Direktversicherer mit Problemen

3. November 2010 | 877 mal gelesen

Als Direktversicherer ohne Außendienst kann man eigentlich nur über den Preis erfolgreich sein. Denn was sonst sollte dazu veranlassen, auf gute Beratung bewusst zu verzichten und sich um alles selbst zu kümmern.

Zu was dies führt, zeigt eine ganz aktuelle Auswertung im map-fax 44/10. Dort werden die 75 Versicherer aufgelistet, die in Deutschland die Sparte Autoversicherung betreiben. Gezeigt wird, wieviel diese Versicherer im Jahr 2009 an ihrem Geschäft verdient haben (versicherungstechnisches Ergebnis in Prozent der Nettobeiträge).

Das Ergebnis ist interessant, denn auf den letzten sechs Plätzen finden sich allein vier Direktversicherer: Hannoversche Direkt, ERGO Direkt, Direct Line und Cosmos. Alle vier mit tiefroten Ergebnissen. Offensichtlich müssen sich diese Gesellschaften derart im Preis unterbieten, um Geschäft machen zu können, dass dafür sogar hohe Verluste in Kauf genommen werden. Ein seltsames Geschäftsmodell.

Dazu das map-fax: “Manche Direktversicherer haben nicht nur hohe Verluste, sondern auch grottenschlechte Beschwerdequoten. Wer dann noch Prozessquoten verschweigt, schafft für kluge Verbraucher Anlass zum Misstrauen…”.

Ein Misstrauen, das am Ende vielleicht doch dazu führt, dass der eine oder andere erkennt: Der Preis ist nicht alles, im Zweifel viel weniger, als gute Beratung sowie die Produkte eines erfolgreichen Versicherers.


Kommentare für diesen Artikel (13)

  1. Ralf Gottfried, 3. November 2010 um 10:47 Uhr

    Dieser Beitrag zeigt,wo sich in nächster Zeit das denken vieler Kunden hin entwickeln kann/wird. Günstig ist leider immer nur gut bis man den Schaden hat.
    Wer kennen Ansprechpartner vor Ort hat muss immer damit rechnen im Schadensfall lange zu warten um eine Antwort zu bekommen.

    Was mich auch aus diesem Beitrag erfreut, ist es zu sehen das nun die Gesellschaften mit den niedrigen Preisniveau, es warscheinlich nicht mehr lange schaffen so zu bestehen. Die Strategie wird sich auf kurz oder langer Sicht ändern müssen bei diesen Gesellschaften.

  2. Jule, 3. November 2010 um 10:54 Uhr

    Direktversicherer müssen eben auch viel mehr Geld in Werbung investieren, als es andere Unternehmen nötig haben; nur damit sie von Neukunden angerufen werden. Klar schlägt sich das Aufwand-Nutzen-Verhältnis dann auch im betriebswirtschaftlichen Ergebnis nieder.
    Da sowas auf Dauer eigentlich nicht gutgehen kann, müssten die Versicherer dann eben doch irgendwann mal lernen, etwas weniger hart zu kalkulieren und auf den ein oder anderen Vertrag zu verzichten.

  3. , 3. November 2010 um 10:57 Uhr

    @ Jule

    Und dann stellt sich die Frage, was für den Kunden wichtiger ist: Hohe Kosten für Werbung oder Investition in den Außendienst, der den Kunden vor Ort berät und betreut… 🙂

  4. Marcel H. Costin, 3. November 2010 um 15:03 Uhr

    Hallo Welt,

    mich interessiert ob diese Problematiken völlig unbekannt sind oder billigend in Kauf genommen werden… . Was für Auswirkungen hat das auf das Fortbestehen eines Untenehmens?

    So soll es besonders günstige Krankenkassen mit einer sehr jungen Kundenstruktur geben, welche bei alterndem Kundenstamm ziemliche Probleme bekommen wird, die steigende Inanspruchnahme der Leistungen zu zahlen. Und Krankenkassen wechselt man nicht jedes Jahr wie Sachversicherungen.

    Und dem Kunden ist dies oft gar nicht klar. Merkt man immer wieder, wenn man mit Menschen darüber spricht. Das “Produkt” (Finanz-)Dienstleistung ist nun mal schwer (be)greifbar. Um solche Misstände heraus zu finden und mit Menschen darüber zu sprechen, das ist unser Beruf.

    Mit besten Grüßen,
    Ihr/Euer Marcel H. Costin
    – Vermögensberater –

    Metropolregion
    Düsseldorf / Köln
    0177/7616059

  5. Frank Bertsche, 3. November 2010 um 16:13 Uhr

    Wer kaum Prämien einnimmt, kann auch nur sehr restriktiv Schäden regulieren.

    Vielleicht muss dann bald noch beim Abschluss einer Kfz-Versicherung eine Risikolebensversicherung mit abgeschlossen werden…..oder die Versicherung leiht einem nur noch das Geld und der Schaden muss in Teilbeträgen wieder zurück gezahlt werden. Wer weis…….

  6. Frank Schmidt, 3. November 2010 um 16:23 Uhr

    Achtung: Es wird das Jahr 2009 zugrunde gelegt.

    Besonders interessant ist aber, dass die KfZ-Versicherer Ineas und Ladycar, welche bekanntlich Insolvenz anmelden mußten, nicht auf den hinteren Plätzen zu finden waren. Somit kann man die Aussagekraft einer solchen Statistik wohl getrost dem Papierkorb anvertrauen.

