Zoll als Inkassounternehmen

17. März 2011 | 681 mal gelesen

Erstaunliches berichtet die WELT AM SONNTAG vom 13. März 2011.

Rund 5 Prozent aller Mitglieder der Krankenkasse DAK zahlen ihre Zusatzbeiträge nicht. Macht insgesamt Außenstände in Höhe von 21 Millionen Euro, Tendenz schnell steigend.

Nachdem Mahnschreiben und Zahlungsaufforderungen nicht helfen, sollen nunmehr Zollbeamte die ausstehenden Beiträge – nach Manier eines Inkassounternehmens – eintreiben.

Das wird teuer. Und unter dem Strich beginnt sich das zu bewahrheiten, was vorhersehbar war: Die Einbehaltung der Krankenkassenbeiträge im Lohnabzugsverfahren ist mit Blick auf die damit verbundenen Verwaltungsaufwendungen hocheffizient. Mit dem System der Zusatzbeiträge wurde dieser Weg verlassen, mit der Notwendigkeit des Aufbaus komplexer und teurer Inkassoverfahren. Und auch die müssen letztendlich im Umlageverfahren wieder über die Beiträge refinanziert werden. Und dabei bräuchte das gesamte System alles, nur nicht noch höhere Kosten.


Kommentare für diesen Artikel (11)

  1. Tobias Kugler, 17. März 2011 um 10:07 Uhr

    Erstaunlich wie hier leichtfertig mit fremden Geldern umgegangen wird…

    Auch die “Sozialwahl” ist hier ein Paradebeispiel… wenn man von 50 Millionen Wahlberechtigten ausgeht und ein Brief mit Rückumschlag (inkl. Druck usw.) nur 1 € kosten würde, dann wären das 50.000.000 €, die in meinen Augen unnötig waren.

    Dieses Geld wäre sinnvoller für die Rente zu verwenden!

    Oder sehe nur ich das so?

    Viele Grüße

  2. Cüneyt Erdin, 17. März 2011 um 11:33 Uhr

    Warum “erstaunlich”???
    Es war doch vorhersehbar, daß (um es vorsichtig auszudrücken) das eine oder andere 🙂 Mitglied diesen Zusatzbeitrag nicht leisten kann. Auch war vorhersehbar, daß es sicherlich auch das eine oder andere Mitglied gibt, welches diesen Zusatzbeitrag nicht leisten will und daher auch nicht wird (bis sich “Inkasso” meldet).
    Als ich im Kreise von einigen Kollegen vom Zusatzbeitrag erfuhr, schoß mir sofort dieser Gedanke durch den Kopf. Und ich war damit sicherlich nicht der Einzige.

    Fakt ist, daß die Beiträge für die GKV weiter steigen werden, die Frage ist nur, auf welchem Weg diese Beiträge eingezogen werden. Auf dem Weg des Zusatzbeitrages klappt es ja nun einmal nicht so gut wie beim bisherigen Weg “Lohnabzugsverfahren”. Dieser ist sicherlich der Sicherste und Einfachste für alle Beteiligten, wie die Vergangenheit zeigte.
    Jedoch auf z. B. 16%, dann 17% und auch irgendwann auf 18% (und evtl. noch weiter) zu erhöhen ist sicherlich für die Politiker nicht so einfach durchzusetzen, man hat ja unter anderem auch Angst, Wähler zu verlieren. Wähler, die leider nicht an Gemeinschaft/Solidarität denken, sondern an ihr eigenes Geld. Ist aber auch irgendwie verständlich. 😉

    Dagegen stellt sich mal wieder die Frage, ob es dann lieber so bleiben soll, wie bisher, oder ob man nun doch weitere Möglichkeiten ausprobiert. Sicherlich ist es eine Möglichkeit, die Beiträge und auch die entsprechenden Leistungen der GKV auf ein Minimum abzusenken (Basis) und es dem Bürger selbst zu überlassen, ob er sich dann freiwillig weitere Leistungen einkaufen möchte oder nicht.
    Wer sich den Markt im Bereich der Zusatzkrankenversicherungen anschaut, sieht dieses doch schon. Es gibt zwar noch viele, die sich nichts eingekauft haben, aber es gibt immer mehr Bürger, die sich weitere Leistungen für Zahn, Krankenhaus, Heilpraktiker usw. selber einkaufen, um in diesem Bereich abgesichert zu sein. Und diese Gruppe wächst von Tag zu Tag, weil die Notwendigkeit immer mehr gesehen wird.

