Grotesk

6. März 2013 | 1.037 mal gelesen

Nun scheint es tatsächlich so zu kommen, dass auf Drängen der sich so bezeichnenden Verbraucherschützer die deutschen Lebensversicherer Kunden, die ihren Vertrag vorzeitig kündigen, an so genannten Bewertungsreserven in festverzinslichen Anlagen beteiligen müssen. So will es der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag.

Der Reihe nach:

  1. Wer festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen kauft, erhält bei Fälligkeit das zur Verfügung gestellte Nominalkapital in voller Höhe zurück. Während er Laufzeit wird der fest vereinarte Zins bezahlt.
  2. Steigen die Marktzinsen während der Laufzeit, ist das Papier aufgrund des niedrigeren Zinssatzes weniger werthaltig, der Kurs sinkt vorübergehend. Sinken die Marktzinsen, geschieht alles in entgegegesetzter Richtung: der Kurs der Anleihe steigt zunächst, um bei Fälligkeit wieder den Anfangswert zu erreichen.
  3. Versicherer legen die Kundengelder zu rund 90 Prozent in festverzinslichen Papieren an. Steigen deren Kurse aufgrund fallender Zinsen, entstehen vorübergehend stille Reserven, die sich automatisch bis zur Fälligkeit der Zinspapiere wieder auflösen.

Real existieren diese stillen Reserven also gar nicht. Kunden, die ihre Verträge vorzeitig kündigen, daran zu beteiligen, muss also zu Lasten des Rohüberschusses gehen, und insoweit muss das Ganze von denjenigen bezahlt werden, die ihre Verträge bis zum Ablauf erfüllen.

Das kann es nicht sein, denn die Motivation, einen Altersversorgungsvertrag frühzeitig zu kündigen, wird dadurch erhöht, ihn durchzuhalten, verringert. Es scheint, als verlöre die Politik den Blick auf das große Ganze. Denn sonst würden nicht Gesetze gemacht, die Altersarmut fördern, anstatt sie zu verhindern.


Kommentare für diesen Artikel (12)

  1. Siegfried Selig, 6. März 2013 um 12:32 Uhr

    Ohne Worte

    “Wer schützt den Verbraucher vor solchen “Verbraucherschützern!”
    oder
    “Wer schützt den Bürger vor unfähigen Bürgervertretern (Bundestag Bundesrat)?”

    Es werden also zukünftig all diejenigen zur Kasse gebeten die “so blöd sind” für Ihre Altersvorsorge selbst zusätzlich Vorsorge zu treffen und auf Konsum jahrelang freiwillig verzichten.
    Und mehr noch, wir “Blöden” finanzieren dadurch die “Cleveren” die ja superschlau erkannt haben dass private Vorsorge in Form von Lebensversicherungen sich ja “sowieso nicht lohnt” und deshalb kündigen…
    um dann im Alter wieder von Anderen (“Blöden”) finanziert werden müssen.

    Ich errinnere mich an die Bewertung meiner Mutter für ein solches Verhalten und die dahinter sich verbergende Einstellung.
    Sie nannte dies nicht Clever, sondern Asozial!

    Dass solch ein Verhalten jetzt auch noch von “Verbraucherschützern” und Bürgervertretern “belohnt” werden soll – für mich nicht nachvollziehbar.

    Vielleicht heißen die Verbraucherschützer deshalb so weil Sie den einzelnen Verbrauch schützen (also den sofortigen Verbrauch an finanziellen Mitteln) und eben nicht das Gemeinwohl.

    Siegfried Selig

  2. H.G.Mechler, 7. März 2013 um 14:04 Uhr

    Herr Selig

    Die Verbraucherschützer kümmern sich nicht nur um Versicherungsangelegenheiten und haben ihre Daseinsberechtigung.

    Unfähige Bürgervertreter. Meinen Sie damit die wenigen vermutlich bezahlten Abgeordneten die in einer Nacht und Nebelaktion am 8.zum 9. November ohne Aussprache im Plenum ein Gestz verabschiedeten, das im Bunsrat im Dezember gekippt wurde.

    Ich habe mir die Liste der Mitglieder im Vermittlungsausschuß angesehen. Die werden sicherlich die Angelegenheit im Sinne der bisher treu zahlenden Beigtragszahler richten.
    Ich weiß noch was mir 1995 von einem Ihrer Kollegen erzählt und das von der Analysemappe nicht garantiert untermauert wurde.
    Nun ja, was interessiert mich das Geschwätz von gestern.
    Bei der letzten Versicherung habe ich einen vierstelligen Verlust in Kauf nehmen müssen.
    Ich habe mit der AM verhandelt. Der sogenannte Berater blieb außen vor und konnte gar nichts bewegen.
    Es stehen noch drei Versicherungen aus, mir schwant nichts gutes.

  3. Frank Schmidt, 9. März 2013 um 11:17 Uhr

    Hallo

    Na ja, sollte die Eingangslogik (fallende Zinsen = steigende Kurse) auch für Versicherungen zutreffen, müssten ja die jetzt auslaufenden “alten” Verträge mit einer Traumrendite versehen sein. Schließlich hatten wir in den 90-ziger Jahren eine Umlaufrendite von bis zu 9%.

