Honorartarife

31. Mai 2011 | 907 mal gelesen

Einen interessanten Vergleich stellt Börse Online an (s. Versicherungsjournal vom 26. Mai 2011).

Untersucht wurde, inwieweit sich die monatlichen Leistungen aus privaten Rentenversicherungen unterscheiden – jeweils bei “klassischen” Tarifen mit Abschlussprovision und Beratung durch den Außendienst, bei Tarifen von Direktversicherern ohne Abschlussprovision und ohne Außendienstberatung sowie bei Nettotarifen, die nur über Honorarberater bezogen werden können.

Schenkt man den Befürwortern der Honorarberatung Glauben, müssten die Nettotarife weit höhere Leistungen vorsehen, denn die anfallenden Kosten für die Honorarberatung sind gesondert zu entrichten. Ebenso wäre zu erwarten gewesen, dass die Tarife der Direktversicherer provisionsbasierte Tarife um Längen schlagen.

Genau das Gegenteil ist der Fall: Die Unterschiede zwischen den drei Tarifvarianten sind minimal. Deshalb das Resumée von Börse Online: “Schlechte Honorartarife werden mühelos durch gute Provisionstarife und Direktpolicen getoppt”.

Warum also sollte der Kunde auf professionelle Beratung gegen Provision verzichten, wenn dies die monatlichen Rentenleistungen so gut wie gar nicht schmälert?

Und: Mag es sein, dass nur solche Lebensversicherer Honorartarife zur Verfügung stellen, deren Leistungsfähigkeit hinter der anderer deutlich zurück bleibt? Ist es dann tatsächlich mit der Idee der (unabhängigen) Honorarberatung  vereinbar, dass Honorarberater auf die Angebote solcher Versicherer mit marktunterdurchschnittlichen Leistungen zurückgreifen (müssen)? Anders ausgedrückt: Was nutzt dem Kunden Honorarberatung, wenn die hierfür zur Verfügung stehenden Tarife im Leistungsniveau unterdurchschnittlich sind?


Kommentare für diesen Artikel (3)

  1. Wolfgang Stadler, 31. Mai 2011 um 19:55 Uhr

    Vor kurzem fand ich bei einem Mandanten eine luxemburgische Police mit Nettotarif, d.h. die Abschlusskosten wurden separat in Rechnung gestellt. Interessanterweise wurde der Vertrag mit Endalter 75 abgeschlossen, so dass die Kosten recht üppig waren – bei einem Monatsbeitrag von 150 Euro warens nämlich knappe 7000 Euro Kosten, über 4 Jahre verteilt zu zahlen. Was fast 9% Belastung entsprach.

    Der Mandant weiss das jetzt, gesagt hat ihm das vorher keiner. Und was geschrieben steht: wenn der Versicherungsvertrag gekündigt werden sollte, muss er dennoch die Abschlusskosten bezahlen. Das nennt man Zwang.

    Ganz ehrlich – wie oft wird hier über viel oder wenig Kosten, gute oder schlechte Rendite bei unserem Produktpartner AM Leben etc. gesprochen? Sowas wie oben geschildert – das ist eine Sauerei und in einer ganz anderen Liga wie die Kosten, die die AM bei Abschluss berechnet. Und wenn einer kündigen will, kann er das jeden Monat tun.

    schönen Abend!

  2. Frank Schmidt, 1. Juni 2011 um 05:13 Uhr

    Hallo Herr Stadler,

    da haben Sie Recht, SO ETWAS gehört verboten. Da hatte wohl der Berater nicht den Arsc. in der Hose, dem Kunden zu sagen, was seine Dienstleistung kostet. Gibt es nicht auch Tarfe, die diese Kosten am Ende der Laufzeit wieder erstatten?

    Zu den Berechnungen aus dem Versicherungsjournal kann ich nur sagen: ” Trau’ keiner Statistik, die du nicht selbst gefälsch hast.” (Zusatz: Und vergiß nie, welche Statistik Du gefällsch hast.)
    Häufig sind da auf der einen Seite Überschüsse mit eingerechnet, auf der Anderen nicht. Vielleicht habe ich ja morgen Zeit, dann schaue ich mir das mal an. Aber nur vielleicht.

    MfG
    Frank Schmidt

  3. Wolfgang Stadler, 1. Juni 2011 um 19:56 Uhr

    Hallo Herr Schmidt,

    vielleicht interessiert Sie und die Leser folgende Ergänzung: vor Abschluss o.g. Vertrags mit Kostenausgleichsvereinbarung (Kosten und Versicherungsvertrag sind getrennte Posten) wurden von diesem Makler auch noch zwei steuerfreie Policen gekündigt.

    Wie das rechtlich zu beurteilen ist, kann ich nicht sagen – moralisch gesehen ist das 🙁

    schönen Vatertag, falls schon ,-)