Kleines Sonntagsrätsel

10. Juli 2011 | 960 mal gelesen

Welches reale Phänomen wird im Folgenden beschrieben?

B ist clever:

Sie leiht sich bei Z für 2 Jahre 2 Milliarden Euro für 1,5 Prozent Zinsen p.a. Z will damit sicherstellen, dass B als systemrelevantes Unternehmen stets liquide bleibt und die Unternehmen U mit Krediten versorgt. Denn nur wenn U Kredite bekommt, floriert die Wirtschaft.

B denkt nicht daran, das Geld an U zu verleihen. Denn das ist riskant, weil U den Kredit vielleicht nicht zurückzahlen kann. Deshalb müsste B, so die Vorschrift, für jeden ausgegebenen Kredit angemessenes Eigenkapital vorhalten, was teuer ist und den Ertrag von B schmälern würde.

Also erinnert sich B an seine gute, aber nicht sehr schlaue Freundin V, die geradezu süchtig danach ist, in der Gewinn- und Verlustrechnung möglichst viel Mittelzuflüsse auszuweisen. V nennt das Neugeschäft.

V bietet B deshalb an, die 2 Milliarden Euro für 2 Jahre mit 3 Prozent Zinsen in die Bücher zu nehmen. Da V selbst mit Neuanlagen am Kapitalmarkt auch allenfalls 1,5 Prozent erwirtschaften kann, deckt sie die fehlende Marge aus Reserven, die aus den Einlagen der nichts ahnenden Kunden K der V bestehen.

B freut sich, da sie nach 2 Jahren völlig risikolos und ohne Eigenkapitaleinsatz einen super Schnitt gemacht hat. V freut sich auch, da richtig viel Geld in die Kasse kam. Schade nur, dass es schon nach 2 Jahren wieder weg ist.

K merkt nichts. Auch Z bemerkt nicht, dass B die zinsgünstige Liquidität gar nicht dafür genutzt hat, U mit Kredit zu versorgen, sondern stattdessen das Geld nur für Zinsdifferenzgeschäfte eingesetzt hat.

Und dann gibt es noch ein Amt A: Dessen Aufgabe besteht eigentlich darin, das Geld der Kunden K, das diese bei V anlegen, zu schützen. A hat zwar bemerkt, dass etwas nicht stimmt, greift aber erst sehr spät ein, indem V allzu sorgloser Umgang mit Zinsversprechen an B in Grenzen untersagt wird.

Alles wieder in Ordnung? Wohl nicht, wenn Z weiter zu billiges Geld zur Verfügung stellt und nicht gemeinsam mit A dafür sorgt, dass solches Geld tatsächlich auch in Form von Krediten an U fließt.


Kommentare für diesen Artikel (2)

  1. Peter Schattling, 10. Juli 2011 um 19:23 Uhr

    U hat es auch ohne B geschafft.
    Z konnte endlich die Zinsen anheben.
    A und B wollen einfach nicht dazulernen!

  2. Frank Schmidt, 11. Juli 2011 um 07:10 Uhr

    Guten Morgen,

    schöner Artikel.

    K ist, wohl nicht nur in diesem Fall, meist die dumme Kuh, der man grad’ so viel Futter gibt, dass sie ordentlich weiter gemolken werden kann.

    Dabei, K könnte sich ja auch von B Geld borgen. Sagen wir mal 70% dessen, was er bei VB angelegt hat. Zahlt er die von B gewünschten 3%, hat er aber am Jahresende +8,1% gemacht. Ohne nennenswert höheres Risiko.

    Das geht so lange, bis aus der dummen Kuh, eine Schlachtkuh geworden ist. Aber, clevere Kühe leben länger!

    MfG
    FS