Lückenhafte Aufsicht

14. August 2010 | 625 mal gelesen

Mit dem 2007 in Kraft getretenen Versicherungsvermittlungsgesetz wurden weitreichende Anforderungen für jeden Berater, der (auch) Versicherungen vermittelt, definiert.

Diesen hohen gesetzlichen Anforderungen genügen selbstverständlich auch die Vermögensberater der DVAG Deutsche Vermögensberatung, denn im Rahmen unserer Vermögensberatung werden branchenübergreifend naturgemäß – neben Bank- und Anlageprodukten – auch Versicherungsprodukte berücksichtigt.

Immer wieder und noch heute gibt es aber Fälle, in denen Versicherungen vermittelt werden bzw. wurden, ohne dass die erforderliche Gewerbeerlaubnis vorlag. Eine klare Benachteiligung derjenigen, die sich an die Gesetze halten. Und eigentlich ein Tatbestand, der “hoheitlich” verfolgt werden müsste.

Darüber berichtet ausführlich die Zeitschrift Versicherungswesen (Heft 14 vom 15. Juli 2010, Seiten 1030 ff.).

Beispiele:

  1. Die Supermarktkette Penny verkaufte ohne Gewerbeerlaubnis Versicherungen der Arag.
  2. Die Tiernahrungskette Fressnapf vermittelte in ihrem Online-Shop Produkte der Tierkrankenversicherung Agila.
  3. Der Bund der Versicherten bot seinen Mitgliedern über Rahmenverträge günstigeren Versicherungsschutz und trat hierbei – zunächst ohne Erlaubnis – als Vermittler auf.
  4. Gesetzliche Krankenkassen verkaufen ohne Erlaubnis private Krankenzusatzversicherungen.
  5. Und auch Tchibo versuchte sich als Versicherungsvermittler der Asstel.

Weitere, etwas komplexer gelagerte Fälle werden im erwähnten Beitrag ausführlich beschrieben.

Stellt sich die Frage, warum solche Gesetzesverstöße überhaupt möglich sind. Der Verfasser des Beitrages führt dies in erster Linie auf ein “Zuständigkeitsproblem” zurück. Die BaFin hält sich aus derartigen Themen heraus. Und die für gewerbliche Fragestellungen eigentlich zuständigen Industrie- und Handelskammern sind hier offensichtlich nicht bereit, sich um Mißstände zu kümmern.

Bleibt letztendlich nur der Weg vor ordentliche Gerichte, eine missliche Situation, insbesondere für all diejenigen Vermittler und Berater, die sich an die Gesetze halten – und das ist die große Mehrheit.


Kommentare für diesen Artikel (6)

  1. Lutz Eska, 15. August 2010 um 08:29 Uhr

    Einmal abgesehen von der fehlenden Gewerbeerlaubnis von einigen “Verkäufern”, liegt meiner Meinung nach das größere Problem, bzw. der größere Mangel, in der unzureichend geregelten Dokumentationspflicht. Seit dem 22.05.2007 müssen Versicherungsvertreter, Makler und Vermögensberater dem Kunden ein Beratungsprotokoll zu den vermittelten Versicherungsverträgen aushändigen. Warum muß das ein Banker nicht? Oder, ist dass mittlerweile geändert? Warum wird den Vermittlern die Möglichkeit gegeben, den Kunden wählen zu lassen ob dieser ein Beratungsprotokoll will oder nicht? Viele Gesellschaften haben das Feld für das Kreuzchen zum Verzicht über ein Beratungsprotokoll im Versicherungsantrag. Das ist so nicht zulässig, der Verzicht muss gesondert und getrennt vom Antrag bestätigt werden. Warum wird das von der BaFin nicht kontrolliert? Oder wird das stillschweigend geduldet? Wo bleibt da der Kunden- bzw. Verbraucherschutz?
    Hier zeigt sich auch wieder einmal mehr, wie kundenorientiert die Vermögensberater der DVAG beraten und arbeiten. Anträge ohne Beratungsprotokoll, werden meines wissens garnicht bearbeitet. Ich habe schon in der Testphase der AM, Ende 2006, schon keinen Antrag mehr ohne Protokoll eingereicht. Ich finde, hier muss mehr Kontrolle und eine generelle Aushändigungspflicht her.

