Altersarmut

27. April 2011 | 1.252 mal gelesen

Bedrückend liest sich ein Beitrag im Handelsblatt mit der Überschrift: “Mit der Rente kommt die Armut” (hier als PDF downloadbar).

Zu Wort kommen Mitarbeiter der Bahnhofsmission Berlin, an die sich arme Menschen wenden, um Essen und Kleidung zu erhalten. Auffällig dabei: Gegen Ende des Monats ist der Zulauf besonders groß, denn dann kommen immer mehr Rentner, die von der Grundsicherung in Höhe von derzeit 600 Euro im Monat leben müssen und diese aufgebraucht haben.

2,4 Prozent der Rentner müssen heute mit dieser Grundsicherung auskommen. Die Prognose: Bereits im Jahr 2025 wird es jeder zehnte Rentner sein. Betroffen werden vor allem diejenigen sein, die im Arbeitsleben sehr niedriges Einkommen erzielt und/oder lange Ausfallzeiten ohne Beitragszahlungen in die GRV aufzuweisen haben. Denn hier liegen die angesammelten Rentenansprüche unterhalb der Grundsicherung.

Und da genau auch dieser Personenkreis im Regelfall nicht in der Lage sein wird, während des Arbeitslebens angemessen privat vorzusorgen, lässt sich die Gesamtthematik vermutlich tatsächlich nur politisch lösen:

“Künftig droht deutlich mehr Altersarmut. Die zentrale rentenpolitische Aufgabe in dieser Legislaturperiode besteht darin, eine Antwort auf dieses wachsende Risiko zu finden”,

so Prof. Bert Rürup, ehemaliger Chef der Wirtschaftsweisen im Handelsblatt.


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Kommentare für diesen Artikel (12)

  1. Andreas Eswein, 27. April 2011 um 09:26 Uhr

    40 Jahr gearbeitet – 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und dennoch nur eine Rente die zum leben zu wenig und zum sterben zu viel ist.
    Ein Harz IV Empfänger der 40 Jahre nicht gearbeitet hat erhält das gleiche Geld – traurig aber so ist es leider. Die Politik hat es verschlafen.
    (Leistung sollte sich wieder lohnen)

    Exklusive Grüße
    DANKE

  2. Hans Peter Müller, 28. April 2011 um 07:46 Uhr

    dumm nur, dass dann die Leistung einer Riester-Rente auf die Grundsicherung angerechnet wird

  3. Tobias Bartelt, 28. April 2011 um 16:18 Uhr

    @ Hans Peter Müller

    Hat jemand etwas anderes behauptet?

    MfG Tobias

  4. JoachimTrapp, 29. April 2011 um 07:07 Uhr

    @ Hans Peter Müller
    Ich sage es immer wieder:

    Die Frage ist nicht in 20 oder 30 Jahren ob irgendwelches privates Vermögen oder regelmäßige Leistungen auf eine Grundsicherung angerechnet wird, sondern ob der Staat überhaupt noch in der Lage sein wird solche sozialen Leistungen wie z.B. eine Grundsicherung zu erbringen !!!
    Also aufwachen bitte.

    Viele Grüße
    Joachim Trapp

  5. Hans Peter Müller, 29. April 2011 um 07:14 Uhr

    Wenn jemand der als Namensgeber einer Rentenvorsorge gilt von Altersarmut und rentenpolitischem Druck redet, dann sieht man mal, was es für “helle Köpfe” als Experten und Politiker in Deutschland gibt.

  6. JoachimTrapp, 29. April 2011 um 07:15 Uhr

    @ all

    Merke:

    Zu viel Rente kann man nie haben, zu wenig aber immer 😉

    Viele Grüße
    Joachim Trapp

  7. Thomas Lange, 29. April 2011 um 10:05 Uhr

    Das ist das “typische” Argument der privaten Versicherungswirtschaft. “Wird der Staat in der jetzigen Form noch Grundsicherung leisten.” Irgendwie ja auch verständlich.

