Verbraucherschutz auf Abwegen

4. Januar 2011 | 994 mal gelesen

Es sollte den Verbraucher vor Falschberatung und deren Folgen schützen: das so genannte Beratungsprotokoll.

In einer Feldstudie wurde nun überprüft, wie Sparkassen und Banken “im wirklichen Leben” mit dem Beratungsprotokoll umgehen (s. Zeitschrift Finanztest vom 01.01.2011, Seite 20).

Die Ergebnisse sind erstaunlich, oder besser: ernüchternd.

In keinem der 61 analysierten Beratungsprotokolle wurden die finanziellen Verhältnisse des Anlegers und seine Risikobereitschaft festgehalten. Das Anlageziel und die bisherigen Anlageerfahrungen des Kunden wurden nur ganz selten dokumentiert. Und in keinem Protokoll wurden Provisionen / Abschlusskosten offengelegt.

Hingegen nutzten Sparkassen und Banken in 49 von 61 Fällen das Beratungsprotokoll dazu, sich durch Unterschrift des Kunden pauschal von der Haftung entbinden zu lassen.

Verkehrte Welt, meinen wir als DVAG. Oder: Verbraucherschutz auf Abwegen.


Kommentare für diesen Artikel (4)

  1. Jürgen Z., 4. Januar 2011 um 10:36 Uhr

    Hallo zusammen,

    ….. man stelle sich den “Aufschrei der Empörung” in der Öffentlichkeit und bei den “Verbrauverschützern” vor, wenn wir in unseren Beratungsprotokollen nicht angeben würden wieviel Kosten und Provisionen anfallen .

    [Ironie on ]

    Bei den Banken und Sparkassen ist das natürlch etwas anderes 😉

    [Ironie off]

    Verbraucherfreundliche Grüße,

    Jürgen Z.

  2. Wolfgang Stadler, 4. Januar 2011 um 16:13 Uhr

    Genaus diese Thematik habe ich hier bereits mehrmals angesprochen – das Beratungsprotokoll öffnet unseriösen Beratern und Instituten Tür und Tor, da der Kunde oft ungelesen einen Freibrief für den Berater und dessen Tun unterschreibt. Der Grundgedanke von Vater Staat, dass ein Bürger sich vor einer Entscheidung fundierte Gedanken machen sollte ist ja prinzipiell gut, aufgrund der Flut an Informationen, die bei Finanzentscheidungen übergeben werden aber kaum möglich. Wer kann sich schon in sämtliche Vertragsinfo´s einlesen?

    Ein Vorschlag von meiner Seite wäre eine Checkliste, die von einer unabhängigen Seite erstellt wird und dann gemeinsam besprochen werden kann. Ein Pilot geht vor jedem Start ja auch viele Checklisten durch, um nichts zu vergessen.

    Und was immer von größter Bedeutung ist: wer Finanzprodukte kauft, der vertraut dem Berater. Wer dieses Vertrauen ausnutzt, hat in der Branche nicht verloren. Protokoll hin, Protokoll her.

    mit verschneiten Grüßen aus dem Altmühltal

    Repräsentanz für Deutsche Vermögensberatung
    Wolfgang Stadler

  3. Marcel H. Costin, 5. Januar 2011 um 01:33 Uhr

    Hallo Welt,

    warum werden Verzichtserklärungen eigentlich nicht verboten und nur in ganz strengen, aufwendig gestalteten Ausnahmefällen (falls überhaupt) zugelassen? Diese dürften rechtlich gar nicht anerkannt werden… .

    *Protest!* 😉

    Mit besten Grüßen,
    Ihr/Euer Marcel H. Costin
    – Vermögensberater –

    Metropolregion
    Düsseldorf / Köln
    0177/7616059

  4. Joachim Trapp, 5. Januar 2011 um 11:10 Uhr

    @Marcel H. Costin

    Der gleiche Gedanke kam mir auch.
    Der Staat hat im Prinzip seine guten Absichten damit selbst wieder ausgehebelt in dem er Verzichtserklärungen zugelassen hat.

    Mich würde wirklich mal interessieren, in wieviel Fällen diese zur Anwendung kommt und ob in der Branche auch noch Anträge “durch rutschen” so ganz ohne irgend etwas…..

    Gut das unsere Partnergesellschaften keinen Antrag annehmen ohne angehängtes Beratungsprotokoll bzw. Risikoeinschätzung (Ausnahme; Sparbuch, Festgeld) !
    Mit einer Verzichtserklärung wird im übrigen der Antrag nicht angenommen und auch nicht policiert bzw. dokumentiert, sondern geht an den Berater als nicht vollständig zurück.

    Viele Grüße
    Joachim Trapp
    0172-3639007
    joachim.trapp@dvag.de
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