    Und genau dieser o. g. Wähler würde meiner Meinung nach eher dazu bereit sein (ok, sicherlich nicht alle, aber viele bzw. die meisten), eine Basisabsicherung über das Lohnabzugsverfahren zu erhalten und seine eigene von ihm selbst gewünschte Zusatzabsicherung sich selbst (also individuell) zusammenzustellen.

    Fazit: Alle Anzeichen sprechen für ein scheitern des “Zusatzbeitrags”.
    Frage: Was kommt danach?
    – Back to the roots und den Beitrag hoch auf 16% / 17% / 18% usw…?
    – Basisabsicherung und Rest zukaufen?
    – GKV ganz weg, nur noch Privat?
    – die sog. “Bürgerversicherung”, die von vorneherein von den meisten nicht gewünscht ist?

  3. Norbert Balzer, 17. März 2011 um 23:04 Uhr

    Vielleicht kann die Bundeswehr dann die “Riester Rente” verteilen und der Bedarf wird vom BND ermittelt.

  4. Norbert Balzer, 17. März 2011 um 23:05 Uhr

    Anmerkung, hat ja auch etwas mit Sicherheit zu tun.

  5. Tobias Bartelt, 18. März 2011 um 09:06 Uhr

    Wobei mir persönlich die Variante “GKV ganz weg, nur noch Privat” am besten gefallen würde. Wenn ich richtig informiert bin, dann gibt es in der Schweiz doch quasi gar keine Sozialversicherungen und es funktioniert trotzdem. Oder?

    MfG

    Tobias Bartelt

  6. Martin Welz, 18. März 2011 um 09:34 Uhr

    Es kann nur eine langsame Veränderung geben, das von Herrn Bartelt gewünschte Modell, schnell umgesetzt, würde einen großen Teil unserer Gesellschaft ohne Krankenversicherung lassen.

  7. Tobias Bartelt, 18. März 2011 um 10:12 Uhr

    @ Hr. Welz.

    Das ist mir auch bewusst. Allerdings wäre es meiner Meinung nach die richtige Richtung wenn die Regierung darauf hinarbeiten würde.

    Man könnte zum beispiel hingehen und sagen, das die GKV in X Jahren komplett vom Markt genommen wird. Ob X dann 5, 10 oder sogar 20 jahre sein sollen, das ist natürlich wieder eine andere Frage.

    MfG

    Tobias Bartelt

  8. Steffen H., 18. März 2011 um 10:41 Uhr

    @Cüneyt Erdin

    Wollen die Bürger wirklich in der Mehrheit keine Bürgerversicherung? Ich würde diese Variante begrüßen. Alle zahlen unabhängig vom Einkommen in einen Topf ein und wer dann besseren Schutz möchte, der kann sich extra versichern. Mir stoßen weniger die Selbstständigen und Freiberufler auf, welche sich privat versichern können – sollen die das so lassen. Mich regt der Sonderstatus der Beamten auf, welche mit meinen Steuergeldern finaziert werden. Mit welchem Recht, zahlt diese Berufsgruppe nicht in die gesetzliche Renten-, Pflege- und Krankenversicherung ein? Warum haben die gerade bei der gesetzlichen Sozialversicherung einen solchen Status?

    @Tobias Bartel

    Es gibt auch in viele europäischen Ländern den gesetzlichen Mindeslohn und es funktioniert trotzdem. 🙂

    Ich sehe das Problem bei der ganzen privaten Vorsorge darin, dass gerade die Privaten immer Gesundheitsfragen stellen und somit eine nicht unerhebliche Zahl an Bürgerinnen und Bürgern von vornherein außen vor sind.

    Vor einiger Zeit lief bei N-TV oder N24 ein Bericht zur Berufsunfähigkeit. Es wurde eindrucksvoll herausgestellt, dass doch die Menschen vorsorgen sollen. Anhand von schönen, bunten Skizzen und Grafiken wurde verdeutlicht, was fehlt. Was allerdings nicht dazu gesagt wurde, war, dass bekannte Problem der Gesundheitsfragen. Dazu wurde überhaupt nicht eingegangen. Frei nach dem Motto: Macht mal eine BUZ, denn alle bekommen die ohne Probleme. In meinen Augen ist sowas Hohn. Ich habe 3 schwerwiegende Erkrankungen und das einzigste was ich bekommen habe, war eine Unfallversicherung.

