Zwangskorsett

28. September 2012 | 671 mal gelesen

Schnell wird in diesen Tagen die Verantwortung für den Rückgang der Überschussbeteiligungen in der privaten Renten- und Lebensversicherung den Versicherern und den Vertrieben zugeschrieben.

Dabei ist die Sache eigentlich ganz anders und vor allem ganz einfach:

Durch Solvency II werden die deutschen Lebensversicherer quasi dazu gezwungen, in großem Umfang das Geld der Kunden in Staatsanleihen zu investieren. Diese werfen aber kaum noch Rendite ab, deutsche Anleihen sogar teilweise mit negativer Rendite.

Dafür wiederum verantwortlich sind die hohen Staatsschulden in  den Euroländern: Damit die hierauf anfallenden Zinsen noch bewältigt und die Kredite nicht abgeschrieben werden müssen sowie einzelne Staaten nicht Pleite gehen, halten Politik und EZB den Zins auf Staatsanleihen künstlich extrem niedrig.

Und so schließt sich der Kreis: Die Bürger beteiligen sich schon jetzt indirekt an der Rettung diverser europäischer Staatshaushalte, indem sie bei der Altersversorgung auf Rendite verzichten müssen und so den Staaten die Finanzierung der Zinslasten ermöglichen. Dafür Versicherern und Vertrieben die Verantwortung zu geben, wie es manch einer tut, zeugt nicht von Sachverstand.