Rat von Verbraucherschützern

29. August 2010 | 686 mal gelesen

Immer wieder muss genau hingesehen werden, wenn Verbraucherschützer Empfehlungen zur Geldanlage oder zur privaten Vorsorge abgeben und diese Empfehlungen dann von den Tageszeitungen in der Bevölkerung verbreitet werden.

So hat jetzt die Stiftung Warentest davon abgeraten, bei privaten Rentenversicherungen eine Dynamik einzuschließen, da mit jeder dynamischen Anpassung auf den Mehrbeitrag Provision anfalle (Kölner Stadtanzeiger vom 23. August 2010, Seite 11).

Ein Rat, der wohl nicht dafür geeignet ist, eine zukunftsorientierte private Altersversorgung uneingeschränkt zu gewährleisten. Denn dynamische Erhöhungen haben den Sinn, den Wert der abgesicherten Privatrente auch bei steigenden Preisen real zu erhalten. Darauf wird im Beitrag nicht hingewiesen.

Auch soll es Kunden geben, die von Jahr zu Jahr etwas mehr verdienen, allein aus Tariferhöhungen, manche auch aus individuellen Gehaltserhöhungen. Was liegt da näher, als die Altersversorgung über dynamische Erhöhungen unkompliziert “automatisch” mitwachsen zu lassen? Auch dieses Argument wird nicht erwähnt.

Darüber hinaus fehlt in der Darstellung ein ganz entscheidender Vorteil der dynamischen Erhöhung: Es bedarf keiner erneuten Gesundheitsprüfung (relevant vor allem bei Tarifen mit Todesfallschutz).

Nicht erwähnt wird ebenso, dass jeder Kunde die dynamische Erhöhung auch aussetzen kann.

Und es fehlt ein Hinweis darauf, dass auch bei anderen Anlageformen erneut Abschlusskosten anfallen, wenn das monatliche Sparvolumen erhöht wird.

Schade, dass wieder einmal die Provision zum “Maß aller Dinge” erklärt wird, denn dadurch geht all das verloren, was dem Kunden wirklich hilft.


Kommentare für diesen Artikel (13)

  1. Marcel H. Costin, 29. August 2010 um 10:30 Uhr

    Hallo Bloger,

    bevor ich mit Vermögensberatung in Berührung kam, wußte ich bereits…
    …Dynamiken (automatische Beitragserhöhungen um x% pro Jahr) sind was böses… wurde mir jedenfalls so suggeriert. Dieses Gerücht war mir bekannt.

    …heute kommt es mir vor wie…

    “Robin Hood Verbraucher-TÜV
    Lieber Autofahrer, tanken Sie bloß nicht nach, daran verdienen andere Geld!
    Und noch etwas, Autos wurden absichtlich so gebaut, dass man nachtanken muss….und wir haben’s rausgefunden, YESSS!!!”

    .

    Warum sollte man Verbraucher vor einer angemessenen Rente schützen? Weil der Staat ja für alles aufkommt und man sich keine Bange machen braucht?

    Mit besten Grüßen,
    Marcel H. Costin

  2. Claudia Müller, 29. August 2010 um 11:32 Uhr

    Der Grundgedanke des Verbraucherschutzes ist durchaus lobenswert. Aus diesem Grundgedanken hat sich mittlerweile eine Institution mit ureigenen Interessen gebildet. Im Bereich Finanzen, Vorsorge und Versicherung bieten die Verbraucherschützer Beratungen gegen Entgelt an. Honorarberatung mag ich das nicht nennen. Einerseits werden somit Einnahmen durch diese sogenannten Beratungen erzielt, andererseits hängt die Höhe der staatlichen Mittel, die den Verbraucherschützern zukommen, vom Umfang ihrer Aktivitäten ab. Was liegt da näher, als nahezu täglich Pressemeldungen und Interviews zu veröffentlichen, mit Inhalten, die dazu geeignet sind, die Verbraucher zu dem Schluss kommen zu lassen, dass der Verbraucherschutz alles dafür tut, um Ungerechtigkeit von ihnen fernzuhalten? Je mehr Verbraucher sich dazu entschliessen, sich von den Verbraucherschützern beraten zu lassen, desto lauter klingelt die Kasse dort. Den Preis zahlen die Verbraucher doppelt: Zuerst als sogenanntes “Honorar” für die sogenannte Beratung, zweitens in Form von einer suboptimalen Finanz- und Vorsorgeplanung. Sicher gibt es auch bei den Verbraucherschützern Ausnahmen, fähige und verantwortungsvolle Mitarbeiter. Bleibt die Frage für den geneigten Verbraucher, welche das sind. Einleuchtend ist, dass Menschen mit derartig exzellenten Kenntnissen, wie die Verbraucherschützer sie zu haben behaupten, nicht für ein vergleichsweise bescheidenes Gehalt beim Verbraucherschutz arbeiten würden. Selbst wenn sie ganz idealistisch höhere Ziele verfolgen würden, als den schnöden Mammon, könnten sie das weit effektiver an anderer Stelle – wenn sie tatsächlich diese Ziele hätten und die erforderlichen Kenntnisse. Die besorgten Ratschläge der Verbraucherschützer kommen nie dann, wenn sie sinnvoll wären, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern hinterher, als Kritik am Brunnenbauer. Und zwischendurch wird der Verbraucher mit Halbwahrheiten bei Laune gehalten, wie im Fall der Dynamik.

