Abwicklung als Geschäftsmodell

16. November 2010 | 848 mal gelesen

Man möchte es kaum glauben: Versicherungsbestände, die abgewickelt werden und kein Neugeschäft mehr annehmen, werden am Kapitalmarkt höher bewertet als “lebende” Bestände mit Neugeschäft. So das Versicherungsjournal in seiner Ausgabe vom 05.11.2010.

Das Thema ist derzeit insoweit interessant, weil zunehmend einzelne Versicherer den Anforderungen des Marktes nicht mehr gewachsen sind und deshalb Konkurs anmelden oder einzelne Sparten schließen müssen.

Warum aber sind solche Abwicklungsbestände mehr wert?

In der Schadenversicherung wohl auch deshalb, weil in der Schadenregulierung die Zufriedenheit des Kunden keine Relevanz mehr hat. Schäden können deshalb “rigider” abgewickelt werden, was zu niedrigeren Schadenkosten und damit zu höherem Abwicklungsgewinn führt. Das Versicherungsjournal bezeichnet das als “aktives Schaden-und Streitfallmanagement”.

In der Lebensversicherung können Abwicklungsgewinne zum Beispiel aus stillen Reserven entstehen, aber auch daraus, dass Versicherungsleistungen gar nicht in Anspruch genommen werden, was z.B. bei Sterbegeldversicherungen durchaus häufiger vorkommt. Auch hier muss der Versicherer im Grunde keine Rücksicht mehr auf die Kundenzufriedenheit nehmen und kann deshalb die Überschussbeteiligung tiefer ansetzen als ein Versicherer, der im Wettbewerb steht.

Damit stimmt es wohl: Abwicklung, ein lukratives Geschäftsmodell. Offensichtlich aber zu Lasten des Kunden.


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