    Ich stelle mir aber gerade bei der steigenden Masse an Minijobbern und Geringverdienern die Frage, was die überhaupt erreichen können, wenn sie sich vielleicht monatlich, so sie denn können, 25 EUR vom Munde absparen und mit 65 eine Rente von 100 – 150 EUR rauskommt.

    Davon kann man auch nicht leben und da trifft nicht einmal der Spruch zu: “Zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel.”

    Der Karren ist im Dreck und so schnell kommen wir da nicht raus. Wir lachen heute noch über bettelnde Menschen in Russland oder Rumänien. Warten wir mal ab, was das bei uns noch wird.

  8. Wolfgang Reinhardt, 29. April 2011 um 11:20 Uhr

    Naja, lachen tun wir ja nicht unbedingt, oder?

    Andererseits ist es auch das typisch deutsche Angstverhalten, den Kopf in den Sand zu stecken, und das System zu beklagen.

    Es kann doch nicht sein, Riestersparen mit dem Argument abzulehnen, das Ersparte werde irgendwann mit der Grundsicherung verrechnet. Ist es eine Alternative, die Hände in den Schoß zu legen, und auf den Staat zu warten?

    Was ist mit dem Leistungs- und Aufstiegswillen, der unser Land nach dem 2. Weltkrieg zu einer der führenden Wirtschaftsnationen gemacht hat? Sind wir mit der Verteilungspolitik schon so weit fortgeschritten, dass Aufstieg und Leistung als Teufelszeug betrachtet wird?

    Diese Fragen richten sich vor allem an die Leser außerhalb der DVAG, denn in unserem Unternehmen kommt das Erwirtschaften vor dem Verteilen!

  9. Joachim Trapp, 30. April 2011 um 21:40 Uhr

    @ Thomas Lange

    Das ist kein typisches Argument von der Versicherungswirtschaft:
    Das ist meine Überzeugung !

    Dies unterlege ich mit den Zahlen (Ausgaben, Quoten, Verschuldung) unseres Bundes, der Länder und der Komunen.

    Viele Grüße
    Joachim Trapp

  10. Jürgen Z., 5. Juli 2011 um 07:49 Uhr

    Zitat:

    “Danach sind immer mehr alte und kranke Menschen auf staatliche Sozialleistungen angewiesen. “Auf Deutschland rollt eine Welle der Altersarmut zu”, sagte Linken-Chef Klaus Ernst der “SZ”. “Wenn die Renten weiter in dem Tempo sinken, dann liegt die Durchschnittsrente in zehn Jahren unter der Grundsicherung.”

    Ouelle:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,772372,00.html

    Sehr sehr nachdenkliche Grüße,

    Jürgen Z.

  11. Thomas Lange, 5. Juli 2011 um 10:01 Uhr

    Ich glaube, dass Herr Ernst Recht hat. Die derzeitige Koalition und die Oppositionsparteien leugnen dieses Problem immer oder spielen es herunter. “Noch leben nur xy Prozent der DERZEITGEN Rentener von Grundsicherung.” Nur diese Zahl wird permanent steigen. Ich gehe selbst arbeiten und verdiene leider nicht viel. Ich jammere nicht, aber wenn ich meinen jährlichen Rentenbescheid sehe, dann wird mir Angst und Bange. Mit dem bisschen, was ich kann, sorge ich privat vor. Ich wäre dafür, dass man die Leute, die Sorge tragen, diese private Vorsorge später nicht auf die Grusi, so es diese dann noch geben sollte, anrechnet.

  12. Joachim, 27. Juli 2011 um 18:22 Uhr

    Das Thema ist auch der inzwischen (noch nicht überall) bekannte 40-40-40 Club.
    40 Jahre arbeiten – mit 40 Stunden pro Woche – und mit 40% der letzten Bezüge in Ruhestand. Bei Selbständigen können die Werte schon mal anders (meist ungünstiger liegen)
    Kleines Video dazu hier: http://bit.ly/reIEDh
    Gruß, Joachim