Honorarberatung

26. August 2011 | 986 mal gelesen

Geht es nach den Verbraucherschützern, ist die Honorarberatung das “alleinig-seelig-machende” Mittel zur Beseitigung von Mißständen in der Finanzberatung.

Das will nun auch das Verbraucherschutzministerium aufgreifen, indem der Beruf des Honorarberaters gefördert wird. Unter anderem dadurch, dass es Beratern erlaubt wird, bei Vermittlung von Verträgen die Provision an den Kunden abzugeben und im Gegenzug Honorar zu kassieren.

“Am Ende dürfte der Kunde damit ungefähr genauso viel zahlen wie heute: Ein Makler, der künftig als Honorarberater arbeitet, wird seinem Kunden für die Beratung ein Honorar berechnen, das ungefähr der Courtage entspricht, die an den Kunden weiterfließt. Was hätte man damit gewonnen? Die Kostenbelastung für einen Abschluss wäre so hoch wie heute, das Geld würde aber nur über den Umweg “Kunde bekommt Courtage, Kunde zahlt Makler das Geld als Honorar” fließen.” So die Zeitschrift für Versicherungswesen in ihrer Ausgabe vom 1. August 2011.

Man sieht: So richtig durchdacht sind die Ideen noch nicht, in jedem Falle aber ein gutes Stück vorbei an der Realität.


Kommentare für diesen Artikel (13)

  1. Huber Steffen, 26. August 2011 um 09:22 Uhr

    Da wird die “Kuh” mit Sicherheit 2x gemolken. Einmal wird über die Provision kassiert und einmal das Honorar und der Kunde merkt nichts davon. Mit Sicherheit wird es dann von vielen ausgenutzt. Ich habe einen Maklervertrag von einem Kunden bekommen. Da steht auch eine jährliche Betreuungsgebühr drin. In Zukunft wird der Kunde Provision, Betreuungsgebühr UND das Honorar entrichten müssen. Meiner Meinung nach kommt ein Maklervertrag einer “Entmündigung” gleich. Der Makler darf Geld von Versicherungen und Banken entgegen nehmen, Verträge abschliessen, etc. Ich als mündiger Bürger würde so etwas nie unterschreiben.

  2. Johann, 26. August 2011 um 10:15 Uhr

    sollte man sich überlegen!

  3. Harri Schultze, 26. August 2011 um 12:40 Uhr

    ….“Kunde bekommt Courtage, Kunde zahlt Makler das Geld als Honorar”

    wenn man es weiter spinnt, bei einem Storno in den ersten 5 Jahren – aus welchem Grund auch immer z.B. eine nicht bedarfsgerechte Beratung – hat dann der Honorarberater nicht das Haftungsrisiko sondern der Kunde selbst. Muss also die Provision zurückzahlen und der Honorarberater behält sein Honorar?????

    So ganz durchdacht scheint mir das tatsächlich nicht. Verbraucherschutz geht sicher anders UND Verbraucherschützer sollten Ihre Überlegungen doch besser neutral – also ohne Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Gruppierungen anstellen!

    Wenn das Ziel der Schutz des Verbrauchers vor Fehlberatung und hohen verdeckten Kosten ist, dann ist der Weg doch nur für eine hohe Beratungsqualität zu sorgen.

    Für den Verbraucher ist dabei der einzige vergleichbarer Faktor “Was kommt am ende raus bei gleichem Einsatz” In welcher Form die Vergütung für den Berater, die Verwaltung, die Antragsdruckerei, den Postboten, die Telekom, die Softwareschmiede und eben alle die in einem oft über 40 Jahre laufenden Vertragsverhältnis sicher nicht umsonst für den Kunden arbeiten wollen – wer will das schon – völlig egal.

    Ich komme wieder auf den Punkt:

    Gute Beratung macht den Unterschied! ….und nicht die Form der Vergütung!

    Gruss vom Vermögensberater aus dem Stahlwerk Becker in Willich
    Harri Schultze
    http://www.harri-schultze.de

  4. JoMa, 26. August 2011 um 13:51 Uhr

    Guten Tag, Herr Schultze,

    Ihre Ansichten kann ich durchaus teilen, aber was ist eine “gute Beratung”?

    Egal welchen Vermögensberater ich diese Frage stellen würde: “Halten Sie sich für einen guten Vermögensberater?”, wer würde da “nein!” sagen? Niemand, richtig!

    Eine “gute” oder eine “bedarfsgerechte” Beratung scheint mir sehr subjektiv und das bedeuted “schwer/nicht messbar”. Ich möchte nur darauf hinaus, dass natürlich jeder mit seiner top Beratung wirbt, aber es eben nicht so ist, sonst gäbe es keine so gravierenden Qualitätsunterschiede.

