Provisionsabgabeverbot

15. März 2012 | 1.428 mal gelesen

Bislang war es verboten, in der Versicherungsbranche Provisionen an Kunden abzugeben.

Dieses Verbot ist aufgrund eines Urteils des Frankfurter Verwaltungsgerichtes und dem aktuellen Verzicht der BaFin auf Revision ausgesetzt. Es ist damit zu rechnen, dass alsbald das Verbot aufgehoben wird.

Das wird denjenigen Vermittlern entgegenkommen, die lediglich ein Abschlussinteresse haben und sich danach nie wieder um den Kunden kümmern. Denn genau dieses “Kümmern” ist es, was den seriösen Berater und Vermittler viel Zeit, Ressourcen und damit Geld kostet. Und dieses muss verdient werden, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Das Problem dabei: sehr viele zeitaufwändige Servicearbeiten wie z.B. Beratung im Zusammenhang mit einer Beitragsfreistellung, Aufhebung nicht mehr benötigter Verträge, Beratung bei Beitragsrückständen oder bei gewünschter Niedrigertarifierung werden nicht gesondert vergütet.

Bedeutet: der Berater muss große Teile seiner bei Vertragsabschluss erzielten Vergütung zurückstellen, um so unentgeltlich erbrachten Service finanzieren zu können. Müssen dann Teile der Provision auch noch an den Kunden abgegeben werden, darf dieser sich nicht wundern, wenn auch der Service weniger wird.

Bleibt: es ist richtig, dass das Provisionsabgabeverbot in seiner heutigen Form Preiswettbewerb unter den Vermittlern behindert. Es ist aber in jedem Falle Garant dafür, dass Vermittler und Berater über ausreichend Deckungsbeiträge für umfangreiche Servicekosten verfügen können. Fraglich also, ob die Abschaffung des Provisionsabgabeverbotes wirklich im Sinne des Kunden ist. Wohl eher nicht.


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Kommentare für diesen Artikel (9)

  1. Wolfgang, 15. März 2012 um 10:52 Uhr

    Immer wieder wird auf den Provisionen geritten.
    Kein Privat-Patient sagt zum Arzt: Wieviel vom Honorar bekomme ich, daß Sie Hand an mir anlegen dürfen.
    Niemand verhandelt mit: dem Immobilenmakler – Notar – IHK – Steeurberater – Gewerbesteueramt – Finanzamt – Finanzamt ( EK-Steuer ) – etc. Alles Branchen, wenn mehr Umsatz, desto mehr muss der Kunde zahlen ( Provision )
    Währe der Stundensatz bei einer Fachkompetenten Person bei 100 Euro würde niemand die kleinen Sachversicherungen abschließen. Geschweige denn eine Auskunft im Schadenfall haben wollen. Wenn eine Provisionsabgabe zur Debatte steht, ist sie von Beginn an zu hoch kalkuliert.
    Nun denn, auf zur Diskussion !

  2. Anastasia Schmitt, 15. März 2012 um 11:19 Uhr

    Das kann man bestimmt so sehen! Aber wenn es so sein soll, könnte man dem mit einem anderen Vergütungssystem für Berater begegnen. Daran sollte es wohl dann auch nicht scheitern.

  3. geraldehrlich, 15. März 2012 um 17:00 Uhr

    Wie sollte denn so ein Vergütungssystem aussehen, Frau Schmitt?
    Gelegentlich betreue ich (potenzielle) Kunden über 2-3 Jahre ohne Abschlüsse oder mit “Pipifax”. z.B. Azubis sind solche Kunden oder Menschen mit Krediten, die ich erst entschulde. Hier glänze ich mit Service und gehe immens in Vorleistung. Durch eine Mischkalkulation über alle Kunden und Sparten wird solch ein Service erst möglich.
    Über Honorar oder Vergütungstabellen abgerechnet, wären diese Klientel komplett ausgeschlossen.

