Nah- und Fernbild

7. August 2011 | 1.062 mal gelesen

Gerne zitieren wir die Aussage von Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute, mit seiner Antwort auf die Frage: “Wie ist es Ihrer Meinung nach aktuell um das Image der Branche bestellt?” (s. Zeitschrift finanzwelt 4/2011, Seite 120).

“Im Nahbereich sind unzählige Kunden mit ihren Versicherungsvermittlern sehr zufrieden, vertrauen ihnen und regeln viele finanzielle und Versicherungsfragen mit ihnen. Demgegenüber steht die Fernsicht, die vornehmlich von Verbraucherschutzzentralen, Teilen der Politik und tendenziöser Presseberichterstattung vermittelt wird. In dieser erscheinen Versicherungsvermittler als provisionsgierig und vermeintlich unfähig, den Kunden die für sie passende Versicherung bzw. Altersversorgung anzubieten.”

Da diese Fernsicht alle trifft, die in der Finanzbranche beratend tätig sind, bleibt auch aus unserer Sicht die vage Hoffnung, dass die mit der “Fernsicht” vielleicht in Zukunft doch noch näher hinsehen. Denn in diesem Fall ist Nahsicht weit aufschlussreicher als Fernsicht.


Kommentare für diesen Artikel (2)

  1. Winfried Felser, 11. August 2011 um 17:25 Uhr

    Sehr geehrter Herr Dr. Lach,

    was kann die Finanzbranche tun, um Nah- und Fernbild wieder in Einklang zu bringen bzw. das Fernbild zu korrigieren?

    Wir befragen auch gerade die Experten unseres Netzwerks zum Thema Finanzbranche und Vertrauen. Ein Beitrag von Ihnen wäre sicherlich ein Gewinn.

    Wenn man hier aus den ersten Antworten eine Essenz herausfiltert, kann man feststellen: Das Fernbild leidet nicht nur unter ungerechtfertigter Kritik in den Medien, die es sicherlich im Übermaß gibt, sondern auch unter z.T. “historischen” Mängeln, z.B. komplexe Produkte, hochriskante Geschäfte, nicht immer für den Normalbürger nachvollziehbare Boni nach Krisenzeiten oder auch “unkonventionelle” Belohnungs-/Anreizsysteme. Das hat leider auch den engagierten, im besten Sinne kundenorientierten Berater / Vermittler vor Ort unschuldig getroffen (auch ich bin z.B. mit meinen persönlichen Ansprechpartnern immer uneingeschränkt zufrieden gewesen).

    Wie gelingt es nun wieder Vertrauen zu gewinnen?

    Transparenz, Offenheit, Nachhaltigkeit, Angemessenheit (bei Vergütungen), Glaubwürdigkeit (z.B. durch authentische “Werbung”), Ethik des soliden Kaufmanns : Solche Tugenden werden von unseren Experten genannt und die Rückbesinnung auf diese Tugend hilft meiner Meinung nach mehr als jede Image-Kampagne, die bei einem erneuten Krisenfall wieder in sich zusammenfällt. Und kommunizierte und gelebte Kompetenz würde ich persönlich noch betonen …

    Mit besten Grüßen

    Winfried Felser

  2. , 11. August 2011 um 19:27 Uhr

    @ Winfried Felser

    Ich möchte 3 Fälle unterscheiden:

    1. Ein Berater, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen (keine Falschberatung, ordentlicher Service, kundenorientierte Beratung), braucht sich keine Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Seine Kunden werden wissen, was sie an ihm haben, weiter Geschäfte mit ihm machen und ihn mehr denn je an Verunsicherte weiter empfehlen. Dies beobachten wir auch bei unseren Vermögensberatern: Die bisher Erfolgreichen sind jetzt in schwierigen Zeiten noch erfolgreicher.

    2. Unternehmen, die insgesamt ordentlich arbeiten (dazu zählen wir uns als DVAG, denn wir vermitteln keine Produkte des grauen Kapitalmarktes oder geschlossene Fonds / Zertifkate, die unseren Beratern an die Hand gegebene Konzeption ist kundenorientiert und branchenübergreifend und wir haben ein effizientes Qualitätssicherungsinstrumentarium), haben es schwer. Denn das von anderen aufgebaute Negativimage schlägt auf alle durch. Hier heißt es, mehr denn je die eigenen Qualitätsstandards gewährleisten und diese im Beratungsgespräch und in der Kommunikation nach Außen deutlich machen.

    3. Unternehmen, die für die Misere verantwortlich sind, sollten nicht millionenschwere Kampagnen fahren und so versuchen, Fehlverhalten mit dem Mantel unglaubwürdiger Werbeversprechen zu verdecken, sondern besser diese Mittel in Entschädigungszahlungen an Kunden investieren und gleichzeitig die internen Hausaufgaben schnellstmöglich erledigen.