Grüße aus Irland

10. August 2010 | 737 mal gelesen

Ein “ungutes Gefühl” dürfte in diesen Tagen die rund 4 Millionen Kunden der Zurich Versicherung Deutschland befallen. Denn ihr Versicherer wird ihnen per Post die Verschmelzung mit der Dubliner Schwestergesellschaft Zurich Insurance PLC mittteilen.

Die Kunden sind dann in Irland versichert, und die Gesellschaft unterliegt der irischen Aufsicht, an die sich die deutschen Kunden im Bedarfsfall wenden müssen. Lediglich die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr verbleibt aufgrund der enthaltenen Ansparprozesse unter deutscher Aufsicht. Dies berichtet die Financial Times Deutschland vom 2. August 2010.

Ein Motiv der Schweizer Muttergesellschaft Zurich Versicherung: Die Eigenkapitalanforderungen in Irland sind niedriger.

Bedenkt man, dass das Eigenkapital eines Versicherers keine andere Bedeutung hat, als dessen Leistungsfähigkeit gegenüber seinen Kunden und geschädigten Dritten sicherzustellen, ist der gesamte Vorgang aus Sicht der Kunden sicherlich nicht gerade beruhigend.

Gut, dass sich im Gegenzug die Kunden der DVAG Deutsche Vermögensberatung darauf verlassen können, ausschließlich mit in Deutschland zugelassenen und beaufsichtigten Produktpartnern zu tun zu haben.


Kommentare für diesen Artikel (9)

  1. M. S., 10. August 2010 um 09:33 Uhr

    @ Dr. Lach

    Ist doch alles gar kein Problem, ob Irland oder die Cayman Islands, solange alles gut geht, wir keine Finanzkrisen oder dergleichen haben, solange kann man sein Geld doch auch bei einer Isländischen Bank anlegen!!!

  2. Harri Schultze, 10. August 2010 um 11:16 Uhr

    Die Schweizer machen aus Deutschem Irisches Recht?!?

    Mir als Kunde würde das überhaupt nicht gefallen.

    Aus meiner Erfahrung bei der Unterstützung von Kunden im Umgang mit Versicherungsgesellschaften, z.B. bei Auskunftsersuchen oder auch Änderungswünschen, ist allein die Kontaktaufnahme bei britischen oder irischen Gesellschaften schon oft ein Problem. An den Leistungsfall möchte ich gar nicht denken. Der einfachste Fall ist wahrscheinlich der reguläre Ablauf einer Versicherung, wer kümmert sich wo und mit wem bei Störfällen (BU, Todesfall etc.), wo es ja oft um Schicksale und um zeitkritische Themen geht.

    Meine Empfehlung ist immer darauf zu achten, dass zumindest langfristige Verträge mit existentiellen Risikoabsicherungen – wie z.B. bei Lebens- oder Rentenversicherungen, nur mit starken Gesellschaften abgeschlossen werden, die in Stresstests gut abschneiden und vor allem der deutschen Finanzaufsicht unterliegen.

    Diese Kriterien treffen auf die Partnergesellschaften der Deutschen Vermögensberatung voll zu; dem Artikel zufolge dann aber nicht mehr auf die Schweizer bisher Deutsche Gesellschaft mit jetzt plötzlich Irischen Spielregeln.

  3. Frank Bredtmann, 10. August 2010 um 11:56 Uhr

    Schön, dass die Deutsche Bank mit der Zurich zusammenarbeitet…
    Wäre vielleicht mal ein Diskussionsthema der Führungsspitze.
    Die DB verkauft auch an unsere Kunden Restschuldversicherungen der Zurich!!!

  4. Marcel H. Costin, 10. August 2010 um 15:40 Uhr

    Guten Tag liebe Bloger und Finanz-Kollegen,

    Zitat Blog-Text:
    […
    “Bedenkt man, dass das Eigenkapital eines Versicherers keine andere Bedeutung hat, als dessen Leistungsfähigkeit gegenüber seinen Kunden und geschädigten Dritten sicherzustellen, … ”
    …]

    Genau das ist die Aufgabe einer Versicherung. Die Farbe, das Logo und der Name sind Marketing. Manche Kennzahlen bei den Leistungs-Unterpunkten sicher auch. Und die Bevölkerung ist in der Hinsicht ziemlich brainwashed und indoktriniert und legt dabei oft auf Dinge wert, die gar nicht ausschlaggebend sind. Was oft dazu führt, dass auch das Geschäftsmodell der DVAG (Im Bezug auf Partnergesellschaften) nicht richtig verstanden und folglich immer wieder angegriffen wird.

