskosten. Aber wer soll bitte dann den Bürgern ein solches Produkt näher bringen? Die Arbeitgeber? Das Finanzamt? Und glaubt der Autor tatsächlich, dass der Staat ein solches Produkt kostengünstiger verwalten kann als private Anbieter? Besser staatlicher Zwang zur Altersversorgung anstelle von Eigenverantwortlichkeit?

Es gibt wirkungsvollere Möglichkeiten: Mit Sicherheit ließe sich die Anzahl der Riester-Sparer massiv erhöhen, wenn sich die Politik dazu entschließen würde, die Anrechnung auf die Grundversorgung zu streichen. Oder die Politik könnte noch viel mehr Energie darauf verwenden, die Vorteile und die Notwendigkeit der Riester-Rente der Bevölkerung besser deutlich zu machen, um das Versorgungsniveau zu erhöhen.

Dies wird nahezu ausnahmslos den Medien überlassen – mit gegenteiliger Wirkung.


Kommentare für diesen Artikel (3)

  1. Frank Schmidt, 1. August 2013 um 14:31 Uhr

    Hallo

    Thema: Basis Riester Rente: “Aber wer soll bitte dann den Bürgern ein solches Produkt näher bringen?”

    Antwort: Niemand. Weil das auch gar nicht erforderlich wäre, wenn dieser freiwillige Beitrag exakt so behandelt würde, wie jeder Pflichtbeitrag.

    “Mit Sicherheit ließe sich die Anzahl der Riester-Sparer massiv erhöhen, wenn sich die Politik dazu entschließen würde, die Anrechnung auf die Grundversorgung zu streichen.”

    Das ist eine sehr mutige Aussage. Man rechne sich mal aus, was die Versicherer und Vertriebler mit Riester und Rürup verdient haben. Hinzu kommen die Kosten für eine eigens geschaffen Behörde. Wie viel Geld wurde durch solche Kosten schon der Altersvorsorge entzogen? Und dann die Grundversorgung kappen? Wow.

    MfG
    FS

  2. , 3. August 2013 um 13:34 Uhr

    @ Frank Schmidt
    Ich vermute, da haben wir uns mißverstanden: In keinem Fall wird im Blogbeitrag für eine staatlich angebotene Riester- oder Rürup-Rente plädiert. Dies fordert hingegen der Verfasser des Zeitungsbeitrages. Völlig richtig argumentieren Sie, dass jede staatliche Verwaltung eines solchen Produkes hohe Kosten verursacht, die im Zweifel höher sind als die der privaten Anbieter.

    Die Anrechnung der Riesterrente auf die Grundversorgung zu hinterfragen, macht m.E. durchaus Sinn: Heute schließen gerade viel Geringverdiener keinen Riestervertrag ab, weil sie davon ausgehen müssen, dass die später anfallende Riesterrente auf die vom Staat gezahlte Grundversorgung angerechnet wird. Alle über die Laufzeit gezahlten Eigenbeiträge wären so “verloren”, der Grund, warum kein Vertrag abgeschlossen wird. Da aber die Grundversorgung im Regelfall nicht zum Leben reichen wird, sollte der Staat durch Verzicht auf eine Anrechnung zumindest diese minimale private Altersversorgung fördern.

  3. Frank Schmidt, 3. August 2013 um 18:15 Uhr

    Hallo Herr Dr. Lach,

    yep, da haben wir uns falsch verstanden. (Ich Sie, um genau zu sein.) Sorry.
    Frei nach dem Motto, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, stimme ich dem Passus mit der Anrechnung auf die Grundversorgung zu. 🙂

    Schönes WE
    Frank Schmidt