Wer im Glashaus sitzt…

11. August 2010 | 650 mal gelesen

Sie sind die ersten, die sich überaus kritisch zu Wort melden, wenn es um die Bewertung der Beratungsqualität in Versicherungs-, Bank- und Finanzvertrieben geht: Die Verbraucherzentralen.

Wer aktiv kritisiert, sollte zunächst vor dem eigenen Stall kehren, denn schließlich beraten Verbraucherzentralen selbst, und dies mit gravierenden Mängeln, wie jetzt das Versicherungsjournal vom 06.08.2010 berichtet.

11 Verbraucherzentralen wurden verdeckt getestet. Nachgefragt wurde Beratung in einem stets identischen Fall: Absicherung des Arbeitseinkommens eines 25jährigen Controllers mit einem Bruttogehalt von 3.000 Euro und 13 Monatsgehältern.

Bewertet wurde danach, ob der Bedarf und das passende Angebot sachgerecht ermittelt und die Beratung angemessen dokumentiert wurden.

Die ernüchternden Ergebnisse:

  • Die Gesprächsdauer schwankte zwischen 30 und 65 Minuten. Nicht viel Zeit für eine anspruchsvolle Beratung.
  • Das Beratungshonorar bewegte sich in einer – nicht weiter nachvollziehbaren – Bandbreite zwischen 25 und 70 Euro.
  • Trotz identischer Angebotssoftware wurden BU-Produkte von zwölf (!) verschiedenen Versicherern empfohlen.
  • Die Gründe für konkrete Produktempfehlungen waren vielfach nicht nachvollziehbar.
  • Fragen zu den persönlichen Wünschen des Kunden wurden oft zu lückenhaft gestellt.
  • Fünf Verbraucherzentralen haben noch nicht einmal nach der Art der Berufstätigkeit gefragt, was aufgrund der damit verbundenen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht im Versicherungsfall zum Verlust des Versicherungsschutzes führt.
  • In keinem Gespräch wurden Alternativen zu einer BU-Absicherung erläutert, die infolge des engen finanziellen Spielraums des Kunden in Frage gekommen wären,
  • Mangelhafte Dokumentation war an der Tagesordnung: Lediglich eine (!) Verbraucherzentrale erstellte ein ordentliches Beratungsprotokoll. Stattdessen wurden Testkunden aufgefordert, sich selbst Notizen zu machen.

Kommentierung überflüssig. Allenfalls der Rat an die Verbraucherzentralen, zunächst die eigene Beratungsqualität auf Vordermann zu bringen und Kritik besser Institutionen wie der Stiftung Warentest zu überlassen.