Honorar folgt Prämie

15. September 2010 | 982 mal gelesen

Schritt für Schritt sortiert sich das Thema Honorarberatung, unter anderem auch durch Gerichtsurteile.

So kam das Amtsgericht Krefeld zu dem Schluss, dass das Schicksal des Honorars in bestimmten Fällen dem der Prämie zu folgen hat, auch wenn vertraglich etwas anderes vereinbart war.

Zum Hintergrund (siehe auch VersicherungsJournal vom 30.08.2010):

Ein Makler hatte seinem Kunden eine Lebensversicherung ohne Provision vermittelt und separat davon ein Honorar in Höhe von 6.000 Euro – zu zahlen in 60 Monatsraten – vereinbart.

Nachdem der Kunde in Zahlungsschwierigkeiten kam und seine Lebensversicherung beenden wollte, verklagte der Makler seinen Kunden auf Fortführung der monatlichen Honorarzahlung.

Das Amtsgericht Krefeld wies die Klage zurück. Die Begründung: Der Kunde wurde nicht ausreichend über die Zusammenhänge zwischen dem Versicherungsvertrag und der Honorarvereinbarung aufgeklärt. Und die Versicherungsprämie und das Honorar wurden in einem Betrag vom Konto des Kunden abgebucht, was bei diesem den Eindruck erwecken musste, dass Prämie und Honorar das gleiche Schicksal teilen.

Das Urteil ist nicht nur aus Kundensicht erfreulich. Es stellt darüber hinaus die Vergütung durch Honorar gleich mit der Vergütung über Provision. Denn auch diese ist anteilig zurück zu zahlen, wenn der Kunde seinen Vertrag während der Provisionshaftungszeit beendet.


Kommentare für diesen Artikel (7)

  1. Marcel H. Costin, 15. September 2010 um 10:41 Uhr

    Hallo liebe Bloger,

    ich sehe parallelen zwischen Honorarvergütung und Provisionsvergütung ähnlich wie bei folgendem Beispiel mit dem Kauf einer handgemachten Pizza.

    1) Die eine Möglichkeit ist, ich darf mir die Zutaten bei Zusammenstellung, einzeln, frei auswählen. In jeder sind bereits ein prozentualer Anteil an Energiekosten und Löhnen eingerechnet.

    2) Ich erhalte die Pizza zum reinen Materialwert angeboten und zahle mit einem Mal eine bestimmte Rezept-Pauschale zusätzlich.

    Der große Unterschied den ich aus dem kurzen Artikel heraus lese ist der, dass bei der Provisionsvergütung der Berater das Schicksal des Kunden in gewißer Weise teilt und zunächst ein Anliegen daran haben musst das Beste aus der Situation zu machen.

    Während es bei der Honorarberatung beim Berater liegt in wiefern er sich dem Schicksal des Kunden verbunden fühlt.
    Wenn doch jemand aus Gründen von Zahlungsschwierigkeiten seine Rate nicht zahlen kann, ändert eine Klage über ausstehende Honorarzahlungen daran doch wohl auch nichts, oder? Zusätzlicher Druck und kostet noch mehr Geld.

    Mit besten Grüßen,
    Ihr/Euer Marcel H. Costin

    Metropolregion
    Düsseldorf / Köln
    0177/7616059

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  2. Norbert Balzer, 15. September 2010 um 23:35 Uhr

    Eine Frage.

    Wenn ein an seiner Altervorsorge interessierter Kunde, seinen Riester- oder Rürup Vertrag bei einem Honorarberater abschließt, ist dann dieses Honorar ebenfalls Förderwürdig???

  3. Frank Schmidt, 16. September 2010 um 08:34 Uhr

    Ich finde, Sie bringen da bei diesem Thema immer wieder etwas durcheinander. Die Beratung ist eine Dienstleistung des Beraters und zieht ein Beratungshonorar nach sich.
    Das Verkaufen eine Dienstleistung des Verkäufers und zieht eine Provisionszahlung nach sich.
    Beide Einkünfte werden übrigens unterschiedlich versteuert.

    Wenn hier immer wieder davon gesprochen wird, dass für die Vermittlung einer Police Geld genommen wird, ist das immer ein Verkauf. Ob die Provision nun vom Kunden an den Verkäufer direkt überwiesen wird oder vom Versicherungsunternehmen, ist da egal. Daher halt ich die Vorgehensweise im obigen Beispiel, so wie es dargestellt wurde, nicht für eine Beratung, sondern für einen Verkauf.

    Herr Balzer, wenn ein Kunde etwas ABSCHLIEßT, dann ist dem immer ein Verkauf voraus gegengen!

    Ein Kunde kann im Altersvorsorgebereich darüber beraten werden, ob Riester, Rürup, BAV oder was auch immer, für ihn in Frage kommen. Ob es zu ihm passt und welche Vor -bzw. Nachteile die einzelnen Produkte haben.

    Eine Beratung hat nicht das Ziel, ein Produkt zu verkaufen. Neben einer wirtschaftlichen und technischen Beratung, können Versicherungsmakler auch versicherungsrechtliche Beratungen anbieten und diese natürlich separat in Rechnung stellen.

    MfG
    Frank Schmidt

  4. , 16. September 2010 um 18:09 Uhr

    @ Frank Schmidt

    Da haben Sie Recht, in der Realität geht es aber nachweislich anders zu, denn da gibt es Makler bzw sich sich so bezeichnende Honorarberater, die kassieren sowohl Provision als auch Honorar. Ein Schelm, der Böses dabei denkt 🙂

  5. Frank Schmidt, 16. September 2010 um 19:08 Uhr

    Ja, das ist leider so. Ich bedauere das sehr.

    MfG
    Frank Schmidt

  6. D. Koplin, 17. September 2010 um 21:10 Uhr

    Wer traut sich eine Einschaetzung zu, ob dieses Urteil u. U. auf Vorfaelle wie Frau Q. – Kundin der AFA – bezgl. Kostenausgleichsvereinbarung anwendbar sein könnte?

    Gruesse aus der Mark Brandenburg

  7. Frank Schmidt, 18. September 2010 um 12:07 Uhr

    @ D.Koplin

    Also ich bin kein Jurist und könnte Dir die Frage eigentlich nicht beantworten. Ich würde den Vertrag aber von Anfang an aufheben. Was da geschah, hat nichts, aber auch garnichts, mit Honorarberatung zu tun. Und folglich kann kein vom Versicherungsvertrag losgelöstes Honorar, oder wie man das auch immer nennen will, verlangt werden. Da wurde durch einen Vertrieb schlicht versucht, die Provisionshaftungszeit aus zu hebeln.

    Ich kanne diese Vorgehensweise auch von anderen Vertrieben, mag sie aber nicht. Die Vermittler allerdings finden es meist gut.

    MfG
    Frank Schmidt