Überschätzte Werbung?

5. Januar 2012 | 1.066 mal gelesen

Werbung ist aus unserer Zeit nicht mehr wegzudenken.

Dennoch, so unsere Auffassung, wird Werbung in der Finanzbranche in ihrer Wirkung maßlos überschätzt.

Eine “Faustformel”: Entscheidend für Erfolg am Markt ist zu 70 Prozent der kompetente, vertrauenswürdige und serviceorientierte Berater vor Ort. Die verbleibenden 29,5 Prozent entfallen auf die Qualität der Produkte und Serviceprozesse des Anbieters. Es verbleiben 0,5 Prozent. Einen Teil davon kann Werbung bewirken.

Umso erstaunlicher, dass allein die zehn werbestärksten Versicherungsunternehmen in Deutschland – darunter viele mit Außendienst – in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 knapp 260 Mio. Euro für Werbung ausgegeben haben (siehe Versicherungswirtschaft Heft 24/2011, S. 1.790).

Darin enthaltene Versicherer wie ERGO Direkt oder Cosmos müssen dies tun, da es nur diesen Weg zum Kunden gibt.

Alle anderen hätten vielleicht gut daran getan, weiter die Werbeinitiative des Gesamtverbandes zu unterstützen und stattdessen auf eigene Werbung (weitgehend?) zu verzichten. Denn mangels Interesse und Bereitschaft der eigenen Mitglieder musste der Verband seine Kampagne einstellen. Auch deswegen, weil einige wenige Versicherer den “Alleingang” vorzogen.

Schade. Denn es war der Versuch, das Image der gesamten Branche zum Wohle aller Beteiligten wieder ein wenig aufzubessern. Und das tut Not.


Kommentare für diesen Artikel (3)

  1. Dorn, 5. Januar 2012 um 19:08 Uhr

    Seit 15 Jahren bin ich Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung AG und habe noch nie eine Anzeige geschaltet. All meine Neukunden kommen ausschließlich aus den Empfehlungen meiner zufriedenen Kunden. Die freien Mittel investiere ich lieber in die Empfehlungsgeber.
    Die Werbung der ERGO ist schon toll und der eine oder andere Kunde spricht mich an, ob es wirklich verständliche Bedingungen gibt. Danke ERGO, das sie meine Kunden dazu anregen mich anzusprechen.
    Mir persönlich tun die Außendiestmitarbeiter leid, die von der eigenen Firma Konkurrenz bekommen. Es bestätigt mir immer wieder, dass ich im richtigen Unternehmen bin und meiner positiven geschäftlichen Entwicklung mit Zuversicht entgegen schauen kann.
    Was den Verband betrifft, finde ich es sehr schade, dass bei vielen Unternehmen nur das Eigeninteresse zählt und Alleingänge gemacht werden. Zum Glück gehöre ich dem BDV an, da werden auf Grund der Größe und des Zusammenhaltes noch Dinge bewirkt.
    Allen Lesen wünsche ich noch alles Gute für 2012.
    Manfred Dorn

  2. Martini Doro, 6. Januar 2012 um 12:03 Uhr

    Sehr guter Bericht! Es stimmt schon, das Geld, welches Direktversicherer an den Provisionen der Berater sparen – weil eben keine vorhanden – geben Sie für Werbung aus. Gerade zu Wechselzeiten wie vorm 30.11 wird man im TV nur so mit Werbung von KFZ Versicherern regelrecht therapiert.
    Erstaunlicherweise ist dies aber kein Erfolgsrezept. Die beste Werbung überhaupt ist und bleibt die Mundpropaganda, die Empfehlung zufriedener Menschen.

    Die Kampagne der deutschen Versicherer war ein Schritt in die richtige Richtung, bzgl der Imageverbesserung der Branche. Zu schade, dass diese schon vorbei ist.

    Allen ein frohes neues Jahr und stets Gesundheit, denn die ist das wichtigste!!!

  3. Marcel H. Costin, 6. Januar 2012 um 17:26 Uhr

    Sehr selten nur schaue ich fern und Fernseh-Werbung ist mir ein Graus. Nichts ist schlimmer als schmalzige Darstellungen einer heilen Welt, welche mit der Realität und täglichen Geschäftsvorfällen nur wenig gemein haben. Es grenzt an Wahlkampagne, “wenn SIE zu mir kommen, dann verspreche ich Ihnen, dass ich … ändern werde… .

    Die Personen, welche mir im Fernseher versprechen, dass sie mich verstehen und immer für mich da sind, sind nicht die Menschen, mit welchen ich dann zutun habe. Das würde nur dann funktionieren, wenn die gesamte Firma, vom Praktikanten bis zum Vorstand eine Philosophie leben und jede Abteilung sich so sehr einsetzt, als wäre jeder Kunde nicht nur irgendeine Nummer, sondern persönlich bekannt. Bei solch komplexen Prozessen ist dies jedoch undenkbar.

    Zeiten ändern sich. Doch es galt schon immer: “Lieber weniger reden und mehr handeln”.

    .

    Mit besten Grüßen,
    Marcel H. Costin
    – Vermögensberater, Geldlehrer –
    Metropolregion Düsseldorf/Köln
    0177/7616059