    Die Lösung ist doch ganz einfach: Der Kunde muss zufrieden sein, auch wenn er falsch beraten wurde. Entweder weil der Berater es nicht besser kann oder will, bzw. der Kunde es nicht besser weiß.

    Zum Thema: Der Kunde kann dem Berater ein für ihn angemessenes Honorar zahlen, wie es in der freien Marktwirtschaft üblich ist. Ein Handwerker wird auch für die erbrachte Leistung bezahlt. Absolut normal! Ich muss Ihnen ganz erhlich sagen, ich weiß nicht wieviel mein Berater von den Verträgen die ich abschließe profitiert. Ich weiß aber, dass es “viel” Geld ist und andere mitverdienen. Nicht umsonst wäre unser Staat vor nicht all zu langer Zeit, dank der Finanzbranche bankrott gegangen.

    Ob dieses Thema umsetzbar ist sei dahin gestellt, aber man kann es auch als neuen Denkansatz verstehen. Natürlich wird es der schlechter gestellten Partei nicht gefallen, dann wird halt ein bißchen Unternehmenspolitik betrieben.

    Gruß
    JoMa

  5. Harri Schultze, 26. August 2011 um 15:20 Uhr

    Hallo JoMa,

    da bin ich bei Ihnen………..zum Teil 😉

    1. Eine qualitative gute Beratung kann nicht der Berater selbst versprechen (da sind wir im Bereich des Marketing), vielmehr muss diese durch Qualifikationsnachweis sichergestellt sein. Hier hilft z.B. ein Qualitätsstandard, wie Ihn der BDV (Bundesverband Deutscher Vermögensberater) seinen Mitgliedern vorgibt. DAS IST VERBRAUCHERSCHUTZ!! Die Empfehlung an die Verbraucher muss also sein: stelle sicher, dass Dein Berater Mitglied im BDV ist.

    2. Die Lösung für den Verbraucher ist: er muss durch die Beratung in die Lage versetzt werden für sich selbst die richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine solche umfassende Beratung ist für nahezu jeden Bürger auf Grund der immer komplexeren Regelungen dringend erforderlich. Wie gesagt, die Form der Bezahlung des Beraters ist für den Verbraucher dabei nicht so sehr relevant, wie die Frage: Kann (oder will) ich zusätzlich zu meinem monatlichen Sparbetrag auch noch eine zusätzliche Rechnung an einen Berater bezahlen? Oder ist es mir lieber, dass ein Versicherungsunternehmen diese Bezahlung des Beraters quasi vorstreckt und aus meinen monatlichen Beiträgen einbehält. Mit dem Unterschied zur Honorarberatung, wird der Vertrag in den ersten Jahren gekündigt zahlt der Berater sein Honorar zurück. Die Verantwortung für die Beratung trägt demnach eher der Vermittler als ein Honorarberater, wodurch das Eigeninteresse an einem ordentlichen Beratungsergebnis auch gesteigert werden dürfte.

    3. Wissen Sie wirklich, wie viel Ihr Metzger an der Wurst verdient. Welche Spanne der Einzehändler Ihres Vertrauens hat oder wie hoch der Gewinn Ihres Tankwartes ist. Es ist also keineswegs üblich (in Deutschland) alle Kalkulationen so transparent zu machen. In der Versicherungswirtschaft ist dies inzwischen gesetzlich vorgegeben. Damit geht das bei Versicherungen schon weiter als in allen anderen mir bekannten Wirtschaftsbereichen – und das ist ja auch gut so.

    4. Zu ihrem Hinweis auf die Wirtschafts-, Immobilien- und Finanzkrise und den Schuldigen dafür. OHNE WORTE
    (Glauben Sie wirklich Ihr Finanzberater hat eine Mitschuld daran, was in der Weltwirtschaft los ist????? )

    Gruß
    Harri Schultze

  6. Mechler, 26. August 2011 um 16:44 Uhr

    Fondslebensversicherung
    Von den eingezahlten Beiträgen behält die Versicherung Risikoanteile zur Deckung vorzeitig eintreteder Todesfälle ein. Ein weiterer Teil wird zur Deckung der Verwaltungskosten benötigt. Die mit dem Vertragsabschluß verbundenen Kosten werden in den ersten Jahren ebenfalls über die Beiträge getilgt.

    Sollen jetzt dem interesierten Kunden die einbehaltenen Beträge bei einer Hononrarberatung vor Vertragsabschluß aufgeschlüsselt in Summen mitgeteilt werden?
    Wenn nein, ist es gleich ob sich dies Provision oder Honorar nennt.
    Abwarten, wie sich das Verbraucherschutzministerium äußert.
    Schönes Wochenende

  7. Frank Schmidt, 26. August 2011 um 19:22 Uhr

    Hallo,

    ich persönlich bevorzuge die Beratung gegen Geld, direkt vom Kunden. Nennen Sie es meinetwegen Honorarberatung. Honorarverkauf wäre aber treffender.