    Andererseits, ich sehe kaum Versicherungen, die Ihre “alten” Schätzungen einhalten. Eher, dass man sich an die Garantieen hält. Obwohl die Schätzungen doch bei den Zinsverfall (= steigender Kurs) nun wirklich leicht machbar gewesen wären. Oder?

    Gehen wir davon aus, dass die Zinsen auch wieder steigen werden, frage ich mich, warum soll ich eine (klassische) Versicherung abschließen? Garantie unter 2%, mit Gewinnen nicht zu rechenen, da steigende Zinsen wahrscheinlich.

    Fazit: Zu manch einem Anleger passt es, eine kritische Distanz ratsam.

    Frank Schmidt

  4. , 9. März 2013 um 16:57 Uhr

    @ Frank Schmidt

    In zwei Punkten will ich wiedersprechen: Es ist falsch, dass die Gewinnbeteiligung der Lebensversicherer lediglich auf dem Niveau der Garantiezisnen liegt. Aktuell liegt sie im Branchenschnitt bei rund 4 Prozent, also mehr als doppelt so hoch wie der Garantiezins (1,75 Prozent).

    Steigende Zinsen wären von Vorteil für die Kunden der Lebensversicherer, da diese dann über die Neuanlagen die aktuelle Durchschnittsverzinsung im Bestand wieder erhöhen würden. Die Überschußbeteiligungen und der Garantiezins würden wieder ansteigen. Die fallenden Kurse der Anleihen im Bestand können den Versicherern nichts anhaben, da sie diese bis zur Fälligkeit halten werden, und dann liegt der Kurswert wieder bei 100 Prozent.

  5. Frank Schmidt, 9. März 2013 um 17:44 Uhr

    Hallo,

    o.k., auch einen dagegen. Antwort “gestattet”, ich will’s aber nicht ins Extrem treiben.

    Thema Rendite in der Verzinsung der Lebensversicherer: Da nehme man sich einfach mal eine Rentenpolice eines Versicherers. Die Daten aus 2011 und aus 2012 und errechne unter Berücksichtigung des Beitrages mal die Rendite des Kunden. Also nicht die statistisch ausgewiesene Rendite, sondern die Reale. Da bleibt von den 4% häufig nicht viel übrig.

    Wenn ein Kunde RENDITE hört, denkt er an SEINE Rendite, und zwar netto. Folgt man Ihrer Logik, würde eine Netoverzinsung von etwa 0% ausgewiesen werden müssen. Zusage 1,75% abzgl. Kosten, da bleibt nichts mehr. Wer schließt das dann noch ab?

    Sie könnten jedoch Recht haben, was die steigenden Zinsen und die Durchschnittsverzinsung künftiger Verträge angeht.

    Schönen Samstagabend
    FS

  6. , 9. März 2013 um 17:59 Uhr

    @ Frank Schmidt

    Gerne ergänze ich Ihre Siichtweise.

    Der von Ihnen beschriebe Kunde wäre nicht gut beraten worden. Denn er hätte nicht verstanden, dass die Überschussbeteiligung in Höhe von 4 Prozent auf den Sparanteil in der Versicherungsprämie gezahlt wird, und zwar netto vor Steuer!

    Mit dem verbleibenden Teil der Prämie deckt der Versicherer seine Kosten und – ganz entscheidend: Er sichert bestimmte Risiken des Kunden ab. Bei der Lebensversicherung das Todesfallrisiko zum Schutz der Familie bzw. der Hinterbliebenen. Und bei der Rentenversicherung das Langlebigkeitsrisiko, damit der Versicherte eine lebenslange Rente beziehen kann.

    Lebens- und Rentenversicherungen sind nun einmal nicht in erster Linie Rendite- sondern Absicherungs- und Vorsorgeprodukte. Wer sie, wie ihr Modellkunde, auf Renditeprodukte reduziert, hat deren Sinn und Zweck nicht verstanden.

  7. H.G.Mechler, 10. März 2013 um 23:50 Uhr

    Herr Frank Schmidt.

    Von wegen nicht gut beraten.
    Ich habe 1995 drei Versicherungen abgeschlossen. Eingetragen ist die Versicherungssumme die Laufzeit und der monatliche Beitrag.
    Die eingezahlte Versicherungsprämien nach der Laufzeit muß man sich selbst ausrechnen. Sie sind jeweils deutlich unter der garantierten Versicherungssummen.
    Abzugskosten zum Sparanteil wurden vom Berater nicht ermittelt. Somit können auch die gepriesenen 4 % nicht ausgerechnet werden.
    Möglich daß sich heute etwas geändert hat. Sie haben recht, wer schließt das dann noch ab.

    mit freundlichen Gruß

  8. Siegfried Selig, 15. März 2013 um 16:44 Uhr

    Hallo Herr H.G.Mechler

    Zum Thema Verbraucherschützer und Daseinberechtigung noch einige Bemerkungen:

    Ich habe in den letzten Jahren die Erfahrung machen müssen dass gerade in Versicherungs- und Anlageempfehlung die Verbraucherschützer daneben lagen und darüber hinaus auch schon mal gegebene Empfehlungen revidieren. Bsp. Riester Rente zu Beginn als Teufelszeug verschren, dann wieder empfohlen und heute???).

