Ammenmärchen

10. Januar 2012 | 1.428 mal gelesen

Ja, es ist richtig: So manch ein privat Krankenversicherter würde es aktuell vorziehen, in die GKV zu wechseln – unter Inkaufnahme erheblicher Verschlechterungen im Leistungsbereich.

Was aber die gesetzlichen Kassen aktuell verbreiten ist unseriös und nichts anderes als der Versuch, der PKV zum eigenen Nutzen zu schaden. Denn die Behauptung, Zehntausende würden derzeit angesichts steigender Prämien von der PKV in die GKV wechseln, ist nichts anderes als unwahr. Steigende Beiträge begründen kein Wechselrecht. Dieses besteht in erster Linie nur dann, wenn Versicherungspflicht eintritt – also z.B. ein abhängig Beschäftigter, privat Versicherter mit seinem Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze unterschreitet oder ein Selbständiger in eine abhängige Beschäftigung wechselt und dabei das Einkommen unterhalb der BBG liegt.

Die gesetzlichen Kassen täten gut daran, die ohnehin schwierige Reform der Finanzierung des Gsundheitswesens nicht durch Ammenmärchen zusätzlich zu erschweren.


Kommentare für diesen Artikel (14)

  1. #Mark, 10. Januar 2012 um 21:07 Uhr

    Hallo,
    ich bin selber aktuell in einer Krankenkasse.. ich muss leider Recht geben das immer versucht wird die Personen aus der PKV in die GKV zu holen. Wie genau die Argumente sind weiss ich nicht, da ich selber in der Umlage tätig bin. Eins steht jedoch fest, wer in die PKV gewechselt ist und immer gespart hat und sich jetzt aufregt war wohl sehr blauäugig. Persönlich bin ich bei der Central seit ich in der Lehre war, seit dem sind die Beträge nur minimal gestiegen. Wenn ich heute etwas vergleichbares wöllte wäre es mit weniger Leistung nur minimal preiswerter oder mit ähnliches viel teurer. Damit steht fest jeder sollte mal sein “Hirn” benutzen!

  2. Michael, 11. Januar 2012 um 08:48 Uhr

    Guten morgen Mark,

    das würde mich jetzt schon interessieren, wie du als Azubi in eine PKV konntest? Oder meinst du evtl. nur eine Krankenzusatzversicherung?

    Gruß Michael

  3. Mechler, 11. Januar 2012 um 10:28 Uhr

    @Michael
    Bei der Generali gibt es für Auszubildende und Studenten den Tarif KJD monatlich je nach Leistungsinanspruchnahme ab 107.–Euro. mit Eigenbeteiligung.
    (In der GKV ist der Azubi oder Student soweit beide Elternteile GKV versichert sind kostenfrei mit versichert.)
    @ Mark
    Wenn ich heute etwas vergleichbares wöllte wäre es mit weniger Leistung nur minimal preiswerter oder mit ähnliches viel teurer. Welchen Tarif bei der Central meinen Sie? Damit steht fest jeder sollte mal sein “Hirn” benutzen! Mit den Zusatzkrankenversicherungen in der GKV kann man heute im Krankenhaus oder beim Zahnarzt die geleichen Leistungen erreichen. Es geht hier darum, will ich mich an eine bestimmte private Krankenversicherung binden oder in der GKV problemlos wechseln können.
    Ich bin privat, meine Frau gesetzlich versichert. Ich brauche mein Hirn nicht einzuschalten. Ich erlebe die Realität. Am 29.12. habe ich eine Rechnung
    an den Arzt bezahlt. Es wird Ende Januar bis sich der Betrag wieder auf meinem Konto befindet.
    In die GKV könnte ich nicht wechseln. Das mit den Zehntausende im Blog kann ich auch nicht nach vollziehen. Die täten dies vielleicht gern, können es aber nicht.

