Alte Hasen

25. Mai 2011 | 1.212 mal gelesen

Längst gibt es für Versicherungsvermittler gesetzliche Regelungen zur Qualifikation. Als diese seinerzeit erlassen wurden, gab es eine so genannte “Alte-Hasen-Regelung”, nach der denjenigen Vermittlern, die bereits seit Jahren tätig waren, eine formale Nachqualifikation erlassen wurde. “Bestandsschutz” also – eine in der Gesetzgebung durchaus auch in anderen Bereichen übliche Vorgehensweise.

Nunmehr steht auch für Vermittler von Investmentfonds ein Gesetz an, das eine Mindestqualifikation vorschreiben wird. Gut so.

Erstaunlich allerdings die Argumentation dafür, dass hier auf eine “Alte-Hasen-Regelung” verzichtet werden soll: Es seien ja gerade die heute schon tätigen Vermittler, die die Finanzkrise mitverschuldet hätten, und allein schon deshalb wäre eine Nachqualifikation geboten.

Bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber diese Auffassung nochmals überdenkt. Denn Schuld an der Finanzkrise waren ganz sicher nicht all diejenigen Vermittler, die ihren Kunden zum Beispiel Geldmarkt-, Renten- oder Aktienfonds namhafter deutscher Fondsgesellschaften vermittelt haben.

Verantwortung tragen vielmehr diejenigen, die als “freie Finanz- oder Anlageberater” ahnungslosen Privatkunden hochriskante geschlossene Fonds, Unternehmensbeteiligungen oder undurchsichtige Zertifikate verkauft haben – oft als Altersversorgung.


Kommentare für diesen Artikel (10)

  1. Peter Schattling, 25. Mai 2011 um 16:37 Uhr

    Ich sehe in diesem Verfahren reinen Aktionismus seitens unserer Regierung.
    Eine noch so gute Ausbildung und “Nachschulung” von Finanzvermittlern
    ersetzt niemals die Orientierung am Interesse des Kunden!
    Es ist unserer Regierung bestimmt auch nicht gelungen nachzuweisen,
    dass die Vermittler an der Finanzkrise schuldig sind.
    Aber die Vermittler sind diejenigen, die sich am wenigsten wehren können!

  2. Frank Schmidt, 25. Mai 2011 um 18:44 Uhr

    Hallo,

    wie gut die Qualifikation des Vermittlers auch ist, der Kunde geht bei Zertifikaten und geschlossenen Fonds immer ein Totalverlustrisiko ein.

    Schulen muß man den Kunden, nicht die Vermittler zertifizieren.

    Wäre es nicht ein Leichtes, Vermittler aus dem Verkehr zu ziehen, die den Kunden zum Bsp. Verträge der Göttinger Gruppe als sichere Geldanlage verkauft hatten, oder die “Drei Länder Fonds” als Altersvorsorge anboten.

    Diese “Anlagen” als spekulatives Investment an zu bieten, ist hingegen legitim.

    MfG
    Frank Schmidt

  3. Thomas, 26. Mai 2011 um 01:12 Uhr

    Es muss in Deutschland ein Schulfach namens Wirtschafts- und Finanzwesen eingeführt werden, in welchem die Schüler(innen) den Umgang mit Geld (angefangen von ” Schulden machen, ist nicht gut”, Immobilienfinanzierungen, Fonds,Versicherung,Aktienanlage, Steuern und deren Absetzbarkeit und Altersvorsorge ) lernen.

    Es ist doch so bezeichnend, dass in dieser Gesellschaft nicht über Geld gesprochen wird, Aktienanlagen per se als habgieriges,verantwortungsloses Zocken abgetan wird, Neiddebate immer schnell geführt wird und die Mehrheit eine Umverteilungspolitik befürworten (obwohl die sogenannten Wohlhabenden das meiste an Steuern hier zahlen).

    Dieses Schulfach muss dringend eingeführt werden ! Insofern stimme ich meinem Vorredner zu.

