DVAG zu Unisex-Tarifen

2. März 2011 | 894 mal gelesen

Auweia!

Das wird den Aktuaren der Versicherungsunternehmen ordentlich Arbeit machen: Das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofes, nach dem ab Anfang 2013 Versicherungstarife, die in die Prämienkalkulation das Tarifierungsmerkmal Geschlecht einbeziehen, unzulässig sind.

Aus Gründen der Gleichbehandlung nachvollziehbar. Rein versicherungstechnisch fragwürdig, denn erweist sich ein Merkmal statistisch trennscharf, sollte es bei der Prämienkalkulation Berücksichtigung finden.

Unabhängig von der Frage ob richtig oder falsch: Zu was wird das führen, wenn alle Versicherungstarife auf “Unisex” umgestellt werden?

Beispielsweise werden Rentenversicherungen und Private Krankenversicherungen mit Unisex-Tarifen für Frauen aufgrund der bisher einkalkulierten höheren Lebenserwartung günstiger, für Männer teurer. Dagegen dürften Kfz-Versicherungen für Frauen eher teurer werden. Denn statistisch verursachen Frauen weniger Unfälle als Männer, subventionieren also bei Unisex-Tarifen die Schadenkosten der Männer.

Noch fehlen die Ausführungsbestimmungen zum Urteil.

Fest steht aber: Sollte sich dieses nur auf neue Tarife beziehen, die ab 01.01.2013 angeboten werden, wird das Jahr 2012 bei einigen Produkten zu einem echten Schlussverkauf werden. Denn die Kunden, die von der geschlechtsabhängigen Tarifierung heute profitieren, werden sich diese Vorteile sichern, solange es sie noch gibt. Diejenigen, die benachteiligt sind, werden mit Neuabschlüssen bis 2013 warten.

Und bezieht sich die Regelung auch auf den Bestand, dann wird sich so mancher Versicherungskunde ziemlich über die Höhe der ersten Prämienrechnung im Jahr 2013 wundern. Die eine Hälfte so… 🙁 , die andere so… 🙂


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Kommentare für diesen Artikel (6)

  1. Stephan Peters, 2. März 2011 um 14:46 Uhr

    Im Sinne der Gleichbehandlung der Geschlechter wird in den nächsten Jahren noch viel passieren, spannend wird es allemal… ob so 🙂 oder so 🙁
    Und wem die Beiträge in der KFZ dann zu teuer werden, kann als Hauptberufliche Vermögensberaterin/ als Hauptberuflicher Vermögensberater bei der Nummer 1, der Deutschen Vermögensberatung tätig werden. Dann gibts einen extra Nachlass auf den eigenen KFZ-Vertrag, die Altersvorsorge wird bezahlt, die Risikolebensversicherung auch, das Krankenhaustagegeld auch… uvm. auch. Welche Firma zahlt das schon.?!

  2. Peter Frey, 4. März 2011 um 22:48 Uhr

    Bei den Riestertarifen fand ich das schon Quatsch. Die sollten gleich noch dazu per Gesetz vorschreiben, dass jeder Mann und jede Frau zu festgelegten Zeitpunkten mit bestimmten Diagnosen krank sein darf und zu einem für beide Geschlechter identisch festgelegten Zeitpunkt vom Recht auf Ableben Gebrauch machen müssen.
    Ich Frage mich dann nur , wieso Frauen im gleichen Beruf oft immer noch weniger verdienen als Männer? 
    Dies gilt zwar nicht für Vermögensberaterinnen bei der Deutschen Vermögensberatung, aber leider noch in viel zu vielen anderen Bereichen.
    Was kommt als nächstes? Unterschiedliche Risiken kosten eben unterschiedlich viel, und wenn Frauen länger leben ist Rentenvorsorge teurer, die Todesfallabsicherung dafür günstiger als bei Männern.
    Da stellt sich mir die Frage, was ist gerecht? Was habe ich als Mann davon, wenn ich in eine Rentenversicherung mehr einzahlen muss, im Verhältnis weniger heraus bekomme und dafür dann auch noch früher sterbe????? Das ist doch paradox.

  3. Frank Schmidt, 5. März 2011 um 11:35 Uhr

    Unisex, das find’ ich klasse.

    Müssen dann nicht auch junge Fahranfänger genau so behandelt werden, wie Fahranfängerinnen. 🙂

    MfG
    Frank Schmidt

  4. Wolfgang Reinhardt, 5. März 2011 um 13:55 Uhr

    Dieser ganze Gleichbehandlungskram ist langsam unerträglich. Wo hört das auf? Wir brauchen definitiv einen Männerbeauftragten im Bundestag!

    Emanzipierte Grüße aus der Hauptstadt!

  5. AS-Club'er, 6. März 2011 um 15:17 Uhr

    @ Frank Schmidt

    seh ich genauso,

    Aber gibt es nicht auch ein Altersdiskriminierungsgesetz..? Dann bin ich mal auf die ersten Klagen gespannt, wenn ein 58-jähriger in der Kranken- oder Lebensversicherung die selben Prämien zahlen will, wie ein 25-jähriger.

    In der FTD.de schreibt ein Kommentator:

    “Bis in die 80-er Jahre gab es bei der Kapitallebensversicherung, die einen Risikoschutz gegen Todesfälle enthält, übrigens Einheitstarife – basierend auf der Sterblichkeit der Männer. Die Frauen zahlten damals bei ihrer geringeren Sterblichkeit also mehr als nötig, wenn man die heutige Betrachtung der Assekuranz anlegt.”

    Allerdings verkennt der Schreiberling dabei, dass heute (und nicht nur wegen der geänderten Sterbetafeln) ein Mann nur ein Bruchteil von dem Beitrag bezahlt, wie in den 80iger Jahren.
    Wenn Riskien (nachweislich) mit dem Alter, Geschlecht oder anderen feststehenden Umständen zu tun haben, so kann eine Versicherung nur dann funktionieren, wenn diese Faktoren auch EInfluss in die Kalkulation finden dürfen. Alles andere Widerspricht dem Grundgedanken einer risikogerechten Prämie. Und diese hat ja schliesslich der Kudne zu zahlen und nicht der EuGH.

    Was ich persönlich recht interessant finde, ist, dass der Euopäische Gerichtshof als Datum der Umsetzung den 21.12.2012 bestimmt hat. Ausgerechent dass Datum, welches die Mayas bereits vor über 5.000 Jahren als den “Weltuntergang” bezeichent haben.
    Na dann lassen wir uns mal überraschen . . . . grinzzzzzz 😉

  6. Jürgen Schnitzler, 8. März 2011 um 14:53 Uhr

    Es wird doch nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

    Zitat aus der Süddeutschen (aus dem Bericht zum Urteil, Link weiter unten):
    “Die EU habe sich das Ziel gesetzt, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern. Das Gericht verwies auf die EU-Gleichstellungsrichtlinie von 2004, die geschlechtsneutrale Prämien schon von 2007 an verlange und eine Überprüfung nach fünf Jahren – also Ende 2012 – vorsehe. Ausnahmen seien nur erlaubt, wenn das Geschlecht ein “bestimmender Risikofaktor” ist und dies durch versicherungsmathematische und statistische Daten untermauert werden kann.”

    Diese versicherungsmathematisch-statistischen Nachweise sollten ja wohl nicht sooo schwer zu führen sein…
    Link: http://bit.ly/fIW6bp

    Herzliche Grüße

    Jürgen Schnitzler