  4. Wolfgang Stadler, 11. Januar 2012 um 11:53 Uhr

    hier eine interessante Information (Quelle http://www.yourjournal.de/artikel/3075-pkv-immer-mehr-rueckkehrer-in-die-gkv.html)

    Dass Privatversicherte in die GKV zurückkehren, zeigen Zahlen von Barmer GEK und Techniker Krankenkasse (TK). Beide haben im letzten Jahr deutliche Zuwächse in diesem Bereich verzeichnet, bei der Barmer GEK waren es 27.600 Zugänge, bei der TK sogar rund 68.000 Privatversicherte.

    obwohl gesetzlich eine Rückkehr von der privaten in die gesetzliche Kasse nur unter wenigen Bedingungen möglich ist, haben scheinbar einige gesetzliche Kassen diese gesetzliche Regelung umgangen und trotzdem Privatversicherte zurückgeholt.

  5. #Mark, 11. Januar 2012 um 17:25 Uhr

    Hi,
    ich habe es vergessen zu schreiben, ich habe nur eine Zusatzvers. bei der Central.

    @Mechler
    ich meinte mit “Hirn” einschalten wenn man die Wahl trifft GKV oder PKV. Wenn Geld gespart wird regt sich ja eh keiner auf, nur sobald eine Erhöhung kommt egal wieviel…(gibt leute die regen sich bei 0,50Cent im Monat auf) ist immer die Hölle los.
    @Wolfgang
    das was ich mitbekommen habe gilt auch 1Tag bei einer sv pflichtige Tätigkeit das man von PKV zu GKV wechseln kann, ob das jetzt so richtig ist weiß ich nicht, ich mach mich da mal schlau 😀 wobei ja versucht wird alles in der Kasse zu behalten und oder wieder zurück zu holen. Wie weit da Mitarbeiter gehn weiß ich nicht.

  6. Stefan, 11. Januar 2012 um 21:51 Uhr

    Bei aller Diskussion über GKV und PKV sollte der Ansatz “Ich bin besser als Du” außen vor bleiben.
    Besser kann dabei heißen billiger oder auch leistungsstärker.
    Für wichtiger halte ich die Frage: “Was will ich für mich?”
    Das sollte jeder selbst, am besten mit einem Fachmann/frau zusammen entscheiden.
    Im November bekam ich von meiner PKV eine saftige Prämienanpassung, 108 € p.m. mehr. Das war heftig, eine GKV wäre vielleicht für weniger Geld zu haben.
    Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich einen blutigen Unfall mit Krankenhausbehandlung und Chirurgie.
    Was ich bei den Ärzten erlebt habe, hat meinen Schmerz über die Beitragsanpassung deutlich gelindert. Ich konnte Leistung erleben!
    Ich wurde definitiv anders (vor allem schneller,) behandelt, als andere Patienten, Notfälle gingen natürlich vor.
    Das im Ernstfall zu erleben, ist mir deutlich mehr wert, als mich momentan meine PKV kostet.
    Meine Erfahrung mit mir selbst ist: Der Preis für die PKV ist für den Kunden solange ein Ärgernis, wie er gesund ist.
    Braucht er Leistungen, schätzt er diese höher als die monatliche Prämie.
    Oder als Lehrsatz: “Den Preis vergisst der Kunde, die Leistung niemals.”
    Das soll jetzt keine Grundsatzdiskussion anregen, sondern nur eine Zustandsbeschreibung sein. Gerecht und leistungsfähig für alle ist unser System definitiv nicht.
    Zur PKV gehe ich jedenfalls nicht wegen der vermeintlich niedrigeren Prämie. Oder anders ausgedrückt: Ich kaufe keinen Mittelklassewagen, weil er auf Dauer billiger ist, nur weil der Händler mir einen Rabatt gibt.
    Wenn ich sparen und eine Standardleistung möchte, kaufe ich eben den Kleinwagen.
    In die PKV zu wechseln weil diese billiger sei, ist ein Fehler schon im Ansatz.
    In die PKV gehe ich wegen der Leistung. Wenn dann noch über viele Jahre weniger bezahlt werden muss, als in der GKV, dann ist das schön, aber keine Garantie für die zukünftigen Prämien.
    Für die Richtigkeit dieses Ansatzes sprechen auch die vielen GKV Versicherten, die PKV Zusatztarife kaufen.

