Provisionsabgabeverbot

13. Dezember 2011 | 1.223 mal gelesen

Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat es – vorerst – gekippt, das seit über 100 Jahren bestehende Provisionsabgabeverbot, das es Vermittlern von Versicherungsprodukten untersagt, Teile der Provision an den Kunden abzugeben.

Der Grund für das Verbot: Nicht die Höhe der (verhandelbaren) Provision soll im Kalkül des Kunden der maßgebliche Faktor für lebenslange Versicherungsentscheidungen sein, sondern vielmehr Passgenauigkeit und Qualität des Produktes.

Sei es drum: Entfällt das Provisionsabgabeverbot tatsächlich, wird es spannend zu sehen, wann die ersten Vermittler mit Lockangeboten in Anzeigen und mit großen Schildern vor den Büros Marketing machen, zum Beispiel mit folgenden Ideen:

“1.000 Euro in bar beim Abschluss einer Lebensversicherung (Details im Kleingedruckten)

oder:

“Aktion: Nur heute Beratung zum Nulltarif”

oder:

“Bessern Sie Ihr Weihnachstgeld auf: Neue Versicherungsverträge machen es möglich”

oder:

“Dispo überzogen? Kein Problem, wir helfen mit Bargeld (Bedingung: Abschluss einer Versicherung)”

oder:

“Heute großzügiger Mengenrabatt beim Abschluss von mindestens drei Versicherungsverträgen”

oder:

“Hier erhalten Sie Ihr Geld sofort zurück: Nie mehr Geld für teure Beratung bezahlen”

Ob das alles tatsächlich der Qualität der Beratung und dem ohnehin schon angekrazten Renommee der Branche zuträglich ist? Sicher nicht.

Nach einem Bericht des Versicherungsjournals von heute will die BaFin nun endgültige Klarheit über das Provisionsabgabeverbot: Die BaFin ist unter Umgehung der Berufungsinstanz gegen das Urteil in Sprungrevision gegangen. Das letzte Wort hat also nun das Bundesverwaltungsgericht.


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Kommentare für diesen Artikel (4)

  1. Stefan Deppisch, 13. Dezember 2011 um 10:40 Uhr

    Für mich stellt sich nun die Frage: Warum machen die sowas? Vielleicht möchten Sie es den Vertretern ermöglichen, anders als bisher, dem Kunden nun offiziell Geld zu geben damit er abschließt – bisher, zumindest habe ich sowas schon mal gehört^^, wurde es dem Kunden “schwarz” zugesteckt! Frei nach dem Motto: “Du hast zwar nun nur Nachteile beim Versicherungsschutz – allerdings mit den 50 € kannst du ja zumindest mal tanken!”

    Wieder einmal ist der Kunde selbst gefragt Angebote genau zu prüfen!

  2. Hans Müller, 13. Dezember 2011 um 22:30 Uhr

    Die von diesem Blog geübte Kritik ist vollkommen berechtigt. Vielmehr sollte dem Kunden vor jedem Abschluss nicht nur die höhe der Provision mitgeteilt werden, sondern auch die erzielbaren Provisionen bei vergleichbaren Produkten. Das wäre dann ein wirklicher Beitrag zu mehr Transparenz in dieser, wie sie bereits erwähnten, angekrazten Branche. Transparenz ist halt langfristig der einzige Weg zum Erfolg.

  3. Harald Patberg, 15. Dezember 2011 um 07:55 Uhr

    oder:

    “Heute großzügiger Mengenrabatt beim Abschluss von mindestens drei Versicherungsverträgen”

    Das nennt sich Bündelrabatt und wird doch auch von der DVAG angeboten….oder irre ich mich da ?

  4. , 15. Dezember 2011 um 09:03 Uhr

    @ Harald Pattberg

    Danke, Herr Pattberg, für diesen für uns sehr werbewirksamen Hinweis.

    Sie haben Recht, und der Bündelrabatt ist eine ganze besonders attraktive Form, gute Kundenbeziehungen zu honorieren.

    Der “kleine” Unterschied: Den “Rabatt” gibt es nicht in bar. Und nicht der Vermögensberater muss ihn aus seinem Entgelt (Provisionsabgabe) finanzieren, sondern unser Versicherungspartner stellt das Geld in Form eingesparter Verwaltungskosten als Prämienersparnis zur Verfügung. Ein tolles Argument für Kundengewinnung und Kundenbindung 🙂