Blick über den Tellerrand

25. September 2010 | 704 mal gelesen

Erstaunliches sieht man derzeit in den Nachrichten.

Da gehen in Frankreich, Griechenland oder Portugal Millionen von Menschen auf die Straße und protestieren heftig gegen die Konsolidierung der Sozialsysteme, insbesondere gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 (!) Jahre. Gleichzeitig liegen die Lohnsteigerungen der meisten Länder in der EU in den letzten Jahren im Durchschnitt bei über 4 Prozent.

Ganz anders in unserem Land. Das Renteneintrittsalter wurde nicht von 60 auf 62 Jahre, sondern von 65 auf langfristig 67 (!) Jahre angehoben. Die Lohnsteigerungsrate der letzten Jahre liegt durchschnittlich nur bei rund 2 Prozent, ist also nur halb so hoch.

Keiner geht auf die Straße.

Der Lohn: Mit Neid schauen die anderen Länder der EU auf Deutschland, denn dort ist derzeit im wahrsten Sinne des Wortes ein regelrechtes Wirtschaftswunder mit starkem Rückgang der Arbeitslosigkeit und erheblichem Wirtschaftswachstum zu beobachten.

Vielleicht haben wir ja in unserem Land doch das eine oder andere gar nicht so schlecht gemacht. Ganz im Sinne unseres DVAG-Mottos: “Früher an Später denken” 🙂


Kommentare für diesen Artikel (6)

  1. Tobias Bartelt, 28. September 2010 um 16:11 Uhr

    Hallo Zusammen.

    Korrigiert mich, falls ich mich irre, aber müsste das senken des Renteneintrittalters, nicht auch einen Rückgang der Arbeitslosigkeit bedeuten?

    Kann natürlich auch sein, das ich einen Denkfehler mache, aber meiner Meinung nach, müsste das die Wirtschaft sogar noch etwas mehr ankurbeln.

    MfG

    Tobias Bartelt

  2. Jörg Renner, 28. September 2010 um 20:27 Uhr

    @Tobias,
    ich glaube nicht!?
    Auf der einen Seite arbeiten die Menschen ja theoretisch länger und stehen dem zu Folge ja auch länger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.
    Nur wo oder wieviel % der Menschen arbeiten denn tatsächlich bis zu ihrem
    Renteneintrittsalter?
    Oder können dies, aus gesundheitlichen Gründen?
    Oder haben einen Arbeitgeber, der sie so lang beschäftigt oder im höherem Alter überhaupt noch einstellt?
    Ich könnte hier, denke ich, noch mehr solcher Fragen formulieren.
    Fakt ist, was kaum ein Politiker öffentlich ausspricht, das die Erhöhung des Renteneintrittsalters, doch eine faktische Rentenkürzung ist!

    Was ich allerdings in unserer deutschen Gesellschaft nicht verstehe,
    dieser ganze Jugendwahn,
    ok, junge Menschen brauchen auch ihre Chance,
    warum schiebt man aber erfahrene Facharbeiter, mit langjähriger Berufserfahrung auf`s Abstellgleis?
    Ich glaube, da wird und muß in den nächsten Jahren ein umdenken erfolgen.

    Wir als DVAG sind da schon lange Vorreiter!
    Wir dürfen, können und sicherlich auch wollen so lange arbeiten, bis wir SELBST entscheiden, uns zur Ruhe zu setzen.
    Somit können wir ja auch unsere gesammelten Erfahrungen an die jüngere Generation weitergeben!
    Und dieses Potential zu nutzen, haben viele Unternehmen noch nicht erkannt.

  3. Tobias Bartelt, 29. September 2010 um 06:23 Uhr

    @ Jörg Renner.

    Sie stellen da ein paar interessante Fragen.

    Ich möchte ganz gerne auf folgende Eingehen:

    “Nur wo oder wieviel % der Menschen arbeiten denn tatsächlich bis zu ihrem
    Renteneintrittsalter?
    Oder können dies, aus gesundheitlichen Gründen?
    Oder haben einen Arbeitgeber, der sie so lang beschäftigt oder im höherem Alter überhaupt noch einstellt?”

    Mein Gedanke war folgender:

    Da sowieso nicht alle bis zum tatsächlichen Renteneintrittsalter arbeiten, sei es aus Gesundheitlichen Gründen oder ähnlichem, könnte man Beispielsweise doch hingehen und das Renteneintrittsalter wieder auf 60 senken. Der Arbeitgeber ist damit gezwungen sich rechtzeitig um neue Facharbeiter zu kümmern und wartet damit nicht bis einer seiner Mitarbeiter BU oder sonst was wird.

    Was im Umkehrschluss wiederum heissen würde, das die Arbeitsloskeit abnehmen würde. Und das wiederum würde helfen dem Staat Geld einzusparen, da er ja weniger Arbeitslose unterstützen müsste.

    Kann allerdings auch sein, das das so nicht funktioniert. Schließlich habe ich das so noch nie praktiziert.

    MfG

    Tobias Bartelt

  4. Jörg Renner, 29. September 2010 um 10:26 Uhr

    @Tobias
    Ich glaube, dass der Staat bei Ihrer Idee nichts spart.
    Er müßte ja dann auch 7 Jahre früher die Rentner unterstützen.

  5. Tobias Bartelt, 29. September 2010 um 11:50 Uhr

    @ Jörg Renner

    Der Staat spart in dem Moment Ausgaben für Arbeitslose. Wenn dieses Geld dann in die Altersrenten fließt und der Staat quasi wieder in der Ausgangssituation ist müssten wir allerdings einen Liquiditätsanstieg in der Bevölkerung haben, da es weniger Arbeitslose gibt und mehr Geld für die Rentner da ist.

    Und wenn die Kaufkraft steigt, sollte das der Wirtschaft doch dienlich sein.

    Abgesehen davon ist eine vernünftige Rentenreform nötig, aber leider habe ich keine Möglichkeit, Ideen diesbezüglich an entsprechender Stelle vorzulegen.

    MfG

    Tobias Bartelt

  6. Jörg Renner, 29. September 2010 um 21:53 Uhr

    @Tobias,
    bei Deiner Theorie fehlt glaube ich ein entscheidener Punkt!

    Wir haben in Deutschland in Zukunft mehr ältere Mitbürger, als Menschen, die arbeiten.

    Wenn der Staat, daran was ändern würde, könnte Ihre Theorie später eventuell aufgehen.
    Das heißt, die Alterspyramide müßte dann auch wieder wie eine Pyramide aussehen und nicht, wie derzeit auf dem Kopf stehen.

    Um dies zu verwirklichen, brauchen wir in Deutschland mehr Menschen, die, wie es der Generationenvertrag besagt, für die Rentner aufkommen.

    Und wie erreicht man dies?
    Meiner Meinung nach, in dem man endlich mal etwas entscheidendes dafür tut, jungen Familien die Möglichkeit gibt, Kinder groß zu ziehen.
    Meißt funkioniert dies ja nicht, Arbeit und Familie!?
    Ich bin im Osten dieses Landes aufgewachsen und habe erlebt, wie dies funktioniert hat.
    Wenn man bei diesem bewertem System das ideologische weglässt, würden
    mehr Paare sich für eigene Kinder entscheiden!

    Ich habe es an meiner eigen Tochter erlebt.
    Welcher Arbeitgeber stellt denn einen Menschen ein, der, um 12 Uhr sein Kind aus der KITA holen muß, weil da Mittagspause ist, um es dann 13 Uhr wieder hin zu bringen!?