    Keine BUZ, keine Risikoleben, keine Pflegezusatz … ich möchte dem Staat nicht auf der Tasche liegen wenn ich mal wirklich in Not bin. Darum möchte ich vorsorgen, aber es ist mir nicht möglich. Und für meine Krankheiten kann ich leider nichts. Man ist halt außen vor und darum sehe ich das mit der Diskussion “privat” mehr als kritisch, weil ich die Befürchtung habe, dass sowohl ich, als auch viele andere auf der Strecke bleiben werden.

  9. Tobias Bartelt, 18. März 2011 um 12:14 Uhr

    Ich verstehe natürlich ihre Argumente Hr. H. und dazu ist mir auch vor einiger Zeit eine Idee gekommen. Wenn man einen, ich sage jetzt mal in Ermangelung eines besseren Begriffs, Härtefall wie sie hat, und das ist jetzt in keinster Weise abwerten oder beleidigend gemeint, schließlich können sie ja, wie sie selbst schon sagten nichts dafür, dann müsste quasi ein Basistarif existieren, der in etwa die Leistungen der GKV hat, damit sie nicht ganz ohne Schutz dastehen.

    Man muss sich auch damit abfinden, das man nicht alle zufrieden stellen kann. Ich persönlich finde es auf gut deutsch blöd, das ein Angestellter mit einerm Einkommen von ca. 40.000 € p.a. nicht in die PKV kann, weil im der Gesetzgeber das verbietet.

    Wenn man jetzt aber die Einkommensgrenze quasi löscht und alle gesunden dann schnellstmöglich in die PKV wechseln dann kollabiert die GKV, weil sich dann eben nurnoch die in der GKV sind, die nicht in die Private kommen.

    Wenn man die GKV jetzt aber quasi vom Markt nimmt und dann alle Bürger zu den PKV wechseln, dann haben wir mehr oder minder wieder alle Bürger in einem Topf, mit dem Unterschied, das sich jeder die Leistungen die er möchte über den Tarif eben sichern kann.

    MfG

    Tobias Bartelt

    P.S. Ich bestehe auf das t am Ende meines Nachnamens. Danke. 🙂

  10. Cüneyt Erdin, 18. März 2011 um 19:47 Uhr

    @ Steffen H.

    Genau kann ich Ihre Frage natürlich nicht beantworten, da ich nicht alle Bürger/innen gefragt habe 😀 , aber in meinen Gesprächen über dieses Thema habe ich dieses immer wieder festgestellt. Ich muß aber auch dazu sagen, daß diese Einstellung meiner Meinung nach mit Unwissenheit der Bürger/innen zu tun hat. Hier müsste es mehr Aufklärung seitens des Gesetzgebers geben. Aber zuvor muß dieser sich natürlich endlich mal für einen zukunftsfähigen Weg entscheiden. Der jetzige scheint ja nicht zukunftsfähig zu sein.

    Ich finde das Modell der Basisabsicherung (Minimalabsicherung) für jeden für das gleiche Geld ganz gut. Könnte eine Lösung sein. Über den Basistarif hinaus könnte eben jeder Leistungen hinzukaufen.
    Natürlich haben Sie Recht mit Ihrer Argumentation, daß die Privaten je nach Gesundheitszustand Zuschläge erheben, oder sogar ablehnen und Sie mit Ihrem Fall (nicht abwertend gemeint) benachteiligt wären.

    Die Ideee von Herrn Bartelt hatte ich auch einmal so ähnlich. Es könnte sich also jeder, der nicht in die Private kommt, zur Basisabsicherung eine Art GKV-Tarif ohne Gesundheitsfragen hinzukaufen (evtl. auch über einen privaten Anbieter), wenn er/sie möchte. Das Problem würde hierbei aber wohl wieder die Finanzierung sein. 🙁 Logisch, denn wenn dort “nur” noch Menschen drin sind, die mehr Leistung erhalten, als sie zahlen…. Sie wissen, was ich meine…..

    Ja, das ist alles nicht so einfach…. 🙂

  11. Tobias Bartelt, 21. März 2011 um 09:07 Uhr

    Genau das war mein Gedanke. Ein Tarif mit den aktuellen GKV-Leistungen, quasi ein Einsteigertarif, bei einem privaten Anbieter. Die, die diesen Tarif nehmen müssen, werden dann zwar von den anderen Versicherten, die nicht so schwer krank sind getragen, aber anders ists ja in der Sozialversicherung auch nicht, oder?

    MfG

    Tobias Bartelt