Überfällig

28. November 2011 | 1.201 mal gelesen

Es war schon eine groteske Situation: Die Vermittler und Berater vergleichsweise ungefährlicher Produkte wie Versicherungen werden seit Jahren gesetzlich streng überwacht, die Vermittler hochriskanter Produkte des grauen Kapitalmarktes unterlagen hingegen keinerlei gesetzlicher Kontrolle. Um 80.000 solcher Vermittler soll es sich handeln.

Das hat nun ein Ende: Auch Vermittler im grauen Kapitalmarkt müssen nunmehr einen Sachkundenachweis erbringen, Provisionen offenlegen, ein Beratungsprotokoll anfertigen und die Produkte auf “Beipackzetteln” erläutern.

Überfällig – meinen wir als DVAG Deutsche Vermögensberatung. Und dennoch bleiben wir unserem Grundsatz treu, auch zukünftig auf das Angebot derart hochspekulativer Anlageformen zu verzichten.


Kommentare für diesen Artikel (14)

  1. Michael Miedl, 28. November 2011 um 09:57 Uhr

    Hallo liebe Blogger,

    seit Jahren werden Kunden mit dem Argument des “Steuervorteils” in diese Anlagen gelockt – ohne die Risiken dieser Produkte korrekt aufzuzeigen.
    Viele Mandanten lernte ich kennen – sie baten mich um Hilfe, um aus den Verpflichtungen raus zu kommen – allerdings vielfach zu spät. Als sichere Altersvorsorge wurde es verkauft und in den meisten Fällen kam nach ein paar Jahren die Mitteilung eines sog. “Insolvenzverwalters”, die Firma ist pleite und das Geld ist weg – gleichzeitig mit der Aufforderung, sich im Rahmen der Nachschusspflicht an den Vertrag zu halten und die vereinbarte Beteiligungssumme zu erbringen!
    Es ist meines Erachtens beschämend von Seiten der Politik, diesen Vermittlern erst jetzt, nach milliardenschweren Verlusten der Kleinanleger, das Handwerk zu legen!

    Viele Grüße aus Schönwald in Oberfranken

    Michael Miedl

  2. Ralf Cormaux, 28. November 2011 um 16:07 Uhr

    Ich würde mir diese Beratungsprotokolle auch für die Außendienstler der Bausparkassen wünschen. Habe gerade wieder einen ganz schlimmen Fall erlebt und den Vertreter heute morgen bei meinen Kunden auch noch live erleben dürfen. Nachdem die Kunden nun verstanden haben, was man ihnen da alles unnötigerweise verkauft hat, hatte dieser “Fachberater” der Bausparkasse einen schweren Stand. Einer 63-jährigen, ihrem pflegebedürftigen Ehegatten und dem behinderten Sohn insgesamt fast 400.000 Euro Bausparsumme zu verkaufen und zwar nur zur monatlichen Geldanlage ist schon ein starkes Stück. Solche Menschen gehören eingesperrt. Aber selbst da werden Beratungsprotokolle leider wenig helfen. Auf die Fragen der angehenden Schwiegertochter, warum er den Eltern bzw. dem behinderten Schwager monatlich so viel Geld aus der Tasche zieht und bei ihnen das Geld zum Leben kaum ausreicht, kam nur die Antwort: “Ich wusste nicht, dass sie so wenig zur Verfügung haben und die haben nichts gesagt.” Wieso wusste er dann, dass die Kunden solch hohe Bausparsummen benötigen? Brauchten sie auch eigentlich nicht, denn sie hätten einfach nur das bereits zugeteilte Bauspardarlehen tilgen können. Eine bessere Verzinsung geht doch wohl kaum. Denn dort leigen die Zinsen bei 4,5 %.

    Solche tollen Berater sind der Grund, warum ich dieser Branche so negativ gegenüberstehe, obwohl ich selber darin arbeite.

    Liebe Branchenkollegen dort draußen, egal ob Vermögensberater, Banker, Makler, Finanzberater, Versicherungs- oder Bausparkassenvertreter , bitte seid ehrlich zu euren Kunden, ihr helft so aktiv den Ruf der Branche zu verbessern. Dank den Unehrlichen haben wir überhaupt erst den Verwaltungsaufwand in Form von Beratungsprotokollen, etc.

    Gruß vom Vermögensberater aus Willich und Tönisvorst
    Ralf Cormaux
    http://www.cormaux.de

  3. Joachim Trapp, 28. November 2011 um 19:34 Uhr

    @ Ralf Cormaux

    Bei 400.000 Summe müßte ja der Kunde ca. 2.000,- € pro Monat sparen, damit er auch nach ca. 7 Jahren zugeteilt wird (40%er).
    Wie hoch war denn die tatsächliche Besparung ?

    @ all

    Ob jetzt mit oder ohne Beratungsprotokoll, wer vorher ehrlich beraten hat, wird es danach auch tun und wer unehrlich berät, wird es auch mit Protokoll weiter so tun, das einzige was hier wirklich helfen kann ist für solche Extrembeispiele ein lebenslanges Berufsverbot.