    Gruss,

    Dipl.-Ing Thomas Winkler

  4. Michael Miedl, 26. Mai 2011 um 07:01 Uhr

    Hallo liebe Blogger,

    da kann ich dem Herrn Schmidt nur zustimmen – solche Vermittler aus dem Verkehr ziehen, da würde es ganz schnell ganz ruhig!
    Zu viele geschädigte Kunden dieser Produkte lernte ich in den letzten 16 Jahren kennen und bis heute laufen die “Herren Vermittler” unschuldig umher und verkaufen fleißig weiter ihren Schrott!
    Den Glauben, dass sich dass mal ändert, habe ich trotz geplanten Gesetz schon lange verloren – haben doch die dafür zuständigen “Verbraucherschützer” mitsamt ihrer Ministerin sehr viel zu tun: Heute Tomaten im Supermarkt testen, morgen Waschmaschinen im Elektronikmarkt, übermorgen Versicherungen ………
    Also werde ich beim Kunden weiterhin gebetsmuehlenartig predigen, die Finger von solchen Sachen zu lassen – könnte für ihn von Vorteil sein. 😉

    Viele Gruesse aus Schönwald in Oberfranken

    Michael Miedl

  5. Ralf Cormaux, 1. Juni 2011 um 15:57 Uhr

    Ja, ja, so ist sie – die Regierung. Sie wollen gut darstehen und sorgen dafür, dass alle gut ausgebildet werden. Entschuldigung für die folgende umgangssprachliche Äußerung: Hahaha. Dann lernen die Berater mit betrügerischem Denken eben, wie Sie mit Fachwissen ihren Kunden das Geld aus der Tasche ziehen.

    Die guten Berater haben auch schon vorher gut beraten. Ich kann Herrn Miede nur zustimmen, die Vermittler, die die Kunden arm gemacht haben, laufen immer noch herum und verkaufen weiter. Außerdem sind doch nach wie vor die meisten der Bankmanager, die unter Anderem die Verantwortung für die Finanzkrise tragen, immer noch In den Vorständen aktiv. Es wurden Bäume (Banken) geschüttelt, um die Vögel (schlecht arbeitende Vorstände, Aufsichtsräte, etc.) aufzuscheuchen. Nach kurzer Dauer haben diese sich längst wieder niedergelassen und evtl. nur den Baum gewechselt. Da ist der Ansatz aber leider auch das Geld und die Lobby. 🙁

    Warum werden über Bausparkassenvertreter immer noch viel zu hohe Bausparverträge verkauft oder in den Sparkassen Kunden teils falsch beraten? Das hat nichts mit fehlender Ualifikation der Berater zu tun. Das liegt am Verkaufsdruck.

    Gruß vom Vermögensberater aus Willich und Tönisvorst
    Ralf Cormaux
    http://www.cormaux.de

  6. H. Herzog, 20. Juni 2011 um 13:59 Uhr

    Das stimmt. Wenn sich die Mitarbeiter der Deutschen Vermögensberatung weiterbilden und ggfls. eine Prüfung absolvieren müssten, kann man den Laden dicht machen.
    Sicherlich wird aber die DVAG ein Schlupfloch finden um deren Verkäufer vor einem solchen Schreckenszenario zu schützen. Hat beim letzten Mal ja auch geklappt. 🙂

  7. , 20. Juni 2011 um 14:21 Uhr

    @ H. Herzog

    Unsere Vermögensberater sind bestens ausgebildet. Wir investieren Jahr für Jahr 45 bis 50 Millionen Euro in das Know How unserer Berater. Ein Angebot, bestehend aus Elementen wie Grundausbildung, Fachausbildung, Führungsausbildung, Weiterbildung, Fachkompetenz, VBA-Prüfung, ALP-Prüfung, DBBV1-Prüfung, DBBV2-Prüfung, IHK-Prüfung, Bachelor-Studium, Ausbildungszertifikat u.v.m. … spricht für sich.

