Beratung durch Banken

17. Dezember 2010 | 1.001 mal gelesen

Ein interessantes Beispiel für die Beratung durch Banken thematisierte das Versicherungsjournal in seiner Ausgabe vom 3. Dezember 2010.

Danach wurde einem Kunden zur Finanzierung einer selbst genutzten Eigentumswohnung ein endfälliges Darlehen in Verbindung mit einer Tilgungsaussetzungsversicherung verkauft. Der Fehler: Der Darlehensbetrag wurde mit der gesamten Ablaufleistung einschließlich Überschussbeteiligung gegenfinanziert.

Es kam, wie es kommen musste: Die Überschussbeteiligung erreichte bei Ablauf nicht die ursprünglich ausgewiesene Höhe, und so reichte die Ablaufleistung nicht aus, um das Darlehen in voller Höhe abzulösen.

Der Kunde klagte, weil nach seiner Auffassung ein Annuitätendarlehen für ihn die weit bessere Lösung gewesen wäre. Wäre er nicht selbst Steuerberater und damit sachkundig gewesen, hätte das Gericht ihm wahrscheinlich Recht gegeben.

Der Kunde mag insoweit Recht haben, als die gewählte Konstruktion wegen der steuerlichen Effekte (Abzugsfähigkeit der Darlehenszinsen) meist nur bei der Finanzierung fremdgenutzter Immobilien eingesetzt wird.

Viel wichtiger als die Finanzierungskonstruktion dürfte aber wohl sein, dass dem Kunden vom Banker in der Beratung offensichtlich nicht bewusst gemacht wurde, dass die im Angebot ausgewiesene Überschussbeteiligung keine garantierte Größe ist.


Kommentare für diesen Artikel (7)

  1. Harri Schultze, 17. Dezember 2010 um 09:34 Uhr

    Ich muss leider bestätigen, dass in fast jeder Finanzierung die ich bei Kunden finde, die mit endfälligem Darlehen mit Ersatztilgung in eine Lebensversicherung konstruiert ist, eine teils dramatische Deckungslücke besteht.

    Wer das früh genug erkennt und seine Finanzierung umstellt, der kann da noch einiges retten. In einigen Fällen muss aber auf Grund dieser zu spät erkannten Thematik deutlich länger finanziert werden, als das ursprünglich geplant war.

    In den Fällen, in denen die selbstbewohnte bezahlte Immobilie ein wesentlicher Bestandteil im Altersvorsorgekonzept ist oder war, ist das dann eine echte finanzielle Katastrophe.

    Also auch bei der Finanzierung gilt: Konzept schlägt Kondition!!!!
    Das falsche Konzept oder gar ein fehlendes Konzept führt zu einem deutlich höheren Schaden, als der ein oder andere Zähler hinterm Komma anrichten könnte.

    Oder anders gesagt:

    Die Kondition muss sowieso gut sein,
    die gute Beratung macht jedoch den Unterschied!

    Gruß vom Vermögensberater aus Willich
    Harri Schultze
    http://www.harri-schultze.de

  2. Claudia Müller, 17. Dezember 2010 um 14:31 Uhr

    Provision schlägt Qualität! Das steht bei solchen Konzepten, die von Banken und Sparkassen herangezogen werden, meist im Vordergrund. Abgesehen davon, dass so eine Art der Finanzierung, nicht für jeden Kunden ideal ist, muss der Berater/Banker/Sparkassenangestellte, ausser den Konditionen der Bank, auch über entsprechendes Fachwissen im Bereich Lebensversicherung verfügen. Meist ist das nicht vorhanden – sonst würde es sich ja um Allfinanz handeln… ;-).

  3. Delicija, 18. Dezember 2010 um 08:39 Uhr

    Eine Frage. Habe gerade einen Beitrag … Hinweis des Moderators: Der Kommentar wurde gelöscht, da keinerlei Bezug zum Blogbeitrag bestand.

  4. Harald, 18. Dezember 2010 um 10:32 Uhr

    Banken – Finanzierungen – und Bausparvertreter ???

    Immer wieder sehe ich bei den Finanzierungskonzepten von Banken und Sparkassen ein unsinniges Geflecht von Vorausdarlehen und Bausparverträgen welches nacher Ablauf der Zinsbindung stets neu aufgelegt wird.
    Da taucht doch die Vermutung auf dass es eigentlich nur darum geht den Kunden Jahrzente zu binden und auszusaugen. Die Immobilie ist letztendlich mit 65/67 immer noch nicht bezahlt.

  5. Jürgen Z., 27. Dezember 2010 um 08:28 Uhr

    Kontrolle von Finanzberatern
    Aigner schickt verdeckte Ermittler in Banken

    >> http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,736623,00.html <<

    Ob´s was nützt ?

    Freundliche Grüße,

    Jürgen Z.

  6. Claudia Müller, 27. Dezember 2010 um 15:53 Uhr

    Frau Aigner läuft Amok… ;-). Hoffentlich werden die verdeckten Ermittler nicht vom Verbraucherschutz ausgebildet.

  7. Nick Heilborn, 11. Januar 2011 um 22:35 Uhr

    @ Harald

    Das sind auch meine persönlichen Erfahrungen aus unzähligen Beratungsgesprächen. Der Banker kann einem im Grunde allerdings fast genau so leid tun, wie der Kunde selbst. Denn er muß ja in seiner Eigenschaft als Angestellter die Verkaufsvorgaben seines Vorgesetzten erfüllen. Da bleibt das Kundeninteresse schon mal auf der Strecke… schade.

    Nick Heilborn