    MfG
    Frank Schmidt

  7. Wolfgang Stadler, 3. November 2010 um 17:14 Uhr

    eine kleine Anmerkung am Rande – erst letzte Woche konnte ich zwei Cosmos-KfZ-Verträge bei der AachenMünchener versichern. Und das im Optimal-Tarif mit besten Leistungen.

    Und: aufgrund meiner Nachlass-Kompetenz zahlt der Kunde sogar noch einiges weniger wie bei Cosmos 🙂

  8. , 3. November 2010 um 19:05 Uhr

    @ Frank Schmidt

    Vielleicht sind die genannten Versicherer nur deshalb nicht “Pleite”, weil sie neben K auch noch andere, hoffentlich ertragreichere Sparten anbieten??? Diese Möglichkeit hatten Ineas und Ladycar nicht. Also vielleicht doch gar nicht so unbrauchbar, die Statistik??

  9. Jörg Renner, 3. November 2010 um 19:12 Uhr

    @ Wolfgang,
    und dabei gehört die Cosmos ja bekanntlich zum Generali-Konzern !?

  10. Norbert Balzer, 4. November 2010 um 01:31 Uhr

    Nachdem es in den letzten Jahren zum Volkssport geworden ist, Kfz Prämien zu vergleichen, habe ich mir nur eine Frage gestellt „ Ging es den Wechslern danach finanziell besser?“. Hätten die „Wechsler“ das eingesparte Kapital gewinnbringend angelegt, wäre der Wechsel wohl legitimiert.

    Haben sie aber nicht.

    Die Konsequenz, sie haben zwischen sich und ihrem Berater eine „ Dunstglocke“ des Misstrauens aufgebaut und sich selber einer fairen Beratung für die wirklichen Dinge des Lebens beraubt.

  11. Marcel H. Costin, 4. November 2010 um 14:03 Uhr

    @ Norbert, den Menschen ging es wohl eher emotional besser ein “Schnäppchen” erwischt und es den Anderen gezeigt zu haben. Wir sind halt nach wie vor Jäger und Sammler! 😉

    An der Stelle möchte ich auf das Buch von Nicole Rupp verweisen “Wer spart, verliert!” Sie schreibt über Geldbeziehungen und berät Menschen durch alle Bevölkerungsschichten auf der emotionalen Seite über die eigene Beziehung zum Geld. Konnte mir vorher nicht vorstellen, dass man da so viel drüber schreiben und wissen kann.
    Auf der Webseite gibt es ein Radio-Interview in Mp3 (Unter “Geld-Coaching”, rechts unten) der einen sehr guten Eindruck vermittelt.

    Ist auch für Vermögensberater mal eine neue Komponente in der alltäglichen Arbeit, diese Ebene in die Beratung mit einfließen zu lassen. Grenzt noch mehr von Online-Selbstberatungen ab. Es geht im Kern darum wie sehr wir unser Glück und Familienfrieden vom Geld abhängig machen und was wir uns selbst bewußt wert sind.

    Habe mit der Autorin schon seit 2 Jahren Kontakt und wir werden uns demnächst mal treffen und einen Kaffe trinken gehen. Vielleicht schreibe ich eine Rezension darüber und stelle Sie auf meine Vermögensberater-Homepage bei Facebook ein. 😀

    Mit besten Grüßen,
    Ihr/Euer Marcel H. Costin
    – Vermögensberater –

    Metropolregion
    Düsseldorf / Köln
    0177/7616059

  12. Norbert Balzer, 4. November 2010 um 23:41 Uhr

    Lieber Marcel,

    DANKE für diesen Hinweis!!!

    Ich war voller Neugier und kann Dir nur bestätigen, dass es sich lohnt, diesen Beitrag zu hören. Du hast im Übrigen, vielleicht ungewollt, eine Idee geboren. Wir sollten uns untereinander vielmehr austauschen. Kollegen wie Du es bist, sollten angehört werden und unsere Berufsgemeinschaft stärken.

    Also, nochmals DANKE!

    Herzliche Grüße von

    Norbert Balzer

  13. Marcel H. Costin, 8. November 2010 um 11:30 Uhr

    Lieber Norbert,

    vielen dank für die Blumen. Frage mich schon warum wir noch nicht bei Facebook miteinander bekannt gemacht wurden von unseren Kollegen. Wir tauschen uns darüber untereinander rigoros aus. So haben wir eine interne Gruppe nur für “echte” Vermögensberater gegründet in der wir aktuell über die sinnvollen Möglichkeiten des neu bei der DVAG eingeführten iPADs diskutieren und austauschen.

    Während Direktversicherer Probleme haben, werden bei der DVAG allen Vermögensberatern iPADs subventioniert für den Arbeitsalltag angeboten. Sogar mir eigens für die DVAG entwickelten Applikationen! Schon toll hier… . 🙂

    Jeder, der in meinem Team startet und fleißig ist, erhält in Zukunft so ein Gerät, samt Coaching, wie man damit arbeitet.

    Mit besten Grüßen,
    Ihr/Euer Marcel H. Costin
    – Vermögensberater –

    Metropolregion
    Düsseldorf / Köln
    0177/7616059