Alles gut?

21. Juli 2011 | 918 mal gelesen

Es ist unstrittig: Die deutsche Wirtschaft floriert, verbunden mit dem höchsten Beschäftigungsstand (40,5 Millionen Erwerbstätige), den es in Deutschland jemals gab. Das ist gut so, denn kaum etwas ist schlimmer als aussichtslose Arbeitslosigkeit.

In allererster Linie profitieren Wirtschaftszweige, die den Großteil ihrer Produktion exportieren. “Made in Germany” zählt etwas, und inzwischen sind auch die Preise für deutsche Produkte wieder international wettbewerbsfähig.

Der Grund: Seit 10 Jahren stagnieren die Realeinkommen der privaten Haushalte, in den unteren Einkommensklassen sind sie sogar gesunken. In fast allen anderen Ländern sind die Löhne hingegen zum Teil deutlich gestiegen, ein signifikanter Produktivitätsvorteil also für deutsche Exportunternehmen.

Damit wird deutlich: Es gibt klare Gewinner des Aufschwungs, nämlich die exportorientierten Unternehmen und all diejenigen, die sich – oft nach Jahren der Arbeitslosigkeit – über eine Arbeitsstelle freuen dürfen.

Es gibt aber genauso “Verlierer”: Nämlich die Breite der privaten Haushalte, die trotz teilweise erheblicher Preissteigerungen weniger oder zumindest nicht mehr vedienen und sich deshalb immer weniger leisten können. Und genau dies trifft dann diejenigen Unternehmen, die auf die Binnennachfrage angewiesen sind, weil sich ihre Produkte oder Dienstleistungen nicht exportieren lassen. Und dazu gehören auch die Anbieter von Vorsorgeprodukten, die zusätzlich auch in der Medienlandschaft derzeit nicht gerade “verkaufsfördernd” wegkommen.

Und so erklärt sich, warum es immer schwieriger wird, die Menschen zu dringend notwendiger, privater Vorsorge für das Alter, für Pflegebedürftigkeit und für Krankheit zu motivieren. Oftmals gelingt dies überhaupt nur noch dann, wenn die Eigenaufwendungen wie zum Beispiel bei der Riester-Rente minimal gehalten werden können. Und dass das nicht ausreicht, weiß jeder.


Kommentare für diesen Artikel (6)

  1. Eckhard Stephan, 21. Juli 2011 um 10:52 Uhr

    Lieber Herr Dr. Lach, die Schlagzeile „Gehälter sinken im Aufschwung“ sprang auch mich bei morgendlicher Lektüre an. Dabei musste ich wieder an Ihren Blogbeitrag vom 29.06.2011 denken. Sicherlich haben Sie Recht mit Ihrer abschließenden Feststellung von “Gewinnern und Verlierern”. Ich bin allerdings der Meinung, dass systemtragende Maximen unserer Sozialen Marktwirtschaft, insbesondere die adäquate Teilhabe a l l e r Erzeuger der “kräftig gestiegenen” Gewinne der deutschen Unternehmen an denselben, systematisch paralysiert wird. Das könnte uns Vermögensberatern, die wir zu den “Gewinnern” gehören, herzlich “Schnuppe“ sein. Ich fürchte allerdings, wenn diese Zustände weiterhin und zunehmend Permanenz und Intensität erfahren (damit unsere Wirtschaft im globalen Wettbewerb weiterhin in der Top-Liga spielt), wird der Gegenstand unserer Arbeit, nämlich kompetent die private Vorsorge der Bürger organisieren und ausbilden zu helfen, mehr und mehr die Gestalt eines Potemkinschen Dorfes bekommen. Ich wage gar nicht an künftige Auswirkungen auf die Gesellschaft und ihren Zusammenhalt zu denken, wenn wir Vermögensberater vermittelst unserer Arbeit Ihnen nicht das Maß an Beratung zukommen lassen können, weil sie immer geringere Teile uns zur diesbezüglichen Disposition überlassen können. Herzliche Grüsse aus Berlin von Eckhard Stephan.

  2. Harri Schultze, 21. Juli 2011 um 11:28 Uhr

    Dieser Beitrag spiegelt exakt meine Erfahrung und Wahrnehmung aus vielen vielen Gesprächen in den letzten Wochen und Monaten wieder:

    Nahezu Jeder hat inzwischen erkannt, dass er etwas in Sachen Vorsorge tun muss. Oft ist das Budget für Vorsorge und Absicherung im Haushalt aber nur sehr gering bis nicht vorhanden. Oft ist auch das pauschale Misstrauen gegen die gesamte Branche so groß, dass dringend erforderliche Vorsorge einfach nicht angegangen wird.

    In aller Regel ist ausreichende / bedarfsgerechte Vorsorge für einen gesicherten Lebensstandard im Alter nur noch über staatliche und steuerliche Förderungen – vor allem betriebliche Altersvorsorge (bAV) und Riesterförderung – darstellbar. Wer einen guten Arbeitgeber hat, der bekommt auch von diesem noch einen Zuschuss zur Altersvorsorge oben drauf.

    Für viele, wenn nicht gar die meisten, stellen sich allerdings viele Fragen:
    Welche Förderung ist für mich sinnvoll? Wie funktioniert das genau? Welche Alternativen habe ich? Bin ich mit meinen bestehenden Sparverträgen für jetzt und später optimal aufgestellt? Lässt sich mit gleichem Aufwand mehr erreichen?

    Die Antwort auf all diese Fragen lautet wie immer:

    Gute Beratung macht den Unterschied!

