Lernen aus der Finanzkrise

7. Februar 2011 | 956 mal gelesen

Ganz ausgestanden ist sie noch nicht, die jüngste Finanzkrise. Denn immer noch sind einige Banken unter staatlicher Kontrolle und mehrere Landesbanken des Sparkassensektors wackeln noch mächtig.

Dennoch ist es mit etwas zeitlichem Abstand inzwischen gut möglich, das Ursachengeflecht, das zur Finanzkrise führte, zu überschauen.

Diesen Versuch macht die Börsen-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 3. Februar 2011 (Seite 6) mit einem sehr lesenswerten Beitrag.

Als Hauptursache wird dort ein künstlich niedrig gehaltener Zinssatz ausgemacht, der bei vielen Anlegern und Kreditnehmern das Risikobewusstsein weitgehend ausgeschaltet hat. Private Haushalte haben sich über Maßen verschuldet, um sich den finanziell eigentlich gar nicht darstellbaren Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Und institutionelle Anleger haben sich mit billigem Geld verschuldet, um in vermeintlich rentable Anlagen zu investieren, ohne dabei das Risiko dieser Anlageformen hinreichend zu bewerten.

Genauso wichtig wie der Blick zurück ist bei einer solchen Analyse der nach vorne: Wann korrigieren die Zentralbanken die immer noch viel zu niedrigen Zinsen? Nach Auffassung der Börsen-Zeitung wäre dies dringend geboten.


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Kommentare für diesen Artikel (4)

  1. Eckhard Stephan, 7. Februar 2011 um 11:37 Uhr

    Lieber Herr Dr. Lach, die Auffassung der Börsenzeitung ist kalter Kaffee. Will sagen: Ein moderate Erhöhung der Leitzinsen hätte schon längst einsetzen müssen. Allerdings ist die EZB mit ihrem geldpolitischen Latein am sprichwörtlichen Ende. Hält sie den Leitzins auf gegenwärtigem Niveau widerspricht sie ihrem Generalauftrag, nämlich die Preise stabil zu halten. Erhöht sie den Leitzins, dann wäre das Beeinträchtigen der konjunkturellen Erholung in der Eurozone mit Sicherheit das kleinere Übel. Das überschuldete Europa würde schlichtweg in eine finanzökonomische und gesellschaftliche Katastrophe schlittern.
    Grüße aus Berlin vom Vermögensberater Eckhard Stephan

  2. , 7. Februar 2011 um 13:55 Uhr

    @Eckhard Stephan

    Sie haben Recht, den Artikel habe ich in erster Linie wegen der schlüssigen Argumentation empfohlen. Natürlich ist die Gesamtgemengelage schwierig, und so würde ein Zinsanstieg – wie Sie richtig ausführen – auch negative Folgen haben. Alle bedeutenden Industrienationen müßten im Gleichschritt handeln, aber das ist wohl Utopie.

  3. Nick Heilborn, 13. Februar 2011 um 22:49 Uhr

    @ Eckhard Stephan und Dr. Lach

    Genau so sehe ich das auch. Hatten die Notenbanken der großen Industrienationen z.B. in den 80er Jahren noch die Möglichkeit, relativ flexibel mit Zinsanpassungen auf die aktuellen Gegebenheiten zu reagieren, sind sie heute in ihrem Handlungsspielraum deutlich eingeschränkt!

    Allein bei der deutschen Staatsverschuldung in Höhe von 1.800 Millarden Euro, ergebe eine Erhöhung der Zinsen um zwei Prozent, eine Zusatzbelastung von 36.000.000.000 Euro pro Jahr! Und diese gewaltige Summe will ja schließlich wieder irgendwo gegenfinanziert werden.

    Und damit sieht die Lage in Deutschland ja noch verhältnismäßig “rosig” aus. Über die Auswirkungen einer solchen Zinserhöhung auf die sogenannten PIIGS-Staaten, wollen wir lieber garnicht erst reden…

    Es bleibt also spannend abzuwarten, wie die EZB in Zukunft damit umgehen wird. Ein möglicher Weg wäre sicherlich, eine verhältnissmäßig moderate Inflation über einen längeren Zeitraum zuzulassen, um nicht zuletzt auch die Schulden zu entwerten.

    Wie sagte schon Altmeister Kostolany: “Ein bisschen Inflation ist wie ein warmes Bad…”

    Mit besten Grüßen aus Hermsdorf
    Nick Heilborn

  4. Jochen Haller, 14. Februar 2011 um 00:21 Uhr

    In Anbetracht des Rückzuges Von Herrn Bundesbankpräsident stellen sich ja noch ganz andere Fragen: Wenn ein Machtmensch ,ähnlich wie mehrere andere vor ihm den Rücktritt wählen ,anstatt Ihren bisher sehr ehrgeizig verfogten Karriereintentionen zu folgen, dann muß der Fisch doch vom Kopf her sehr enorm stinken! Will sagen, daß Frau Merkel doch zunehmend weniger Einfluß auf den Lauf der Dinge ausüben kann- Weber war schließlich ihr Wunschkandidat für den EZB- Vorsitz. Was ist denn im Zeitplan der Euro-Zone so schief gelaufen,daß es die besten Kräfte- zumindest nach der Auffassung von Frau Merkel -aus der Verantwortungsübernahme treibt? Das Ganze ist ein Spiel am Bürger vorbei und dient der Aufgabe des tääglichen Vermögensberateer-Geschäfts überhaupt nicht!

    Mit freundlichen Grüßen

    Jochen Haller