  3. Wolfgang Stadler, 29. August 2010 um 15:38 Uhr

    über manchen Rat von Finanztest kann ich wirklich nur den Kopf schütteln. Schade, dass die nicht haften müssen, wenn sie so einen undifferenzierten Zeug von sich geben…

    Ein kurzer, isolierter Aspekt zum Thema Dynamik: bei der AM Leben übernimmt im Falle von Berufsunfähigkeit die AM Leben die Beiträge des Kunden mit voller Dynamik bis zum Ablauf der Beitragszahlung (Voraussetzung Einschluss BUZ). Unabhängig davon, ob JE DYNAMIK ANGENOMMEN WURDE!

    Ach STOPP.. Finanztest empfieht ja, Risikoversicherung und Kapitalbildung zu trennen. Sorry, mein Fehler …

  4. Wolfgang, 29. August 2010 um 19:59 Uhr

    Sehr geehrter Herr Wolfgang Stadler

    sie müssen sich nicht für Ihre Kommentare im nach hinein entschuldigen, die Sie im Vorfeld richtig schreiben / kommentieren können. Zu mal Sie Ihren Beitrag ja nach geprüften Durchlesen versenden. Hierdurch wird das Niveau dieses Blogs sicherlich aufgewertet. Von einem Vermögensberater kann man davon ausgehen. Es ist sicherlich richtig, wenn man sich für etwaige Rechtschreibfehler entschuldigt. Trotzdem sind Ihre Beiträge fachlich durchdacht.

  5. Norbert Strauß, 29. August 2010 um 20:12 Uhr

    Eigentlich ist schon fast alles gesagt – besonders hat mir der Kommentar von Claudia Müller gefallen. Schon wegen der Inflation ist eine dynamische Anpassung wichtig. Aber noch ein Gedanke: eine Rentenversicherung muss begleitet werden über die Jahre weil sich die Rahmenbedingungen und persönlichen Umstände laufend ändern. Darum ist regelmäßige Betreuung solcher Verträge für mich Pflicht. Kann das auch der Verbraucherschutz leisten ?

  6. Wolfgang Stadler, 30. August 2010 um 09:13 Uhr

    @ Wolfgang – obwohl ich Ihren Beitrag jetzt zweimal gelesen habe, kann ich den genauen Sinn nicht erkennen. Was konkret möchten Sie mir sagen?

    Sicherlich haben Sie einen gewissen Zynismus in meinem Beitrag erkannt – falls Sie deswegen meinen Beitrag für niveaulos halten: Sie erwähnen ja, dass “dadurch das Niveau des Blogs aufgewertet wird”, folgende zwei Punkte:

    1. steht es jedem frei, in welcher Form und Güte er hier seine Gedanken von sich gibt. Herr Lach hat auch schon desöfteren von DVAG-Fremden völlig absurden, diffamierenden Blödsinn freigeschaltet – obwohl ihm immer wieder fälschlicherweise in großem Maße Zensur vorgeworfen wird.

    2. ist das Niveau des Blog´s hier sicherlich über dem der meisten Finanzblog´s, nicht zuletzt wegen Punkt 1. Ich möchte nur auf einen gewissen Lästerblog hinweisen, der dieses und jenes an den Pranger stellt aber die Betroffenen nicht zu Wort kommen lässt.

    was ich in zehn Jahren Selbständigkeit gelernt habe: bleib wie Du bist. Und meine Kommentare hier bleiben, wie sie sind. Punkt!

  7. Andrea, 30. August 2010 um 09:26 Uhr

    @ Wolfgang,

    ich denke das der Zusatz von Wolfgang Stadler’s Beitrag eher ironisch gemeint war ….

    oder ???