  7. Markus, 12. Januar 2012 um 09:10 Uhr

    @Stefan
    Klasse Kommentar!!!!!
    Der letzte Satz sagt vieles aus!
    (Für die Richtigkeit dieses Ansatzes sprechen auch die vielen GKV Versicherten, die PKV Zusatztarife kaufen.)

    Grüße
    Vermögensberater
    Markus Harrer

  8. Klaus Corell, 12. Januar 2012 um 11:06 Uhr

    Ich glaube eher, dass Zehntausende liebend gerne von der GKV in die PKV wechseln würden. Mit einer vernünftigen (also keiner abgespeckten) PKV ist man Patient 1. Klasse.

  9. Thomas Lange, 12. Januar 2012 um 12:41 Uhr

    “Ich glaube eher, dass Zehntausende liebend gerne von der GKV in die PKV wechseln würden. Mit einer vernünftigen (also keiner abgespeckten) PKV ist man Patient 1. Klasse.”

    Und was nützt mir das, wenn die Prämien ins Horrende steigen? Für die Privaten Kassen ist mal solange ein guter Kunde, wie man jung ist, keine Krankheiten und somit keine Leistungen in Anspruch nimmt.

    Ich bin seit Jahren bei der TK und habe einige Krankheiten, die meiner Kasse auch in Sachen Medikamenten im Quartal eine Menge kosten. Und selbst wenn ich gesund wäre, stellte die Private keine Alternative dar.

    Bspw. hat unser Krankenhaus nur noch Zweibettzimmer. Was nützt mir da die Private?

    Und Termine beim Facharzt bekomme ich auch immer ohne die Wartezeiten. Als Beispiel nenne ich da mal den Augenarzt. Unsere Stadt hat 30.000 Einwohner. Den Termin habe ich auch innerhalb von 14 Tage bekommen. Ok, bei der Privaten wäre es vielleicht von heute auf morgen gegangen, aber was solls.

    Zumindest muss ich mir nicht den Kopf zerbrechen und jedes Jahr aufs neue Zittern, ob ich mir die Prämie ab 01.01. eines jeden Jahres noch leisten kann.

  10. Wolfgang Stadler, 12. Januar 2012 um 20:29 Uhr

    Lieber Herr Lange,

    was ich niemandem wünsche ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Solche Betroffenen können uns allen dann erklären, ob es eine unterschiedliche Behandlung je nach Kasse gibt.

    Ob Sie persönlich nun bei einem Augenarzttermin 14 Tage warten mussten oder nicht scheint doch recht unerheblich?

  11. Thomas S., 13. Januar 2012 um 09:16 Uhr

    @ Thomas Lange

    Eines der häufigsten angeführten Argumente ist, dass die PKV stark in den Beiträgen steigt und die GKV nicht. Dies ist falsch, denn die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen und die steigende Lebenserwartung betreffen beide Systeme. Im Durchschnitt hatte die PKV in den letzten rund 20 Jahren ca. 6 % Beitragssteigerung pro Jahr – wie bei jedem Durchschnitt gibt es Anbieter, die den Schnitt verbessern und verschlechtern. Dies bedeutet ca. alle 11 bis 12 Jahre eine Verdopplung des KV-Beitrags! Sie finden das viel?

    1970 betrug der Höchstsatz in der GKV ca. 49 Euro. Im Jahr 2012 wird der Höchstsatz bei ca. 600 € liegen! Hinzu kommt, dass von der paritätischen Beteiligung des AG abgewichen wird, d. h. der AG zahlt nicht mehr die Hälfte, so dass der AN von diesem Höchstsatz ca. 314 Euro selbst zu zahlen hätte. Seit 2011 darf die GKV unbegrenzte Zusatzbeiträge pro Monat vom AN einfordern. Damit Geringverdiener oder Menschen mit kleiner Rente nicht über Gebühr benachteiligt werden, gibt es aber einen (durch Steuermittel finanzierten) Sozialausgleich. Dieser sieht so aus: Übersteigt der „durchschnittliche Zusatzbeitrag” 2 % des beitragspflichtigen Einkommens des Versicherten, so verringert sich entsprechend der monatliche Beitragssatz.

    Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass sich der Beitrag der GKV in den in dem betreffenden Zeitraum um ca. 7 % erhöht hat (rund 1 % mehr als der Beitrag der PKV). Erschwerend kommt hinzu, dass wir in dieser Zeit knapp 20 Gesundheitsreformen hatten. Jede Reform bedeutete Leistungskürzungen und höhere Eigenanteile für die Versicherten. Und dies ist auch der größte Schwachpunkt des GKV-Systems. Der GKV-Versicherte hat keinen Einfluss auf mögliche künftige Leistungen, der deutsche Gesetzgeber kann diese jederzeit abändern, auch zum Nachteil des Kunden. Was dieser dann in 15 oder 20 Jahren noch an Leistungen erhält weiß niemand. Nur eines ist klar, es wird definitiv deutlich weniger als heute sein, denn die großen demographischen Probleme des Systems kommen erst in den kommenden 15 bis 20 Jahren. Dieses Risiko hat ein PKV-Versicherter nicht, denn hier hat er einen festgeschriebenen und nicht einseitig veränderbaren Leistungskatalog.

    Natürlich kennt die PKV keine beitragsfreie Mitversicherung von Kindern, dies ist zumindest finanziell gesehen ein Vorteil der GKV, da mit 2 oder mehr Kindern eine PKV teurer sein kann. Jedoch muss man dann aufpassen nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, da es je nach PKV-Tarif deutliche Leistungsunterschiede geben kann, so dass man beim GKV-Versicherten an sich zusätzlich Beiträge für ambulante, stationäre und dentale Zusatztarife hinzurechnen muss. Sollte ein Arbeitnehmer mit Kindern in die PKV wechseln, dann muss sich der AG hälftig bis zum Höchstsatz an den Beiträgen beteiligen.

  12. Thomas Lange, 13. Januar 2012 um 15:21 Uhr

    @Wolfgang Stadler

    Ich meine letztlich, dass jeder für sich selbst entscheiden muss (so er kann), ob er sich privat oder gesetzlich versichern möchte. Sicher mag die GKV Nachteile haben, aber auch die PKV hat genug Schattenseiten.

    Ich für meinen Teil mit mit der GKV bzw. meiner TK bisher zufrieden.

  13. Klaus Corell, 14. Januar 2012 um 10:58 Uhr

    Lieber Herr Lange,
    wie lange sitzen Sie in einem überfüllten Wartezimmer?
    In den Wormser Krankenhäuser gibt es auch Einbettzimmer. Ich möchte nicht mit einem Fremden in einem Zimmer liegen und mir die sanitären Anlagen teilen.
    Auch Geräusche und Gerüche können sehr unangenehm sein.
    Meine PKV ist übrigens 2010 ca. 10 Euro im Monat billiger geworden. 2011 wurde sie um 10 Euro teurer.
    Ich teile Ihre Ansicht: Jeder so, wie er kann (und ggf. will).

  14. Anastasia, 17. Januar 2012 um 14:59 Uhr

    “wie lange sitzen Sie in einem überfüllten Wartezimmer?”

    So, was kann einer dafür, der in die GKV muss? Wie sehr nervt das wohl jeden, der in unserer 2-Klassen-Geselltschaft lebt. Es ist zwar normal, dass Ärzte aufgrund des Honorars privat Krankenversicherte vorziehen aber wie pervers ist unser System mittlerweile geworden? Egal, am besten sollten alle Menschen in die PKV wechseln, mal sehen wie lange es diese dann noch gibt.