    @Harri Schulze
    Sicher wird es hier in der BRD weiter Anlaufstellen und Ansprechpartner geben die Schäden bearbeiten. Dass der Kunde nun für seine Anliegen nach Irland fahren muss wäre sicher nicht ganz zeitgemäß. 😉 Die werden schon eine Lösung finden. Welche Auswirkung die Rechtsform hat, werden wir in Zukunft sehen. Schlecht muss es nicht sein. Bei deutscher Rechtsform allerdings weiß man heute schon, was man hat und was einen erwartet. Darum geht es hier! 😉

    Manchmal verändern sich Dinge eben und entwickeln sich. Ob das mit den Vorstellungen des Kunden zu Beginn seiner Zusammenarbeit mit dem Versicherer einhergeht, ist eben die Frage. Irland ist eben nicht Deutschland, sondern Andersland.

    Mit besten Grüßen,
    Ihr/Euer Marcel H. Costin
    aus Düsseldorf / Köln / M’gladbach

  5. Carsten Walendy, 10. August 2010 um 17:15 Uhr

    Für deutsche Kunden ändert sich nichts!

    Die hier beschriebene Praxis der Zürich wurde auch schon von anderen Gesellschaften angewendet bzw. wird wahrscheinlich in Zukunft vermehrt angewendet werden.

    Ansonsten ist es ziemlich eindeutig geregelt.

    Regelungen im neuen VVG

    ” Nunmehr bestimmt § 215 I Satz 1 VVG für Klagen aus einem Versicherungsvertrag oder aus Anlass einer Versicherungsvermittlung, dass auch das jenige Gericht örtlich zuständig ist, in dessen Bezirk der Versicherungsnehmer zur Zeit der Klageerhebung seinen Wohnsitz hat, für versicherte Personen gilt dies analog oder entsprechend.

    a. … “aus dem Versicherungsvertrag”…

    Diese Regelung bedeutet, dass der Gerichtsstand für Klagen aus allen Ansprüchen aus dem Versicherungsvertrag gilt, z. B. Klagen auf Bestehen des Vertrages, auf Nichtbestehen des Vertrages, auf Leistungen, usw. “

  6. Wolfgang Reinhardt, 11. August 2010 um 14:20 Uhr

    Herr Walendy, dieser ungünstigen Passagen wird man sich im Zweifel, mit Hilfe hochbezahlter Juristen, schon entledigen können.

    Die Frage ist, warum wählt man denn überhaupt Irland als neuen Standort. Das irische Wetter dürfte nicht der Grund sein. Da bin ich dann schon eher bei Dr. Lach, und tippe auf die Eigenkapitalanforderungen. Dort sieht man mit Sicherheit “strategische” Chancen…

  7. M. S., 11. August 2010 um 15:42 Uhr

    @ Carsten Walendy

    Sie haben recht, dass der Gerichtsstand im neuen VVG am Wohnort des VN ist.

    Allerdings bleibt der Nachteil der geringeren Eigenkapitalausstattung.

    Und die Frage, die sich noch stellt: An welches Land zahlt den die Zürich nun Steuern auf ihre Gewinne..?

    Sollte das Irland sein, so wäre sie ja ein Steuerflüchtling, wie früher Boris Becker….

  8. Wolfgang Stadler, 12. August 2010 um 08:55 Uhr

    … und Boris Becker ist ja auch nicht bei einer Frau geblieben – mal sehen, wer sich als nächstes um die Zürich bemüht 🙂

  9. , 14. August 2010 um 12:21 Uhr

    @ Frank Bredtmann

    Wir wollen uns nicht anmaßen, der Deutschen Bank vorzuschreiben, mit wem sie zusammenarbeitet. Das verbietet sich in einer professionellen Partnerschaft.

    Viel wichtiger ist uns, dass uns unser Partner Deutsche Bank / DWS Top-Produkte und ein hohes Maß an Solidität bietet. Davon profitieren unsere Kunden.