  8. Tobias Kugler, 20. Juni 2011 um 23:44 Uhr

    @ Thomas

    Genau so muss es sein! Schauen sie doch mal
    auf http://www.handelsblattmachtschule.de

    Wir haben unsere gesellschaftliche Verantwortung erkannt und bieten mit dieser
    Aktion eine attraktive Möglichkeit für Finanzbildung an Schulen!

    Viele Grüße vom Vermögensberater aus Bad Waldsee
    Tobias Kugler

  9. Markus Sliwka, 21. Juni 2011 um 14:23 Uhr

    Sehr geehrter H. Herzog,

    bevor ich mich zu Ihrer Aussage äußere, kurz zu mir: Ich habe gleich nach dem Abitur ohne Studium und ohne irgendeine Ausbildung bei der DVAG begonnen. Nachdem ich zwei Monate VM war, wurde ich zum VBA umgestuft. Weitere 3 Monate später bin ich als AL in den Hauptberuf gegangen. Seither berate ich Kunden und bilde Mitarbeiter aus.

    Ich gehöre also zu den Vermögensberatern, von denen Sie behaupten, dass wir ohne (externe) Ausbildung und ohne (externe) Prüfung nicht in der Lage wären, kundenorientiert zu beraten.

    Ich habe mir erlaubt, mit meinem Fachwissen, dass ich logischerweise ausschließlich durch das Ausbildungssystem der DVAG erhalten habe, sowohl ein Betriebswirtschafsstudium, sowie eine Ausbildung bei der IHK zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen zu absolvieren.

    An dieser Stelle nur so viel dazu:

    Bereits nach der ersten Vorlesung Rechnungswesen bin ich zum Professor gegangen und habe ihn auf Fehler in seiner Vorlesung hingewiesen, der er anschließend sofort in seinem Manuskript verbesser hat.

    In der mündlichen IHK-Prüfung, wurde eine Prüfungsaufgabe auf meinen Einwand hin, dass diese nicht der Prüfungsordnung entspricht, von der Prüfungskommission zurückgezogen. Eine weitere Aufgabe musste von der Prüfungskommission während der Prüfung abgeändert werden, da sie einen grundlegende Fehler enthielt, den ich bemerkte.

    Wenn mein, durch das Ausbildungssystem der DVAG erworbenes Fachwissen ausreicht, Fehler im Lehrstoff zu finden, wird es sicherlich auch ausreichend sein, Kunden optimal zu beraten. Und dies umso mehr, als dass die DVAG ausschließlich staatlich überwachte Produkte im Angebot hat.

    Übrigens: Neben mir hat mehr als ein Drittel der teilnehmenden VermögensberaterkollegInnen ebenfalls die mündliche Prüfung mit einer 1 bestanden. Und mit einer 2,7 war die schlechteste Note immer noch besser als der Bundesdurchschnitt bei dieser Prüfung.

    Sie sehen also: Mit einer Ausbildung zum Vermögensberater bei der DVAG hat man allerbeste Voraussetzungen, sowohl Kunden optimal zu beraten, als auch neue Vermögensberater hervoragend auszubilden.

  10. Michael Miedl, 21. Juni 2011 um 16:21 Uhr

    Hallo liebe Blogger,

    ich komme gerade von einem Investmentforum aus Frankfurt. Informationen u.a. von Dr. Asoka Wöhrmann (CIO der DWS) und Top-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen. Hervorragende Einblicke in die aktuelle finanzielle Situation in und auf der Welt werden auch diesmal wieder weiterhelfen, kompetente Lösungen für meine Kunden zu finden.
    Schade, dass uns Vermögensberatern immer wieder unterstellt wird, keine ordentliche Aus-/Weiterbildung zu bekommen.
    Aber oben schreibender “H. Herzog” hat sicherlich auch schon mal eine Fachzeitschrift am Kiosk gekauft, um kompetente Entscheidungen zu treffen. 😉
    Der österr. Politiker Wolfgang Schüssel meinte dazu:
    “Wer mit einem Finger auf andere zeigt, soll nicht vergessen, dass dabei drei Finger wieder auf einen selbst zurückzeigen.”

    Viele Grüße aus Schönwald in Oberfranken

    Michael Miedl