    Viele Grüße
    Joachim Trapp

  4. Anastasia, 29. November 2011 um 10:40 Uhr

    “…die Vermittler hochriskanter Produkte des grauen Kapitalmarktes unterlagen hingegen keinerlei gesetzlicher Kontrolle.”

    Wenn man für sein Handeln nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, kann ein Markt auch nicht funktionieren.

  5. Edgar, 30. November 2011 um 19:52 Uhr

    hi diesen beitrag kann ich nur zustimmen

    Ob jetzt mit oder ohne Beratungsprotokoll, wer vorher ehrlich beraten hat, wird es danach auch tun und wer unehrlich berät, wird es auch mit Protokoll weiter so tun, das einzige was hier wirklich helfen kann ist für solche Extrembeispiele ein lebenslanges Berufsverbot.

    ich habe Vertraut wurde abgezockt und alles Verloren
    Gruß Edgar

  6. Anastasia, 1. Dezember 2011 um 09:48 Uhr

    “Lebenslanges Berufsverbot”

    … dann auch für unehrliche
    – Politiker
    – Ärzte
    – Gebrauchtwagenhändler
    – Gutachter
    – Anwälte
    – Handwerker
    – Versicherungsvertreter
    – Vermögensberater
    – etc.

    Wir werden fast keine arbeitende Bevölkerung mehr haben.

  7. Marcel H. Costin, 1. Dezember 2011 um 15:45 Uhr

    Vielen Dank Anastasia,

    dass Sie unterstellen, fast die ganze Bevölkerung sei kriminell und würde betrügen. Und womit betrügen Sie so? 😉

    .

    Mit besten Grüßen,
    Marcel H. Costin
    – Vermögensberater –
    Metropolregion Köln/Düsseldorf

  8. Joachim Trapp, 1. Dezember 2011 um 17:10 Uhr

    Könnte es der Name sein ?
    Ich finde jeden gut, der seinen richtigen Namen hier nennt. 😉

    Denn jeder der nichts zu verbergen hat nach außen, fängt damit an seine Identität preiszugeben.

    Viele Grüße
    Joachim Trapp

  9. Anastasia, 1. Dezember 2011 um 17:26 Uhr

    Hallo Herr Costin,

    ich unterstelle doch nichts, ich versuchte lediglich das geforderte Berufsverbot mit Ironie zu neutralisieren.

    Ich würde es nicht “betrügen” nennen, sondern “unerhlich”, wie ich es bereits geschrieben habe. Kennen Sie niemanden der im Beruf unehrlich ist oder es schon einmal war? Sollte man für solche Personen gleich ein Berufsverbot aussprechen, wie es fast jeder hier fordert, oder es lieber mit einer Regulierung versuchen?

  10. Joachim Trapp, 2. Dezember 2011 um 00:37 Uhr

    @ Anastasia

    Das Beispiel von Herr Costin mit dem Bausparer bedeutet keine Unehrlichkeit, sondern eher im Minimum betrachtet arglistige Täuschung………..von dieser zum Betrug ist es nur ein kleiner Schritt.
    Beide Tatbestände haben eines gemeinsam, Sie dienen der Erzielung eines Vorteiles, welchen man auf normalem Weg mit höchster Wahrscheinlichkeit nie erlangen würde.
    Denken Sie einmal darüber nach, denn wenn das nur unehrlich wäre, wo soll denn dann Betrug anfangen, bei einer Million, oder zwei Millionen Vetragssumme???
    Wichtig ist hierfür nämlich der Tatbestand und erst in zweiter Linie die Höhe des Schadens, bei niedrigeren Schäden kann z.B. durch die Justiz die Strafe dann noch etwas abgemildert werden.

    Wollen Sie denn das wir in Zukunft auch Verbrechen mit Ironie neutralisieren sollen, denn wenn wir bei arglistiger Täuschung und Betrug anfangen……wo sollen wir dann aufhören……bei Mord?
    Das kann es ja wirklich nicht sein.
    Ich bleibe dabei, für so extreme Fälle wie von Herrn Costin geschildert hilft nur ein Berufsverbot.

    Anmerkung: Unehrlich finde ich es z.B. wenn man mit falschem oder nicht vollständigem Namen Beiträge verfasst ;-), hierfür aber arglistige Täuschung zu unterstellen halte ich dann doch für maßlos übertrieben.

    Nur um hier noch mal anhand dieses Beispieles den Unterschied erklärt zu haben 😉

    Viele Grüße
    Joachim Trapp

  11. Joachim Trapp, 2. Dezember 2011 um 00:56 Uhr

    Korrektur:

    Es war das Beispiel von Herrn Ralf Cormaux und nicht von Herrn Marcel H. Costin.