    Grüße vom Vermögensberater aus Willich
    Harri Schultze
    http://www.harri-schultze.de

  3. Jörg Renner, 21. Juli 2011 um 21:26 Uhr

    Alles schön und gut, ich schließe mich auch der Meinung meiner Kollegen an!
    Unsere deutschen Tugenden haben diesen Aufschwung bewirkt. Uns geht es wirtschaftlich besser als unseren EU-Nachbarländern.
    Und was bringt es uns?
    Weil wir so “bekloppt” fleißig sind und mittags keine Siesta halten,dürfen wir
    wieder für die Faulheit und weitere nicht gelöster Probleme Anderer finanziell
    aufkommen.
    Und das nicht nur WIR sondern unsere Kinder und Kindeskinder.
    Jedes Unternehmen das so wirtschaftet, wie verschiedene EU-Staaten dies bisher und noch immer tun, wäre schon längst vom Markt verschwunden
    und pleite!!!
    Wieviel besser würde es uns gehen, wenn wir nicht auch noch die Faulheit anderer mitfinanzieren müßten.
    Dann hätten unsere Kunden auch genug Geld, um etwas für ihre Vorsorge zurück zu legen.

    Mit meiner Meinung stehe ich nicht allein da!
    So sehen es auch viele meiner Kunden.

    Wer kann an dieser Situation etwas verändern ?
    Ich denke wir alle gemeinsam!
    Aber da trifft ja folgendes Zitat von Hr. Weizsäcker zu:
    “Der Deutsche ist: absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typische Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage! Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt. Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht, dann schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein – auch das, was ihm noch helfen könnte. “

  4. Franck Pontzen, 21. Juli 2011 um 21:51 Uhr

    …viele würden etwas machen, wenn Sie wüßten wie Sie es anfangen könnten, es gibt viel zu TUN, packen wir es an, Franck Pontzen aus d. Pfalz

  5. Harri Schultze, 22. Juli 2011 um 17:12 Uhr

    Sehr geehrter Jörg Renner,
    ich möchte ja hier keine politische Diskussion eröffnen. Die Erfahrung aus meinem Vorberuf als Personalleiter eines Automobilzulieferers mit Werken in ganz Europa haben mich jedoch gelehrt, dass wir in unseren Werken in Tschechien, Frankreich und auch Spanien genauso wie in China sehr fleissige und höchst motivierte Mitarbeiter hatten. Und auch, dass “wir Deutschen” zwingend fleissiger sind als der Rest der Welt, spiegelt nicht unbedingt die Realität wieder.
    Viel wichtiger als in dieses Horn zu blasen, was natülich einfach ist, ist es doch den Menschen in Deutschland die Ängste zu nehmen. Vielleicht indem man über die tatsächlichen Zusammenhänge in Europa und der Welt von seinem Wissen etwas weitergibt und erklärt, dass wir als Deutschland ein reines Exportland sind und ein großer Teil des Exportes an unsere Europäischen Nachbarn geht. Ohne “Kunden” geht es aber auch Deutschland schlecht. Soll meinen, wir sind von Europa abhängig und Europa auch von uns. Keiner kann alleine, es sei denn wir steigen um auf Selbstversorger und Karottenanbau im Garten.
    Es würde uns also keinen Deu besser gehen, wenn Deutschland keine Hilfen in den Europatopf legen würde – eher im Gegenteil.
    Uns Vermögensberatern würde es aber bedeutend leichter fallen mit den Kunden über vernünftige Vorsorgekonzepte zu sprechen, wenn nicht ständig Polemisiert würde und Ängste geschürt anstatt genommen würden.
    Gruß
    H. Schultze

  6. Jörg Renner, 23. Juli 2011 um 17:40 Uhr

    Sehr geehrter Harri Schultze,
    es ist nicht meine Absicht zu polarisieren oder irgendwelche Stammtischdiskusionen vom Zaun zu brechen!
    Ihrer Sichtweise kann ich mich voll anschließen!
    Was natürlich aber auch Fakt ist, dass einige unserer Brüder u. Schwestern
    in Europa ihre Hausaufgaben nicht machen oder gemacht haben,bzw. deren Regierung!
    Was mit den sogenannten Hilfspaketen geschieht verstößt meines Wissens
    gegen geltendes EU-Recht !?
    Bei der Einführung des Euro wurde dies glaub ich nicht so geregelt.
    Lieber Harri Schultze, wie kann denn dem deutschen Bürger die Angst genommen werden, wenn er ständig sieht oder noch besser nicht sieht oder weiß, dass die eigene Regierung ständig gegen geltendes Recht verstößt!?
    Welche Vorbildfunktion vermitteln damit unsere Politiker und woher kommt wohl die tolle Wahlbeteiligung?

    @Frank Pontzen,
    “…viele würden etwas machen, wenn Sie wüßten wie Sie es anfangen könnten, es gibt viel zu TUN…”
    Vielleicht fängt man mal damit an:
    1. nicht alles zu glauben, was in den etablierten Medien oder von Politikern berichtet wird.
    2. sich selbst mal selbstkritisch schlau zu machen,
    wie sagte schon Wilhelm Liebknecht: ” Wissen ist Macht – Macht ist Wissen ”

    Viele nehmen die Dinge einfach nur so hin. als etwas wirklich verändern zu wollen!
    Da sollten wir Deutsche uns in dieser Hinsicht mal ein Beispiel an der Streit / Streikkultur unserer EU-Nachbarn ein Beispiel nehmen!
    Dafür sind wir wohl zu bequem oder es geht uns noch zu gut?
    1989 war dies anders.