    Immer ist das nicht möglich, der Markt gibt es noch nicht her. Und immer würde ich das auch nicht tun wollen, alle Leute wollen das mit Sicherheit nicht. Aber da, wo ich dem Kunden die Wahl ließ, haben sie sich ganz klar mehheitlich für die direkte Bezahlung entschieden.

    Wer einen Kredit möchte, muß auch dafür bezahlen. Das ist doch auch jedem Kunden klar. Wo ist das Problem, dem Kunden dafür eine Rechnung zu präsentieren? Häufig bekommt man von Banken einen Zinsnachlaß, wenn auf die Provision verzichtet wird. Das kommt eindeutig dem Kunden zu gute.

    Wenn Geld angelegt wird, bezahlt der Kunde wie selbstverständlich den Ausgabeaufschlag. Da kann der Kunde den Berater doch auch direkt bezahlen. Vorteil, der Berater kann nicht dazu neigen, das Depot zu aktienlastig zu gestalten. Schließlich ist es beim Honorar egal, ob der Kunde einen Geldmarktfonds (0% AA, Provision 0 €), oder andere Fonds mit Ausgabeaufschlag, folglich mit Provision, zu verkaufen.

    Und wenn ein Kunde nur beraten werden möchte, kostet das doch auch Zeit. Warum soll dafür keine Rechnung gestellt werden, wenn das möglich ist? Beim Steuerberater bezahle ich doch auch, selbst ich nur eine Frage hatte.

    Der Vorteil des Honorarverkaufes liegt eindeutig darin, dass der Kunde einen besseren Bezug zum Produkt hat. Wilde Umdeckungsaktionen kann es da kaum geben. Der Konkurrent hat schlechtere Karten.

    MfG
    FS

  8. Ralf Gottfried, 26. August 2011 um 23:39 Uhr

    Ich finde es komisch, dass es dem Verbraucherschutzministerium darum geht ob ein Berater ehr Provision oder Honorar bekommen soll. Ich bin der Meinung das weder das Eine noch das Andere den Kunden vor einer schlechten Beratung schützt. Des weiteren ist das Honorar ja auch von der Beratung abhängig, dass heißt das ein Berater (das ist meine Meinung) für eine Beratung zu Reiseversicherung nicht das gleiche Honorar bezahlt werden sollte wie eine Geldanlage oder Lebensversicherung. Somit ist man wieder da wo man angefangen hat, der Berater berät entweder den Kunden nach seinen Wünschen oder nach dem zu verdienen Geld.

    Ich denke das das Verbraucherministerium vor keinen der Verdienstmöglichkeiten ein Schlussstrich zieht, da es bei beiden zu sehr guten Beratungen kommen kann aber auch zu schlechten. Ich schließe mich meinen Vorschreibern an und bin der Meinung, dass der Kunde entscheiden muss wem er vertraut.

    Noch ein schönes Wochenende.

  9. Cüneyt Erdin, 27. August 2011 um 14:14 Uhr

    Wenn Honorarberatung sein darf, dann nur klar abgetrennt von Provisionsberatung. Ein Honorarberater dürfte nicht für Provisionen vermitteln und umgekehrt. Das wäre die Einzige Lösung meiner Meinung nach.
    Aber das zu überwachen dürfte genauso schwer sein, wie auch heute schon in anderen Bereichen.

    Ralf Gottfried hat ja im Grunde genommen Recht mit seiner Aussage, dass einem Honorarberater für eine Reiseversicherung eine andere Höhe bezahlt werden sollte, als für eine Geldanlage. Aber es stellt sich doch die Frage der Höhe!
    (folgende Zahlen sind nur Beispiele, um das Thema zu verdeutlichen)

    Eine Reisekrankenversicherung ist ein gutes Beispiel, kostet sie doch nur € 8,-, € 10,- oder € 12,- pro Jahr (für einen Single). Die Provision gibt hier einen festen Prozentsatz raus und ist damit fest geregelt. Was macht die Honorarberatung an dieser Stelle, wenn der Stundenlohn des Beraters z. B. bei € 100,- liegt? Kostet die Honorarberatung an dieser Stelle nun mehr als das Produkt, oder schreibt der Honorarberater nun eine Rechnung über ein Honorar von beispielsweise € 3,50?