    Viele Grüße Andrea

  8. Wolfgang, 30. August 2010 um 09:31 Uhr

    Sehr geehrte Herr Dr. Lach
    nochmal auf die Dynamik im vorangegangenen Beitrag zurück zu kommen. Das ja gelegentlich bei Finanz / Vermögensberatern die Dynamik eine Irritation auslösen.

    Ihr Zitat:
    Denn dynamische Erhöhungen haben den Sinn, den Wert der abgesicherten Privatrente auch bei steigenden Preisen real zu erhalten.

    Wie hoch soll den die dynamische Erhöhung einer Privatrente sein, bei einer Preissteigerung von 3% ( Inflation ).

  9. Wolfgang Stadler, 30. August 2010 um 15:47 Uhr

    @ Andrea – in der Tat. Das sollte auch jeder gemerkt haben, oder?

  10. Marcel H. Costin, 30. August 2010 um 17:06 Uhr

    Hallo liebe Bloger,

    ich finde die Entwicklung des Blogniveaus in Ordnung. Es ist okay, wenn es nicht immer 100% formell, sachlich und fachlich vorgeht, sondern auch mal ein wenig locker menschelt. Das ist natürlich eine völlig neue Art zu kommunizieren und mag auf den einen oder anderen (alten Hasen) weniger professionell wirken. Dafür bietet es ganz andere Ansätze sich aus zu drücken, Perspektiven einzusehen und natürlich mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen.
    Es könnten nur sehr viel mehr Leute hier ihre Sicht der Dinge schreiben.

    Mit besten Grüßen aus Düsseldorf,
    Marcel H. Costin

  11. Bernd Pfützner, 2. September 2010 um 21:29 Uhr

    Sehr geehrter Herr Dr. Lach,

    offenbar ist Ihnen da ein kleines Mißgeschick passiert:

    (Zitat) “So hat jetzt die Stiftung Warentest davon abgeraten, bei privaten Rentenversicherungen auf den Einschluss einer Dynamik zu verzichten, …” (Zitat Ende)

    Sie meinten sicherlich:

    “So hat jetzt die Stiftung Warentest DAZU GERATEN, bei privaten Rentenversicherungen auf den Einschluss einer Dynamik zu verzichten, …”

    Das würde auch zur Betrachtungsweise der Stiftung Warentest passen.

    Richtig ist natürlich, daß die Kundenvorteile einer einmal vereinbarten Dynamik auf der Hand liegen. Zumal sich ja auch der Gesundheitszustand eines Kunden im Laufe der Jahre – ggf. auch ganz plötzlich – derart verschlechtern kann, daß ihn kein Versicherer mehr unter Vertrag nehmen würde, respektive nur gegen hohe Risikozuschläge. Gut, wenn man dann früher an später gedacht hat.

    Herzliche Grüße

    Bernd Pfützner

  12. , 2. September 2010 um 21:49 Uhr

    @ Bernd Pfützner

    Vielen Dank für diese völlig richtige Richtigstellung

  13. Ralf Cormaux, 3. September 2010 um 07:47 Uhr

    Mein eigener Vater hat vor rund 10 Jahren eine Lebensversicherung zur Altersversorgung ausgezahlt bekommen. Anfangsbeitrag aus den sechziger Jahren waren 5 DM im Monat. Dabei ist es bis zum Ablauf geblieben. Er hat dann im Jahr 2000 sage und schreibe rund 10.000 DM zur Rentenaufstockung erhalten. Auch im Jahr 2000 war das nicht wirklich viel Geld zur Aufbesserung der Rente.

    Viele Menschen denken im Laufe des Lebens nicht über Inflation nach oder ändern aus Bequemlichkeit nicht ihre Sparbeiträge. Deshalb ist die Dynamik wichtig. Sie muss ja nicht zwingend bis zum Ablauf des Vertrags angenommen werden.

    Genau aus dem Grund und auch aus den vorgegannten Gründen liegt die Stiftung Warentest mit ihren Ansichten weit von der Realtität entfernt. Anfang 2002 wurde doch auch von dem ein oder anderen Verbraucherschützer vor der Riesterrente gewarnt. Ist solch ein Verhalten nicht strafbar, wenn es Bürger in die Altersarmut treibt? Wieder bleibt die Frage, wer schützt den Bürger vor den Verbraucherschützern?

    Gruß vom Vermögensberater aus Willich und Tönisvorst
    Ralf Cormaux