    Viele Grüße
    Joachim Trapp

  12. Anastasia, 2. Dezember 2011 um 12:01 Uhr

    Hallo Herr Trapp,

    eine sehr schöne Ausführung, die leider wenig mit meiner Anmerkung zu tun hat. Ich bleibe bei meinem Standpunkt.

    Eine kleine Anmerkung von mir:
    Hängen Sie sich nicht an den Namen auf, ob Sie Joachim Trapp heißen kann ich leider auch nicht 100% bestägigen. Das spielt für mich auch überhaupt keine Rolle. Anastasia ist mein Name, die Geburtsurkunde behalte ich für mich.

  13. Ralf Cormaux, 2. Dezember 2011 um 13:56 Uhr

    @ Joachim Trapp

    Der Berater hat das clever gemacht. Mit einer Ausnahme wurden immer die sogenannten Regelsparbeiträge eingehalten. Jedoch wurden die Sparbeträge aufgrund zu hoher Belastung gestoppt, sobald die Abschlussgebühren beglichen waren. Danach wurden die Sparbeiträge wieder aktiviert, jedoch dazu wieder ein neuer Bausparvertrag abgeschlossen statt den alten wieder zu besparen. Zwar clever, aber eben doch vorsätzlicher Betrug.

    Bei der Ausnahme handelte es sich auch noch um einen Wohnriester. Sparbetrag war 465 Euro monatlich, die Bausparsumme war um einiges zu hoch. Hier kann der Kunde Gebühren zurück verlangen. Schlimmer noch finde ich jedoch, dass hier von reinem Sparen für die Eltern gesprochen wurde und der Vertrag jedoch auf den Namen des Sohnes läuft. Außerdem wäre der maximal geförderte Beitrag nur 162,17 Euro monatlich gewesen. Das hätte auch genügt. Argument vom Berater: Ist doch egal, die Förderung gibt es doch auch, wenn man mehr einzahlt. Als ich das hörte, konnte ich nicht anders als Lachen. Wie gesagt, Sparvertrag für die Eltern im Rentenalter, aber auf den Namen des Sohnes wegen der Förderung!?

    Ich habe den Verkäufer übrigens nun persönlich kennengelernt . Er wollte unbedingt die Kunden besuchen, da er seine Provisionen zum Teil der Bausparkasse erstatten muss. Ich war zufällig noch da, als er kam und habe ihm meine Meinung gesagt. Ergebnis: Er hat nicht einen Vorwurf konkret entkräften können und ist den Fragen meiner Kunden vor Ort ständig ausgewichen. Unfassbar.

    In 15 Jahren meiner Tätigkeit als Vermögensberater habe ich leider schon viel Negatives meist von den Bausparkassen mit den drei Buchstaben erlebt. In diesem Fall war der Berater auch wieder einer von denen. Der Berater hat sogar genau bei den beiden gearbeitet. So etwas habe ich allerdings in der Fülle auch noch nicht erlebt. Und als ich ihn ddarauf ansprach, hat er auch nur noch dumm geguckt. Die beiden Bausparkassen scheinen einen enormen Verkaufsdruck auf Ihre Vermittler aufzubauen. Bei anderen Bausparkassen kommt das nicht so häufig vor bzw. erlebe ich das nicht so häufig.

    Jede Beratungsphilosophie, egal wie ehrlich gemeint, ist angreifbar, da sie meist subjektive Meinung des Beraters ist. Nur hier lief nachweislich alles falsch und vorsätzlich zu Ungunsten der Kunden. Ein Beratungsprotokoll hätte aber bei solchen Machenschaften sicher auch kaum geholfen. Den Beiträgen von Joachim Trapp und Edgar kann ich zustimmen, hierfür würde ein Protokoll meist auch nicht helfen, sondern Kreative schreiben das Protokoll so, wie sie es brauchen, um ihre schlechte Beratung zu legitimieren.

    Gruß vom Vermögensberater aus Willich und Tönisvorst
    Ralf Cormaux
    http://www.cormaux.de

  14. Joachim Trapp, 2. Dezember 2011 um 23:55 Uhr

    @ Anastasia

    Ich weiß, gegen Ironie und Uneinsichtigkeit hilft noch nicht mal wenn es im Strafgesetzbuch klar definiert ist.

    Schauen Sie auf meine Homepage, sollte der Name dort nicht stimmen, so verklagen Sie mich einfach 😉

    Anastasia ist ja auch ein schön klingender Name, den Sie auf jeden Fall mit Stolz tragen können 🙂

    @ Ralf Cormaux

    Manchmal denkt man wirklich das diverse Gesellschaften schon darauf angewiesen sind so zu arbeiten, leider.

    Habe auch gerade so einen Fall, wo Kunden durch Schreiben nur verwirrt werden und ich selber nur noch den Kopf schütteln kann nach einem Telefonat mit deren Innendienst.

    Aber wie sage ich zum Kunden immer bei so Fällen:
    Schlecht für Sie, aber gut für mich.
    Denn wir profitieren von solchem Verhalten der Berater und Gesellschaften.

    Viele Grüße
    Joachim Trapp