Richtige Richtung

20. September 2010 | 832 mal gelesen

Sie kennt nur eine Richtung: Die so genannte Versicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung, also jener Betrag, der darüber entscheidet, ob sich ein Arbeitnehmer privat versichern darf oder gesetzlich versichern muss.

Und diese Richtung heißt: Sie steigt, Jahr für Jahr.

Auf monatlich 4.162,50 Euro beläuft sie sich aktuell. D.h. nur der(die)jenige, der (die) mehr verdient, darf wählen, ob überhaupt und in welchem System – gesetzlich oder privat – er (sie) sich krankenversichern will.

So wird den meisten Arbeitern und Angestellten die Freiheit genommen, selbst zu entscheiden. Denn nur ein Bruchteil verfügt über ein Einkommen in dieser Höhe.

Dies widerspricht der ursprünglichen Intention der gesetzlichen Sozialversicherung, nach der sich dort überhaupt nur diejenigen versichern durften, die aus eigener Kraft ihre Versorgung nicht gewährleisten konnten (Subsidiaritätsprinzip).

Dieser Gedanke ist der heutigen Sozialversicherung längst abhanden gekommen. Umso erfreulicher, dass voraussichtlich im nächsten Jahr – das erste Mal seit vielen Jahren – die Versicherungspflichtgrenze sinken soll und so wieder einige Bürger zusätzlich die Möglichkeit bekommen werden, sich privat zu versichern.

Nur schade, meinen wir als DVAG Deutsche Vermögensberatung, dass darin keine “Systemkorrektur” steckt, sondern lediglich die Tatsache, dass das Lohnniveau gesunken ist – und an dieses sind Versicherungspflichtgrenze bzw. Beitragsbemessungsgrenze gekoppelt.

Nichtsdestotrotz: Eine kompetente Beratung zu einem Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung gibt es bei jedem Vermögensberater. Falls Sie noch keinen haben, hier finden Sie ihn.


Kommentare für diesen Artikel (8)

  1. Harri Schultze, 20. September 2010 um 15:09 Uhr

    Auch in gestriger AnneWill – Sendung ging es um dieses Thema.

    Und bei all der Durcheinanderdiskutiererei war eines sehr deutlich:

    Alle sind sich einig – das GKV-System, wie es aktuell aufgestellt ist – ist am Ende.

    Gestritten wurde nur, ob und wie ein Umbau möglich sei. Leider dauern diese politischen Diskussionen bereits Jahrzehnte an, so dass man wirklich sagen muss: Kollaps mit Ansage!

    Meine Empfehlung für jeden der darf und kann und wo es wirtschaftlich darstellbar ist, sollte sich intensiv mit dem Gedanken der PKV beschäftigen.

    Der wesentliche Unterschied beider Systeme ist, dass die gesetzliche Krankenversicherung anders als die PKV zusätzlich zur Preisschraube (die Teuerung trifft beide Systeme gleichermaßen) noch an der Stellschraube der Leistungen drehen kann. Und das wird fleissig genutzt werden müssen, um eine ordentliche Versorgung aller Bürger in Fällen, in denen es darauf ankommt, zu gewährleisten.

    Wer zukünftig mehr möchte als “ordentliche Versorgung in Fällen, in denen es darauf ankommt”, wer also als Versicherter das Leistungsniveau selbst bestimmen möchte, der muß dafür selber sorgen.
    An Eigenverantwortlichkeit wird kein Weg vorbeiführen – egal wie das Gesundheitswesen zukünftig gestaltet wird.

    Harri Schultze
    Vermögensberater in Willich

    P.S.
    Sehr eindrucksvoll war der Einspieler, in dem Menschen bei der Autopflege zum Versicherungsschutz ihres PKW befragt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Autos besser versichert sind als deren Besitzer.
    Beim Schutz der eigenen Arbeitskraft und Gesundheit scheinen die Bürger doch überwiegend noch von einer staatlichen Vollkaskoversorgung auszugehen, die es so allerdings schon lange nicht mehr gibt und auch nie mehr geben wird.

  2. Jörg Renner, 20. September 2010 um 20:15 Uhr

    @ Harri
    ich habe in die gestrige Sendung auch kurz rein geschaut.
    Die Streitkultur, die dort an den Tag gelegt wurde, hat mir nicht gefallen!
    Man kann doch wenigstens jemanden ausreden lassen, bevor man auf dessen Argumente eingeht!?
    Aber dies muß wohl so sein!?
    Bringt aber, glaub ich, uns in der Sache nicht viel weiter.

  3. Harri Schultze, 21. September 2010 um 00:15 Uhr

    @Jörg

    grundsätzlich halte ich diese Talkrunden für wenig hilfreich für den Bürger. Es ist immer sehr viel “Politik” und oft auch Polemik im Spiel. Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Themen geschieht hier eher weniger.