  10. JoMa, 29. August 2011 um 09:59 Uhr

    Hallo Herr Schulze,

    ich möchte noch einmal Stellung zu ihrem Beitrag nehmen:

    Zu 1.
    Sie werden mir jetzt nicht ernsthaft glaubhaft machen wollen, dass ein Versicherungsvertreter oder Finanzberater (im Allgemeinen) keine qualitativ gute Beratung versprechen wird?! Da habe ich nämlich mit zig Beratern ganz andere Erfahrungen gemacht. Erfahrungen! Ist ja nicht so, als würde ich etwas anderes Erwarten. Auch Qualitätsstandards sind nur bedingt nützlich, oder sagen wir Marketing dazu? Okay, eine Mischung aus Verbraucherschutz und MARKETING! Auch wir arbeiten in der Industrie mit Qualitätsstandards, aber auch die lösen nicht jedes Problem. Ähnlich wie Gesetze, wäre das ganze so einfach wie Sie schreiben, bräuchte ja niemand einen Richter.

    Zu 2.
    Eine Beratung, die so umfassend ist, dass der Kunde die für sich beste Entscheidung treffen kann, das wäre die Lösung! Da haben sie absolut recht. Eine so umfassende Beratung ist für nahezu jeden Bürger auf Grund der immer komplexeren Regelungen NICHT MÖGLICH. Da muss ich Sie korrigieren. Denn es wird auch kein Vermögensberater können, einfach nicht möglich! Und wenn er es könnte, müsste er auch noch jeden passenden Vertrag anbieten können, was die DVAG z. B. schon einmal nicht kann.

    Zu 3.
    Herr Schulze, welche Form der Bezahlung für den Kunden relevant ist, müssen Sie schon dem Kunden überlassen! Ein Handwerker stellt eine Rechnung, da weiß ich wie viel er bekommt, meistens zahle ich da auch nur eine Rechnung. Bei einem Versicherungsvertrag fragt fast niemand wie viel der Berater bekommt, wie viel davon noch Regionalgeschäftsstellenleiter, der Geschäftsstellenleiter, usw. Und der Vergleich mit Wurst vom Metzger ist da wohl fehl am Platze. Denn eine Wurst steht in keinem Verhältnis mit einer Lebensversicherung. Eine Wurst kann ich auch als Laie mit einer andern Wurst vergleichen. Bei einer Versicherung geht das schon viel schwerer, sonst bräuchte man keine Berater! Und warum müssen den Versicherungen angeben, welcher Betrag für was verwendet wird? Verbraucherschutz! Und wenn ich mir diese Beträge so ansehe, wird mir schlecht! Aber was will ich dagegen tun? Nichts, denn die Beträge variieren nicht so stark, als könne ich mir bei einer anderen Versicherung wesentlich mehr Geld sparen, also was bringt mir das dann? Genau, ich weiß jetzt warum Versicherungen bzw. deren Vertreter so viel Geld verdienen! Schlechtes Image.

    Zu 4.
    Es gibt Branchen, die einen gravierenden Anteil an solchen Krisen haben. Der Finanzberater kann dafür natürlich nicht direkt etwas. Aber das Image solcher Branchen leidet natürlich unter solchen Vorfällen. Denn die Bürger müssen bezahlen und die Schuldigen müssen nicht mehr arbeiten.

    Aber da hat jeder seine eigene Ansicht, dafür sind Diskussionen auch da 😉 Ich sehe das Thema aus Kundensicht, sie eher aus der Verkäufersicht. Nichts für ungut!

    Viele Grüße
    JoMa

  11. Robert Gaumann, 29. August 2011 um 12:44 Uhr

    Wie gesagt,steigen die Schulden des Staates nur an und ich hoffe,das letztendlich dies nicht zur Inflation fuehrt!Nicht vorlanger Zeit wurde ueber Lebensversicherung und Altersvorsorge vor kurzem diskutiert!Ich glaube,das das Verbraucherministerium nicht besser beraten,oder die Probleme der Kunden besser loesen kann!Der Kunde kann sich selber besser beraten lassen.Und was es dem Honorar oder Provision angeht,sollte man abwarten,was der Verbrauchministerium entscheidet.Wir werden sehen,was fuer weitere Ergebnisse oder Reformen gemacht werden! Man sollte abwarten!

  12. Harri Schultze, 29. August 2011 um 15:14 Uhr

    Hallo Herr JoMa,

    zu 1 bis zu 4.:
    schade, jetzt dreht sich alles im Kreis.

    Gruß
    Harri Schultze mit t

  13. JoMa, 29. August 2011 um 15:50 Uhr

    Hallo Herr Schultze,

    entschuldigen Sie den Schreibfehler, kommt bei mir aber öfters mal vor 😉

    Wie geschrieben, Sie sehen die Dinge halt ein bißchen anders, aber dafür sind Meinungen ja schließlich da! Wichtig ist nur, dass man seine Meinung vertreten kann. Bei Beiträgen ist eine Diskussion auch immer recht schwer und manche Dinge werden schnell missverstanden.

    Viele Grüße
    JoMa