Gute Aussichten

25. November 2011 | 828 mal gelesen

Während die Banken und ganze Länder sich derzeit im Abwärtsstrudel befinden, was die Ratings der namhaften Agenturen wie Fitch, Standard & Poors oder Moody’s angeht, sieht es in der Versicherungsbranche besser aus.

So hat ganz aktuell Fitch die sehr guten Ratings für die Versicherungswirtschaft in Deutschland bestätigt und der Branche mittelfristig ausgesprochen gute Aussichten attestiert. Unter anderem auch, weil gerade einmal 0,4 Prozent der Kapitalanlagen in griechischen Anleihen investiert und diese bereits zu einem Großteil abgeschrieben sind.

Insbesondere der Lebensversicherung wird eine Renaissance vorausgesagt. Die Gründe: Ständig anwachsende Versorgungslücken der Bevölkerung im Alter und – im europäischen Quervergleich – eine vergleichsweise geringe Vertragsdichte.


Kommentare für diesen Artikel (3)

  1. Eckhard Stephan, 25. November 2011 um 23:09 Uhr

    Zweifellos, lieber Herr Doktor Lach, ist der Versicherungswirtschaft etwas gelungen, was Staatshaushalte oder Banken vergleichsweise nicht fertig gebracht haben. Sie stellen daher mit Recht fest, dass sich Banken und ganze Länder derzeit im Abwärtsstrudel befinden. Wie ist es jedoch tatsächlich um die mittelfristig guten Aussichten der Versicherungswirtschaft bestellt, wenn die gegenwärtige Krise bei den Staatsschulden diesen Assets jene Essenz verlustig gehen lässt, allgemein akzeptierte Sicherheit zu sein? Wird das nicht ebenfalls Auswirkungen zur Folge haben, die die altersvorsorgende Versicherungsanlage als bisher sichere Geldanlage zunehmend unsicher werden lässt? Dies betrifft nicht nur die Lebensversicherung, sondern auch die Pensionskassen bis hin zu den diversen Versorgungswerken. Griechische Staatsanleihen sind nicht mehr nennenswert im Portfolio der Versicherungswirtschaft. Richtig. Aber wie steht es mit spanischen, italienischen und französischen Anleihen? Deren Kurse sind in den letzten Wochen derart gefallen, dass die Begleichung der Zinsschuld durch die Staatshaushalte von Spanien und Italien zumindest mittelfristig undenkbar sein wird. Jüngst lehnten es private und institutionelle Investoren gar ab, der Bundesrepublik, dem solventesten Land der Währungsunion, für zweijährige Bundesschuldverschreibungen Geld zu leihen. Die Renditen der Staatsanleihen großer Volkswirtschaften von Euroland fallen signifikant. Die Europäische Zentralbank interveniert verzweifelt mittels Käufe von spanischen und italienischen Anleihen, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Wird dieser Verzweiflungsakt den Staatsbankrott mächtiger Volkswirtschaften des Euroraumes jedoch verhindern helfen? Ich fürchte daher, dass die genannte Einschätzung der Ratingagenturen ähnlich „richtig“ liegt, wie in der Lehman-Krise deren Abgabe von AAA-Ratings für mehr als zweifelhafte Papiere, die der Welt 2008 die bekannten Desaster beschert haben. Vor diesem Hintergrund wird es eines Wunders bedürfen, wenn die Lebensversicherung eine Renaissance haben soll.
    Beste Grüße vom Vermögensberater Eckhard Stephan aus Berlin

  2. , 26. November 2011 um 19:13 Uhr

    @ Eckhard Stephan

    Die gefallenen Kurse der Staatsanleihen sind für Versicherer kein Problem. Denn Versicherer geben diese Anleihen immer erst bei Fälligkeit zurück, und dann liegt der Kurswert immer bei 100 Prozent. Problematisch sind die Kurse also nur für denjenigen, der vor Fälligkeit verkauft.

    Schwierig wird es hingegen, wenn ein ganzes Land Bankrott geht und die Anleihen so gar nicht mehr oder nur noch gem. “Schuldenschnitt” zurück zahlen kann. Dann müssen diese Anleihen im Bestand der Geldgeber entsprechend abgeschrieben werden.

  3. Eckhard Stephan, 27. November 2011 um 13:42 Uhr

    @ Dr. Helge Lach

    Es ist genau dieser zweite, von Ihnen genannte Aspekt, Herr Dr. Lach, der mich hinsichtlich der Nachhaltigkeit unserer Vermögensberaterarbeit zunehmend in Sorge sein lässt. Bestärkt werde ich darin von den jüngsten Statements der Herren Jens Weidmann und Jürgen Stark. Für alle diejenigen, die Ihren Verstand nicht an der Kasse „Gelddrucken“ durch die Europäische Zentralbank oder Emission von Eurobonds abgegeben haben, ist völlig unbestritten, dass der gordische Knoten der gegenwärtigen Finanz- und Schuldenkrise in den entwickelten kapitalistischen Ländern nur zerschlagen werden kann, wenn es diesen gelingt, wirtschaftliches Wachstum zu generieren. Allerdings regiert in den Problemländern von USA über Großbritanien und Italien bis hin zu Griechenland derzeit der „Sparkommissar“. Parallel zu dieser Politik des Sparens verringert sich beständig der Anteil, den die abhängig Beschäftigten am erwirtschafteten Volkseinkommen haben. Wie soll bei diesen „Lösungen“ Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen entstehen oder gar wachsen? Und eine, sehr, sehr wichtige Dienstleistung ist Vermögensberatung respektive sind entsprechende Geldanlagen/Versicherungsanlagen. Klar, dass vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Szenarien u.a. die Versorgungslücken der Bevölkerung im Alter weiter wachsen. Nur, wie soll auf dieser Grundlage effizient Vermögensberaterarbeit zukünftig zu gestalten sein? Für mich passt hier vieles einfach immer schwerer zusammen.
    Grüße vom Vermögensberater Eckhard Stephan aus Berlin