Auf Augenhöhe

14. Dezember 2011 | 953 mal gelesen

Ja, es mag sein, dass es für einen Berater am einfachsten ist, wenn der Kunde nichts weiß und dem Berater vertraut. Genau dies ist aber auch die Basis für Falschberatung, denn leider gibt es Berater, die diese Situation nutzen, um ahnungslosen Kunden beispielsweise hochriskante Zertifikate oder geschlossene Fonds zu verkaufen.

Besser also, wenn die Menschen über gute Grundkenntnisse zu Geld-, Vorsorge- und Vermögensfragen verfügen. Denn dies schützt nicht nur vor Falschberatung und deren Folgen, sondern fordert auch den Berater – für diejenigen, die ihr Handwerkszeug beherrschen, eine wunderbare Situation.

Schade, dass die Realität in der Breite eine ganz andere ist, dies zeigt eine aktuelle Befragung des Ipsos-Instituts (siehe DIE WELT vom 6. Dezember 2011, S. 17): Interessierten sich im Jahr 2006 noch 51 Prozent sehr stark für Wirtschaft, ist dieser Wert aktuell auf 35 Prozent gesunken. Bei Jüngeren liegt er bei gerade einmal 15 Prozent.

Es ist statistisch nicht bewiesen, aber naheliegend: Das Interesse an technischen Geräten wie Smartphones wird weitaus größer sein, obwohl hier die Kaufentscheidung nicht annähernd die vergleichbare Bedeutung wie in der Altersversorgung oder in der Vermögensbildung hat.

Wir als DVAG tun das uns Mögliche: Indem wir in unserem Produktangebot auf hochriskante Produkte gänzlich verzichten. Und indem wir in Kooperation mit dem Handelsblatt den Versuch unternehmen, Wirtschafts- und Finanzwissen in die Schule zu tragen (siehe Blogbeitrag vom 10. Mai 2011).


Kommentare für diesen Artikel (6)

  1. Harri Schultze, 14. Dezember 2011 um 15:27 Uhr

    Vertrauen ist unerlässlich bei der Beratung.

    “Blindes Vertrauen” ist allerdings die beste Ausrede, um sich um nichts selbst kümmern zu müssen und anschließend immer einen Dritten für alles verantwortlich zu machen.

    Ich arbeite am liebsten mit Kunden, die es genießen zu allen wichtigen Themen einen kompetenten Ansprechpartner an ihrer Seite zu haben und mit mir gemeinsam eine Strategie entwickeln. Dafür ist es wichtig, dass sie die wichtigen Themen auch als solche erkennen und sich darum kümmern wollen.
    Kunden die mich fachlich und strategisch fordern und mich als Sparringspartner bei ihren “Geldüberlegungen” begreifen.

    Schön, dass der ganz überwiegende Teil meiner Kunden genau dem entspricht und an dieser Stelle:

    “Danke an alle meine Kunden für das Vertrauen und die tolle Zusammenarbeit”

    Gruß vom Vermögensberater aus Willich
    Harri Schultze
    http://www.harri-schultze.de

  2. Hans Müller, 14. Dezember 2011 um 16:57 Uhr

    Ich als Branchenfremder wundere mich bisweilen doch, dass eine Branche von ihren Kunden Grundkentnisse wünscht. Sollte es in einer arbeitsteiligen Gesellschaft nicht so sein, dass sich jeder in seinem Fachgebiet betätigt und sich somit als Teilhaber in diese Gesellschaft einfügt?
    Ich bezweifele beispielsweise, dass der Großteil der Smartphonebenutzer auch nur ansatzweise die Abläufe in seinem Gerät versteht. Aber kein Hersteller käme auf die Idee dieses zu verlangen. Und trotzdem ist die Kundenzufriedenheit recht groß.
    Es sollte daher keine Rolle spielen ob ein Kunde Kenntnisse besitzt oder nicht. Der Fachmann sollte dem Kunden trotzdem effektiv und effizient zur Seite stehen, wie es auch in anderen Branchen tagtäglich vollzogen wird.
    In diesem Punkt sehe ich die begründung für das derzeitige Image dieser, wie ich gerade mal wieder feststelle, doch eigensinnigen Branche.