    Ein paar Beiträge vorher hatten wir die Diskussion ja schon ähnlich. Was ist so verwerflich daran, für gute Arbeit gutes Geld zu zahlen?

  4. realstory, 15. März 2012 um 21:51 Uhr

    @ Dr. Helge Lach

    Theorie und Praxis liegen meist sehr weit voneinander entfernt.
    Ob man ganz offiziell Provisionsabgabe dazu sagt, oder es inoffiziell als Empfehlungshonorar bezeichnet wird, ist absolute Nebensache.
    Ich weiss das und Sie wissen es noch besser.
    Themen mit noch mehr Praxisnähe wären sehr förderlich.
    Danke.

  5. , 16. März 2012 um 00:01 Uhr

    @ realstory

    Mit Verlaub: ich kann nicht folgen. Sie müßten mir bitte erklären, worum es Ihnen geht.

  6. Frank Schmidt, 16. März 2012 um 11:59 Uhr

    Hallo,

    man ist ja nicht verpflichtet Provision abzugeben.

    @geraldehrlich
    Ist nicht auch das unentgeltliche Arbeiten, was Sie beschreiben, eine Art der Provisionsabgabe? Kann beim Kunden nicht so der Eindruck entstehen, dass unentgeltliches Arbeiten in unserer Branche Gang und Gäbe wäre?

    Zu Ihrer Frage. Was halten Sie davon, eine Rechnung für erbrachte Servicedienstleistungen zu stellen? (Ich weiß, das müßte abgestimmt werden, aber sollte das unmöglich sein?)

    MfG
    FS

  7. Anastasia Schmitt, 16. März 2012 um 14:45 Uhr

    @ geraldehrlich

    Soll ich Ihnen jetzt schnell ein Vergütungssystem erarbeiten?

    Nun werden meist Konzepte und Regelungen geschaffen, wenn der Bedarf besteht. Ich denke einfach, wenn ihr Vergütungssystem durch gesetzliche Regelungen nicht mehr zu aller Zufriedenheit greift, werden Sie so erfinderisch sein, ein neues zu entwickeln. Der klassische Versicherungsvertreter bekommt ja teilweise eine Vergütung für Bestandskunden. Oder nehmen wir den klassischen Vertrieb. Der meist neben einem Fixum eine Provision erhält. Nun sind Sie bei der DVAG „selbstständig“, da ist das natürlich etwas schwieriger. Das genaue Vergütungssystem kenne ich aber nicht. Das Sie sehr viel Zeit für die Betreuung aufwenden müssen ist mir bekannt, ich selbst bin ja auch Kunde eines Beraters 😉

  8. Andreas Roehr, 17. März 2012 um 00:48 Uhr

    Hallo liebe Blogger,

    ich finde dieses “drumherum geschreibe” einfach unnötig !

    Kürzlich so geschehen, Makler sagt einem Kunden: “Wenn Du diesen Vertrag bei mir machst bekommst Du von mir 500,00 € auf die Hand”.

    SO GESCHEHEN !!!

    Das ist mit Provisionsabgabe gemeint. Kunde (Anfang 20J) macht diesen Vertrag dann bei dem Makler weil er schnell 500,00 € bekommt.
    Nicht weil der “neue” Vertrag besser wäre !

    Ist es das was alle wollen !!!???

    Ich glaube eher nicht. Es gibt aktuell mehrere Vergütungssystheme zwischen denen der Kunde wählen kann. (völlig frei)
    Warum muss man diese noch reugulieren durch Geseztesvorgaben?

    Einen sonnigen Samstag
    Andreas Röhr

  9. geraldehrlich, 19. März 2012 um 08:18 Uhr

    Genau so ist es Herr Röhr.
    Ich würde diese 500,- € nie zahlen. Erstens wird der Kunde irgendwann den Vertrag eh weghauen, da er die Notwendigkeit desselben gar nicht begriffen hat. Zweitens verliere ich meine Glaubwürdigkeit – solche Vermittler halten sich meistens nicht lange am Markt oder im selben Unternehmen.