    Trotzdem bin ich immer wieder verblüfft über die Einigkeit, die dann doch irgendwie durchdringt. Egal ob es gerade um Renten-, Kranken- oder Pflegeversicherung geht, immer ist allen klar, dass unser Sozialversicherungssystem nach heutiger Bauart am Ende ist. Gestritten wird dann immer nur darum, was danach kommt.

    Das Dumme ist nur – Deutschland hat keine Zeit. Jetzt müssen die Weichen gestellt werden, wenn wir dem demographischen Wandel in unseren Systemen einigermaßen Rechnung tragen wollen. Dazu gehören leider auch harte Wahrheiten, die jeder kennt aber keiner sagen möchte:

    Nur noch Basisversorgung bei Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sind finanzierbar. Wer mehr will, der muss eigenverantwortlich vorsorgen!

  4. Jörg Renner, 21. September 2010 um 10:00 Uhr

    @ Harri
    Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen! Ich sehe dies genau so.

  5. Wolfgang Reinhardt, 21. September 2010 um 10:13 Uhr

    Ich verstehe das ganze Gezanke schon seit Jahren nicht mehr. Es gibt kaum ein Feld, auf dem dermaßen ideologische Grabenkämpfe stattfinden, wie das der Gesundheitspolitik.

    Die 2002 eingeführte Riesterente wäre doch die ideale Blaupause für eine nachhaltige Gesundheitsreform. Hier in unserem Blog wurde nicht umsonst schon einmal eine “Rösler-Zulage” gefordert. Es geht um ein ergänzendes Miteinander zwischen GKV und PKV. Das Ziel muss sein, die Vorteile beider Systeme zu kombinieren, und somit das System langfristig zu sanieren.

    Stattdessen bekämpfen sich die Politiker von links und rechts, und streuen den Bürgern Sand in die Augen. Die Krankenkassen und die privaten Versicherer sind da schon viel weiter, indem man flächendeckend längst zusammen arbeitet. Könnte es sein, dass die Bürger auch schon weiter sind, während unsere Politiker noch in den Schützengräben liegen?

  6. Heinrich Kardorf, 21. September 2010 um 12:12 Uhr

    Solange die eigenen Interessen eines Politikers in solchen Diskussionen vorrang haben (taktisches Vorgehen vor Wahperioden, fishing for compliments oder einfach nur Karrieregier)

    werden solche Talkrunden, wie schon aus oben geschriebenen Kommentaren der Kollegen zu sehen, zu nichts führen.
    Ich denke eher, das dies zu einer Überdrüßigkeit der Bürger am politischen Leben teilzunehnem führen wird.

    Die einzige Möglichkeit für den “Ottonormalverbraucher” ist es , sich hier kompetente Hilfestellung wie z.B. die Beratung durch einen Fachmann / Vermögensberater einzuholen.

    Fakt bleibt, das die Diskussion über GKV und PKV in der Form zu nichts führen wird und weiterhin der Bürger darunter leiden muß.

    Der richtige Weg wird wohl sein ,wie von Wolfgang Reinhardt beschrieben die “Rösler Rente” oder eine ähnliche Form der Gesundheitsversorgung einzuführen.

    Bis dahin dürfen diese selbstdarstellenden Talkgäste unsere TV Abende weiter füllen.

  7. Wolfgang Stadler, 21. September 2010 um 15:52 Uhr

    @ Harri Schultze – diese Sendung von Anne Will habe ich auch gesehen.

    Was mich schon verwundert – nachdem die SPD jahrelang in der Regierung war und nichts großartiges geändert hat am System KV – will Karl Lauterbach, SPD – angeblicher Gesundheitsexperte – nun die PKV abschaffen. Begründung: Zweiklassenmedizin.

    Für mich ist das schlicht und ergreifend der Versuch, populäre Äußerungen zum Wählerfang zu machen.

    Eine Lösung wird auch die Abschaffung der PKV nicht sein.

    Und Minister Rösler hatte doch versprochen, falls er einen Systemwechsel nicht hinbekommt, würde er abtreten. Was ist daraus geworden.

    Wenn die Politik nicht bald ein Zeichen setzt, wird das zu irreversiblen Schäden führen.

    Gruß aus dem Altmühltal (leider wieder 😉

  8. Christian Loose, 21. September 2010 um 18:24 Uhr

    @ Wolfgang Stadler

    Das ist absolute Augenwischerei, was da Karl Lauterbach / SPD betreibt und empfinde ich fast schon als Frechheit und der Versuch, den Bürger als dumm zu verkaufen.