40 °

21. Januar 2011 | 1.347 mal gelesen

37 °, so der  Titel einer immer exzellent aufbereiteten und hintergründigen Reportagenserie des ZDF.

Die am 18. Januar 2011 ausgestrahlte Sendung hätte besser die Überschrift 40 ° tragen müssen: Beschrieben wurde die Situation von zwei Ärzten, ein Landarzt, der sich gerne zur Ruhe setzen würde, und eine junge, angehende Herzchirurgin.

40 ° deshalb, weil die Sendung deutlich machte, auf was unser Gesundheitswesen zusteuert: Eine zumindest lokale, dafür aber umso heftigere Unterversorgung der Bevölkerung mit ärztlichen Leistungen. Denn das, was beiden Ärzten zugemutet wird, macht den Beruf, der einstmals zu den angesehensten überhaupt gehörte, zu einer der schlechtbezahltesten, arbeitsintensivsten, familienfeindlichsten und durch fortdauernde Gesundheitsreformen am meisten administrierten Tätigkeiten überhaupt.

Und dies bei einem Höchstmaß an Verantwortung für die Gesundheit der Patienten.

Das Zukunftsszenario wird immer deutlicher: Medizin wird auf Sicht zu einem Luxusgut, wenn sie überhaupt zu bekommen ist. Stellt die gesetzliche Krankenversicherung auskömmliche und ansprechende Arbeitsbedingungen für Ärzte nicht sicher und bleibt es bei einem viel zu geringen Anteil privat Versicherter, werden die Ärzte dazu übergehen müssen, Behandlungshonorare direkt beim Patienten zu vereinnahmen. Die Praxisgebühr ist ein Vorbote.


Kommentare für diesen Artikel (3)

  1. Harri Schultze, 21. Januar 2011 um 12:21 Uhr

    zufällig habe ich den Bericht auch gesehen und witziger Weise (oder eher trauriger Weise) bekam ich am nächsten Tag Post von einem Insolvenzverwalter, der auf Grund der Insolvenz der Praxis bei mir das privatärztliche Honorar für eine Behandlung Ende 2010 anfordert (und nicht wie bisher der Arzt selbst).

    Eindrucksvolles Beispiel und Beweis, dass die Situation tatsächlich so ist wie bei 37° berichtet. Allerdings wohne ich gar nicht in einem strukturschwachen Gebiet, sondern am dicht bevölkerten mittleren Niederrhein – 15km entfernt vom gut situierten Düsseldorf.

    Wer hätte denn vor wenigen Jahren gedacht, dass die Vokabel “Insolvenz” im Wortschatz eines Arztes überhaupt auftauchen könnte.

    Der betreffende Arzt hatte wohl den ein oder anderen Privatpatienten zu wenig 🙁

    Gruß vom Vermögensberater aus Willich
    Harri Schultze
    http://www.harri-schultze.de

  2. Ralf Cormaux, 21. Januar 2011 um 16:13 Uhr

    Habe gerade erst mit einem Kunden gesprochen, der für Zahnärzte und Dentallabore als Gerätemechaniker selbstständig tätig ist. Sein O-Ton: “Herr Cormaux, sie glauben gar nicht, wieviele Zahnärzte insolvent sind und ihre Rechnungen mir gegenüber nicht zahlen oder der Insolvenzverwalter die Rechnungen überweist.”

    Wirklich dramatische Entwicklungen.

    Dazu passt der Erfahrungsbericht von Harri Schultze.

    Ohne Privatpatienten geht es gar nicht mehr. Mein eigener Zahnarzt, bis vor wenigen Monaten noch alleine tätig, hat sich mittlerweile mit anderen Zahnärzten zusammengeschlossen, weil es nicht mehr wirtschaftlich tragbar für ihn war laut seiner Aussage.

    Gruß vom Vermögensberater aus Willich und Tönisvorst
    Ralf Cormaux

    http://www.cormaux.de

  3. Ronald Peter, 21. Januar 2011 um 17:17 Uhr

    Ja, sehr traurig für die Ärzte, aber für die Patienten nicht minder. Denn der gesetzlich Versicherte zahlt immer mehr Leistungen selbst und muss mehr und mehr überlegen, welche Behandlungen er sich leisten will und vor allem kann.

    Um so wichtiger wird es für den Berater, seinen Kunden auch Möglichkeiten zu zeigen, wie sie ihren Krankenversicherungsschutz auch als Kassenmitglied verbessern können. Aus der täglichen Praxis weiß ich, dass hier viele Nachholbedarf haben.

    Für freiwillig Versicherte lohnt sich gerade jetzt ein vergleichender Blick auf die Leistungen von Gesetzlicher Krankenversicherung und der Absicherung als Privatpatient (glücklicherweise haben sich ja auch die Wechselmöglichkeiten verbessert).

    Viele Grüße,
    Ronald Peter