  3. , 14. Dezember 2011 um 17:32 Uhr

    @ Hans Müller

    Ja, Sie haben Recht: Wofür gibt es Spezialisten. Dennoch: Wenn die Bürger über Finanzthemen nur annähernd so gut Bescheid wüßten wie über den Umgang mit Smartphones, dann gäbe es den einen oder anderen Mißstand gar nicht.

  4. Tobias Bartelt, 15. Dezember 2011 um 11:16 Uhr

    @ Hans Müller

    Ich stimme ihnen in diesem Punkt absolut zu. Und genau aus diesem Grund möchte ich sie bitten, dass Ganze aus einem anderen Blcikwinkel zu betrachten.

    Richtig ist natürlich, dass die wenigsten Smartphone-Nutzer die Abläufe in ihrem Gerät kennen. Vielmehr sollten die Endverbraucher in der Lage sein, ein Original, von einem Plagiat zu unterscheiden, wie sie haufenweise unter anderem in Asien hergestellt werden, wie ich kürzlich in einer Reportage gesehen habe.

    Genauso, wie Kunden von Finanzdiesntleistern beurteilen können sollten, ob das was ihnen verkauft wird, bedarfsgerecht ist. Zu wissen, wie die Produkte im Detail funktionieren ist, meiner Meinung nach, unter diesem Gesichtspunkt, fast vernachlässigbar.

    MfG

    Tobias Bartelt

  5. Hans Müller, 16. Dezember 2011 um 17:26 Uhr

    @ Tobias Bartelt

    Ich denke sie machen es sich, gerade in der heutigen Zeit, zu einfach.
    Um es direkt an ihrem Beispiel zu zeigen: Plagiate sind heutzutage nicht unbedingt mehr billige und schlechte Kopien von hochwertigen Produkten. Ich selber hatte bereits das Vergnügen Plagiate in Händen zu halten wo mehrere Fachleute, mit geradezu detektivischem Spürsinn, nötig gewesen sind um dieses überhaupt als solches zu identifizieren.
    Und dieses Niveau kann man denke ich auch auf die Finanzbranche übertragen. Die Problematik liegt natürlich auch darin, dass schlicht vollständig ungeeignete Finanzprodukte an den Mann oder Frau gebracht werden. Jedoch habe ich und, wie ich durch Gespräche regelmäßig erfahre, auch viele andere bereits mehrfach die Erfahrung gemacht, dass es gerade die speziellen Details eines Produktes sind welche am Ende das Problem darstellen. Und gerade das führt doch zur Unzufriedenheit da die Zusammenhänge beim Kunden nicht erkannt worden sind.
    Deshalb sehe ich nicht, dass beim potentiellen Kunden oder um es weiterzufassen in unserer Gesellschaft irgendwelche Versäumnisse vorhanden sind welche die Grundaussage dieses Beitrags rechtfertigt.
    Denn das sollte man auch mal festhalten: Trotz einer, durch die Vernetzung, immer aufgeklärteren Gesellschaft ist es gerade die Finanzbranche welche immer mehr Vertrauen einbüßt. Und gerade deshalb sollten, meiner Meinung nach, Fachleute die Fehler zunächst in den eigenen Reihen suchen

  6. Marvin Meißner, 17. Dezember 2011 um 14:10 Uhr

    Das Vertrauensproblem existiert nunmal nicht, wenn die Kundin bzw. der Kunde so weit von der Beraterin bzw. vom Berater unterrichtet wird, dass eigene Entscheidungen getroffen werden können. Natürlich bedarf dies sehr intelligenten Kundinnen und Kunden, da eine solche Einführung sonst den Rahmen sprengen würde. Aber auch bei der Durchschnittskundin bzw. dem Durchschnittskunden ist eine solche Einweisung möglich, insofern dies auf Folgeberatungen ausgegliedert wird. Jeder Termin ein wenig mehr an Wissen.

    Leider kommt es in dieser Branche auch immer wieder vor, dass Kundinnen und Kunden bewusst “dumm” gehalten werden. Auch wenn mir kein Fall bekannt ist, so würde ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass wir frei von solchen Beraterinnen und Beratern sind. Daher kann ich immer wieder nur betonen, Beraterinnen und Berater nach Vertrauenswürdigkeit auszuwählen und andere Faktoren zweitrangig zu betrachten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Marvin Meißner