Wohin geht die Reise?

29. Oktober 2012 | 963 mal gelesen

Meist wird die Verantwortung für das zunehmende Versagen der Sozialversicherungssysteme der demografischen Entwicklung zugeschrieben.

Immer weniger Kinder und eine stetig ansteigende Lebenserwartung kippen das System. Mit einer solchen Argumentation macht man es sich zu leicht. Denn das Problem sind nicht die nicht geborenen Kinder und die immer älter werdenden Menschen. 

Daran lässt sich auch durch politisches Handeln nur recht wenig verändern.  

Das tatsächliche Problem – und dieses ist durchaus ein politisches – ist die Dauer der Erwerbstätigkeit der Menschen, die in den letzten und kommenden Jahrzehnten unzureichend an die demografische Entwicklung angepasst wurde bzw. wird. Dies führt dazu, dass der Anteil der Erwerbstätigen immer mehr ab und der der Nichterwerbstätigen immer mehr zunimmt. Da aber auch letztere von irgendetwas leben müssen, steigt die Last der Erwerbstätigen immer weiter an – sei es über Sozialversicherungsbeiträge oder über Steuern, die zur Deckung der Ausgaben verwendet werden.

Aber es ist offensichtlich politisch nicht durchsetzbar, dass …

  • das Renteneintrittsalter der Menschen auf mehr als 67 oder sogar 69 Jahre erhöht wird,
  • junge Menschen viel früher ins Erwerbsleben eintreten, sprich die Schul- und Ausbildungszeiten verkürzt werden,
  • die Leistungen aus der Sozialversicherung wie Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe an nicht Erwerbstätige, aber Erwerbsfähige, gekürzt werden,
  • anrechenbare Ausfallzeiten ohne Erwerbstätigkeit reduziert
  • und viel mehr kinderbedingt nicht erwerbstätige Mütter und Frauen auch während der Kindererziehung beruflich tätig werden müssten.

Dass all dies von der Politik nicht im erforderlichen Maße angegangen wird, ist verständlich, denn es würde viele Wählerstimmen kosten. Zugleich ist vieles davon eine hart erkämpfte Errungenschaft des Sozialstaates.

Bleibt dennoch die Frage: Wenn denn diese Errungenschaften schlichtweg nicht mehr bezahlbar sind, wie soll es weiter gehen?

Die Antwort muss wohl lauten: Weitere Reformen und damit einhergehend eine Ausweitung der Verantwortung des Einzelnen für seine private Vorsorge.


Kommentare für diesen Artikel (2)

  1. Frank Schmidt, 29. Oktober 2012 um 11:22 Uhr

    Hallo

    Ich denke schon, dass der Mangel an Kindern eine wesentliche Ursache der schlechten Alterspyramide ist. Jedenfalls ursächlicher, als die Erwerbszeiten.

    Aber schauen wir uns rententechnisch doch mal die Rahmenbedingungen junger Mütter/Väter/Familien an.
    Hätten die überhaupt das Kapital, um die eigene ausreichende Vorsorge zu betreiben?
    Ist es nicht so, dass in unserer Gesellschaft Kinder oft eine “Karrierrebremse” darstellen?
    Ist es nicht so, dass diejenigen, die keine Kinder in die Welt setzen, eher das Kapital zur Vorsorge haben?

    Das Ergebnis ist doch, dass Der- oder Diejenige, welche(r) wenig für eine gesunde Altersstruktur der Bevölkerung unternimmt, am Ende besser dasteht, als diejenigen Mütter/Väter/Familien, welche Kinder groß ziehen. Und hiermit schadet sich die Gesellschaft selbst.

    Es scheint sehr leicht zu sein, nach höherer Eigenvorsorge zu rufen, die Bevölkerung in die Pflicht zu nehmen, als vernünftige sozialpolitische Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Wobei ich die das politische Handeln (Nichthandeln) sehr wohl als ursächlich ansehe.

    MfG
    FS

  2. , 30. Oktober 2012 um 12:14 Uhr

    @ Frank Schmidt

    Da haben Sie recht, deshalb müßten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die erziehenden Müttern attraktive und auskömmliche Erwerbstätigkeit ermöglichen. Und genau dadurch würde sich auch die Erwerbsdauer verlängern. Ob kinderlose Paare höhere Solidarbeiträge leisten sollten, ist eine schwierige Frage. Viele Paare sind ungewollt kinderlos und würden sich “doppelt bestraft” fühlen. Dennoch ist natürlich richtig, dass in den meisten Fällen Kinder zulasten der eigenen Rentenansprüche gehen. Früher, als meist die Kinder noch die Eltern im Alter mitversorgten, war dies kein Problem. Heute ist es eines.