    Vor allem aber ärgere ich mich über die Arroganz dieser Menschen; die oftmals ohne zu differenzieren eine ganze Branche verunglimpft und diskreditiert!

    Diese “Ratschläge” verunsichern in aller Regel die Verbraucher:
    Folge:1.) Kündigungen von bestehenden (auch sehr guten) Verträgen oder 2.) Nichtstun aufgrund dieser Unsicherheit.
    Können wir uns hier einigen dass beide Reaktionen weder dem einzelnen Bürger noch dem Gemeinwohl nützen?

    Eine weitere Anmerkung:
    Sie haben 1995 Ihre Altersvorsorgeverträge abgeschlossen.
    Wenn Sie mögen schauen Sie doch mal nach wer zu diesem Zeitpunkt “oberster Verbraucherschützer” in Deutschland in Sachen Versicherung war (Tipp: Bund der Versicherten), und welche Empfehlungen dieser seinerzeit dem Verbraucher landauf landab gab. Stichwort “legaler Betrug”
    Ich denke Sie können foh sein damals nicht diesem Herrn Folge geleistet zu haben!

    Viele Kollegen haben damals mit diesen “Empfehlungen” vor Ort beim Kunden gekämpft und argumentiert.

    Ich betreue meine Kunden von damals immer noch weiter persönlich – und kann diesen guten Gewissens in die Augen schauen! was mann von dieserm “Verbraucherschützer” eher nicht mehr behaupten kann.

    Mit freundlichem Gruß

  9. H.G.Mechler, 17. März 2013 um 14:47 Uhr

    Herr Selig
    Ich ärgere mich über Menschen die mit Arroganz Anträge über schlechte Versicherungen ausfüllen und zur Unterschrift vorlegen.
    Private Kranken- und Pflegeversicherung und alle Sachversicherungen habe ich jeweils bei einer anderen Versicherungsgesellschaft abgeschlossen.
    Alle Agenturleiter (Fachleute der jeweiligen Versicherung (nicht Allfinanz) bescheinigten mir die fantastischen Zahlen der Analysemappe und der daraus resultierenden Versicherungen.

    mit freundlichen Gruß

  10. Siegfried Selig, 20. März 2013 um 11:36 Uhr

    Herr H.G Mechler,

    Schade dass Sie nicht auf meine Anmerkungen eingegangen sind.
    Aber zum Schluß sind wir uns ja in mindestens 2 Punkten einig.
    Sowohl über schlechte Versicherungen und Arroganz ärgern wir uns offensichtlich gemeinsam 😉

  11. Frank Schmidt, 24. März 2013 um 08:39 Uhr

    Hallo Herr Selig,

    ja, DEN Verbraucherschützer kenne ich noch. Der ist aber heute weit vom Fenster. Ich weiß nicht mal, ob da noch Gitter davor sind. Aber sei es, wie es sei.
    Empfohlen hat der damals gebetsmühlenartig KEINE kapitalbildenden Versicherungen abzuschließen. Sondern Risiko LV und Fondssparplan. Und damit hat er nicht schlecht gelgen, oder?

    Frank Schmidt

  12. Siegfried Selig, 24. März 2013 um 22:12 Uhr

    Hallo Herr Schmidt,

    stimmt, den meinte ich. Ich befürchte dass seine Fenster zwischenzeitlich wieder freie Sicht bieten….leider; für solche Verbrechen ist unser Rechtssystem meiner Meinung nach viel zu “nachsichtig”.

    Seine Vorschläge waren damals nicht nur die von Ihnen erwähnten – je nach Fonds und ausgesuchter Laufzeit haben Sie Recht; oder eben auch nicht 😉

    Nein, das hat mich damals nicht geärgert – ist im Einzelfall auch eine gute Alternative die ein seriöser Berater selbstverständlich auch im Angebot hat (oder auch FLVs, mit oder ohne BU oder Klv / FLV kombiniert…Schieberegler..oder oder oder..Individuell eben!).

    Was mich damals wirklich aufregte waren die katastrophalen Empfehlungen von” Mister Verbraucherschützer” alle bestehenden LVs sofort zu kündigen da dies ja “legaler Betrug” sei und seine damit einhergehenden Versprechen von Traumrenditen; ich erinnere mich an ein Interview in dem er von weit über 10 Prozent p.a. sprach – selbstverständlich ohne dabei auf das erhöhte Risiko hinzuweisen!

    Viele Verbraucher haben genau durch diese Vorschläge sehr viel Geld verloren.

    Deshlab meine Eingangsfrage:

    Wer schützt eigentlich uns Verbraucher vor (solchen) “Verbraucherschützern”?!

    Freundliche Grüße

    Siegfried Selig