  2. , 15. August 2010 um 11:55 Uhr

    @ Lutz Eska

    Da haben Sie vollkommen Recht. Es ist bekannt, dass sich viele Vertriebe der Dokumentation systematisch entziehen, indem sie sich dies vom nichtsahnenden Kunden freizeichnen lassen. Eigentlich ein Unding, an dem sich aber erstaunlicherweise niemand – auch keiner der sich so bezeichnenden Verbraucherschützer – aufhält.

    Ebenso haben Sie Recht damit, dass bei der DVAG Anträge ohne Beratungsprotokoll erst gar nicht angenommen werden. Denn wir halten uns an die Gesetze – zu 100%.

  3. Bernd, 15. August 2010 um 20:47 Uhr

    Hallo!

    Ja, ja, die lieben Gesetze ……. wofür und für wen sind diese in der Finanzbranche entstanden?

    Für Gerichte, für Klagen des Kunden, sollte ihm ein Pubs quer hängen?
    Für div. RA, die neue lukrative Geldeinnahmequellen suchen?
    Für den Verbraucherschutz, die sich nun endlich ein neues Diskussionsfeld suchen können?
    Oder für die Papierindustrie???

    Wie dem auch sei, solange es keine staatliche qualifizierte Anlaufstelle für „geprellte“ Kunden gibt, denen sofort geholfen wird, können sich die schwarzen Schafe leider weiterhin austoben!

    Oder kann mir jemand schreiben, wieso ein sogenannter Berater aus der niedersächsischen Landeshauptstadt ohne Registrierung beraten darf?
    Ich glaube kaum, dass er überhaupt eine Gewerbeerlaubnis hat.
    Dieser hatte nicht einmal ne Karte dem Interessenten geben können (wollen), sehr bedenklich!

    Einen schönen Sonntagabend und einen erfolgreichen Wochenstart wünscht

    Bernd

  4. Wolfgang, 16. August 2010 um 09:22 Uhr

    @ Lutz Eska und @ Dr. Helge Lach

    Sei haben Recht, nur bei den Bankprodukten/ Investments muß ein Bankkaufmann/frau auch ein Beratungsprotokoll ausfüllen. In freier Investmentberater/ Versicherungsvertreter, Makler oder Vermögensberater sind hierzu nicht verpflichtet. Ein kleine ausgleichende Gerechtigkeit.

  5. Uwe Gleser, 16. August 2010 um 11:19 Uhr

    Ich frage mich, und das schon seit 20 Jahren, wofür bezahle ich eigentlich meine
    IHK Beiträge ?
    Wenn diese Behörde noch nicht mal in der Lage ist das Versicherungsvermittlergesetz durchzusetzen. Wenn ich mich richtig erinnere hat die IHK doch geradezu darum gekämpft die Aufsicht und die Regestrierung an sich zu binden.
    Aber wahrscheinlich nur um ihre Exsistenzberechtigung zu wahren……….

  6. Lutz Eska, 16. August 2010 um 11:36 Uhr

    @Wolfgang

    Da muß ich Ihnen gleichfalls Recht geben. Allerdings darf man da zwei Fakten nicht ausser acht lassen. Erstens, ein DVAG Berater darf nur staatlich geprüfte Produkte beraten und verkaufen, ein Banker dagegen auch äußerst Risikobehaftete Produkte. Und zweitens haftet ein Vermögensberater der DVAG bei Falschberatungen notfalls mit seinem Privatvermögen. Wie sieht das bei einem Banker aus? Wie sind Kunden mit Lehmann Zertifikaten abgefunden wurden? Das macht den “kleinen” Unterschied der Beratung DVAG-Bank aus. Ein Vermögensberater der DVAG ist schon aus Haftungsgründen angeraten eine Falschberatung zu vermeiden, während ein Bankberater die Vorgaben seines Vorgesetzten erfüllen muß. Egal wie!!!
    Wenn ich in die Depots der Kunden unserer Regionalgeschäftsstelle sehe, erübrigt sich die Frage nach einem Beratungsprotokoll für Investments.