Faustpfand im Alter?

24. August 2011 | 773 mal gelesen

Ausführlich beschäftigt sich die Fachzeitschrift procontra in ihrer aktuellen Ausgabe (Seiten 74 f.) mit der Frage, ob und auf welchem Wege die eigene Immobilie als eine Art “Faustpfand” im Alter dafür herhalten kann, größere Versorgungslücken zu schließen, ohne ausziehen zu müssen.

In Frage kommen zwei Modelle: Die Verwertung der Immobilie als Leibrente, z.B. an die eigenen Kinder, indem der Eigentümer seine Immobilie an diese verkauft und dafür ein lebenslanges Wohnrecht erhält. Oder die in Deutschland noch sehr seltene “Umkehrhypothek”, bei der eine Bank das Eigentum erwirbt, im Gegenzug lebenslanges Wohnrecht einräumt und eine zeitlich befristete monatliche Rente ausbezahlt.

Die Modelle sind als solche nachvollziehbar, allerdings mit so vielen Fragezeichen versehen, dass sie sich wohl in der Breite nicht durchsetzen können: Welche Kinder haben schon die finanzielle Möglichkeit, eine Immobilie zu erwerben, ohne selbst einziehen zu können? Wie hoch wird wohl der Abschlag der Bank als Erwerber sein, wenn diese das Risiko des lebenslangen Wohnrechtes trägt?

Bleibt am Ende: Wer tatsächlich in die wenig wünschenswerte Situation kommt, über die mühsam abbezahlte Immobilie im Alter den Lebensunterhalt bestreiten zu müssen, wird sich wohl von seinem Haus oder seiner Wohnung trennen und in eine deutlich günstigere Mietwohnung einziehen müssen. Keine schönen Aussichten, aber wohl die Realität, die sich im Grunde nur durch eines vermeiden lässt: Neben der Immobilie frühzeitig auch über andere geeignete Sparformen für das Alter vorsorgen.


Kommentare für diesen Artikel (9)

  1. Ralf Cormaux, 24. August 2011 um 12:53 Uhr

    Dem ist kaum noch was hinzuzufügen. Viele Menschen überschätzen das Eigentum als Altersvorsorge und meinen, sie müssten nichts zusätzlich sparen. Das wird sich rächen, da bin ich mir sicher. Spätestens bei den Instandhaltungskosten, steigenden Energiekosten und der demographischen Entwicklung, die dazu führen wird, dass wir irgendwann nicht mehr so viele Einfamilienhäuser benötigen werden.

    Viele Grüße vom Vermögensberater aus Willich und Tönisvorst
    Ralf Cormaux

  2. Beckmann, Patrik, 24. August 2011 um 15:24 Uhr

    Schließt (m)eine Immobilie wirklich die Versorgungslücke im Alter …

  3. Tom, 24. August 2011 um 17:31 Uhr

    Eine eigene Immobilie (kann auch eine ETW sein) bedeutet mietfreies Wohnen im Alter. Ist das keine ausreichende Versorgung?

  4. Mechler, 24. August 2011 um 21:08 Uhr

    @ Tom
    Die eigene Immobilie ETW dürfte schon weit vor dem Ruhestand abbezahlt sein.
    Meine Frau hat mehere Kapital- Lebensversicherungen. Früher hat sich der Betrag verdoppelt. Und heute? Auf nicht garantierte Beträge für eine Laufzeit von 30 Jahren würde ich mich heute nicht mehr einlassen. Ich bin gespannt was sie von den damals genannten voraussichtlichen Summen wirklich ausbezahlt bekommt.
    Fauspfand im Alter
    Gute Ausbildung . Guten Beruf damit die Beiträge ohne größeren Verzicht aufgebracht werden können.. Erbe von den Eltern und Schwiegereltern übernommen. Haus vermietet, Grundstücke und Wald verpachtet. Ein Zweifamlienhaus gekauft mit Tochter und Mann bezogen. Eine EGT Wohnung der Tochter als Kapitalanlage vermietet. Dieses Faustpfand darf dann die Tochter und Mann als Erbe ebenfalls übernehmen. Das Leben fängt nicht bei der Stunde Null an sondern geht von Generation zu Generation weiter.

  5. Wolfgang Reinhardt, 24. August 2011 um 22:36 Uhr

    @Tom: Steine kann man nicht essen!

  6. Frank Schmidt, 25. August 2011 um 08:03 Uhr

    Hallo,

    richtig, Steine kann man nicht essen. Aber Goldstücke, Papiergeld, Versicherungsscheine und Sparbücher stehen auch nicht auf dem Speiseplan.

    Als Erstes bedeutet eine schuldenfreie Immobilie für den Eigentümer mietfreies Wohnen. Und das ist ein geldwerter Vorteil gegenüber einem Mieter. Selbst eventuelle Reparaturen sollten deutlich günstiger sein, als die vergleichbare Miete.
    Ferner kann das Haus Dritten verkauft werden, wenn die Eltern bei den Kindern einziehen können. Das wird nicht jeder wollen, ist aber eine Alternative zum eventuellen Alters- bzw. Pflegeheim.

    Da unsere Gesellschaft schnell altert, sollten Arbeitsplätzte kein Thema mehr sein, wenn die heute 40-50 jährigen in Rente gehen (wollen). Wenn wir wirklich von derartigen Rentenkürzungen ausgehen, wie sie heute vorgerechnet bekommen, könnten auch die Großfamilien wieder „aufleben“. Vielleicht auch Wohngemeinschaften, wer weiß das schon? Jedenfalls sehe ich einen Immobilienbesitzer klar im Vorteil zu jedweder Art von vergleichbaren Geldvermögen.

    Aber natürlich reicht es nicht aus, nur auf die Immobilie zu setzen. Frei nach dem Motto, lieber reich und gesund, als arm und krank, schadet es auch nicht, zusätzlich ein paar Euronen auf der hohen Kante zu haben, oder über andere Geldquellen zu verfügen.

    MfG
    Frank Schmidt

  7. Norbert Strauß, 25. August 2011 um 08:37 Uhr

    Es ist fatal die eigene Immobilie als ausschließliche Altersvorsorge zu betracthten, den eine Immobilie wird auch älter und muss instandgehalten .
    Im Notfall ( Pflege oder ähnlich) kann eine Immobilie verkauft werden, eine Mietwohnung nicht.
    Fazit: auch hier gilt – wie so häufig- sowohl als auch fürs Alter.
    Norbert Strauß

  8. Tom, 25. August 2011 um 15:03 Uhr

    Niemand sagt, dass die eigene Immobilie die ausschließliche Altersvorsorge sein soll. Die gesetzliche Rente gibt es ja darüber hinaus, Mietfreies Wohnen plus gesetzliche Rente: wer hat das schon?

  9. Andreas Röhr, 25. August 2011 um 19:58 Uhr

    @ Tom,

    das ist dann der Einäugige unter den Blinden. 😉

    Viele Grüße Andreas Röhr