“Pseudomaklerei”

21. Juli 2010 | 1.156 mal gelesen

“Pseudomaklerei blüht und gedeiht weiter”, so eine Überschrift im Versicherungsjournal vom 20.07.2010.

Wir freuen uns, dass sich dieser tagesktuelle, in der Branche inzwischen renommierte und weit verbreitete Online-Informationsdienst exakt den von uns hier in unserem Blog mehrfach vertretenen Argumenten zum Versicherungsmakler-Markt anschließt: Unter den sicherlich am Markt zahlreich vertretenen, sehr professionellen Maklern, die die Bezeichnung ungebundener Vermittler allemal zu Recht tragen, gibt es ebenso reichlich Vermittler, die als Makler registriert sind, faktisch aber ganz anders agieren: Zum Beispiel als Mehrfachvertreter mit Anschließung an einen Pool, als GmbH & Co KG mit unklarem Vermittlerstatus oder als Doppelagenten, so das Versicherungsjournal.

Damit wird erneut deutlich: Das in Deutschland seit drei Jahren geltende Vermittlergesetz, das dem Verbraucher Orientierung bei der Wahl des Beraters geben sollte, erreicht dieses Ziel im Bereich der Makler und ungebundenen Vermittler nur sehr begrenzt.

Denn wie man sieht: Nicht immer ist “Makler” drin, wenn “Makler” draufsteht.


Kommentare für diesen Artikel (7)

  1. XXX, 21. Juli 2010 um 13:03 Uhr

    Der Kommentar wurde auf Wunsch des Absenders gelöscht (28.10.2012).

  2. , 21. Juli 2010 um 20:47 Uhr

    @ XXX

    Vielen Dank für Ihren Kommentar, der zu einer damit begonnenen, sehr konstruktiven Diskussion geradezu einlädt. Schade, dass nicht diejenigen, die Gesetze für den Vermittlermarkt machen oder Recht sprechen, jetzt dabei sind:-)

    Zu Ihren Aussagen:

    Zunächst einmal vertrete ich Ihre Rechtsauffassung zu 100% mit. Würde sich jeder Makler daran halten, jeder Richter diese Sichtweise berücksichtigen und jeder Kunde wissen, was er von einem Makler erwarten darf, gäbe es im Bereich der Makler / ungebundenen Vermittler vermutlich fast keine Mißstände mehr.

    Die Realität ist aber – in noch viel zu vielen Fällen – eine andere. Kaum ein Kunde weiss, was er von einem Makler erwarten darf und wie der Makler für was haftet. Mein “Bauchgefühl”: von 100 Beratungen durch “Pseudomakler” kommt allenfalls eine ans Tageslicht – sprich vor Gericht mit Haftung, selbst wenn die übrigen 99 Fälle mit Ihren Grundsätzen eigentlich nicht vereinbar sind. Der Kunde weiss meistens nicht, was ihm zusteht. Und der Nachweis eines Schadens ist bei Finanzprodukten nicht immer ganz einfach und überfordert nicht nur Kunden, sondern auch den einen oder anderen Anwalt und Richter.

    Gleiches gilt für die von Ihnen richtigerweise erwähnten Beratungsprotokolle. Welcher Kunde weiss schon, dass er einen Anspruch darauf hat? Wo kein Kläger, da kein Richter und Stiftung Warentest kann nicht überall sein. Die BAFin fühlt sich unzuständig und die IHKs / Gewerbeämter sind überfordert.

    Nächster Punkt: Richtig, jeder Makler muss eine hinreichende Anzahl von Anbietern berücksichtigen. Was ist hinreichend? 5, 10 oder 20 Anbieter? Die 10 größten? Diejenigen, die in einem Ranking von z.B. Morgan & Morgan auf den Plätzen ein bis fünf stehen? Die Lebensversicherer mit der höchsten Überschußbeteiligung oder doch lieber die mit den besten Solvabilitätsspannen und Bewertungsreserven? Als Makler wissen Sie: Das beste Produkt oder den besten Anbieter gibt es eigentlich nicht. Armer Kunde, wenn es selbst wir nur mit Mühe herausfinden.

    Was bleibt am Ende? Ehrlichkeit, Kompetenz und Integrität des Beraters in Verbindung mit Produkten von Anbietern, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind und langfristig orientiert im Interesse des Kunden agieren. Prinzipien, die unserem DVAG-Geschäftsmodell entsprechen. Ihrem sicherlich auch.

    Gruss Ihr Helge Lach

  3. Christian Loose, 22. Juli 2010 um 08:30 Uhr

    Hallo,

    ich kenne da jemanden, der arbeitet für eine Versicherung auf selbständiger Basis.
    Wenn er mit dieser Versicherung nicht weiter kommt, z.B. wegen strenger Annahmerichtlinien in der PKV, darf er sich eines Pools bedienen und
    eine andere PKV verkaufen.
    Soweit ich weis, gilt diese Person als ungebundener Vermittler.
    Ich persönlich empfinde diese ganze Geschichte mehr als grenzwertig,
    weil für mich keine Ungebundenheit vorliegt, denn schliesslich muss er ja
    erstmal seine Versicherung anbieten.
    Eine Form von Pseudomaklerei?!?

  4. , 22. Juli 2010 um 08:50 Uhr

    @ Christian Loose

    Es handelt sich hier um die so genannte Ventillösung, zu der die Rechtssauffassung uneinheitlich ist. In jedem Fall besteht für diesen Vermittler die Gefahr, sich in den Status des Scheinmaklers zu begeben und dann auch wie ein Makler zu haften.

  5. Sebastian Ohnert, 22. Juli 2010 um 09:43 Uhr

    Sehr geehrter Herr Irmscher,

    Ihre Antwort auf Dr. Lachs Blogbeitrag finde ich sehr erfrischend, denn Sie sprechen mir aus dem Herzen was die Zukunft von Kundenrorientierter Beratung ist.

    Herr Lach interpretiert das anders………………………..und kommt wieder zum Schluss dass die DVAG “die Alternative” ist. Was sollte er in seiner Funktion auch schreiben ? Das seriöser Finanzmakler der Zukunftsberuf ist ?

    “Branchenneutral” und “Allfinanz” etc. gibt sicherlich auch oft einen “gefühlten” Eindruck.

    Herr Dr. Lach erwähnte die Ziele der Vermittlerrichtlinie. Wollte man dort auch für eine Top-Ausbildung mit IHK etc. sorgen ?

    Ein weiteres Ziel waren die geordneten, zumindest einigermaßen, FINANZEN der Vermittler. Mein Eindruck und Wissen seit vielen Jahren ist, dass viele Vermittler große wirtschaftliche Probleme haben und ein Teil der Vermittler sogar regelmäßigen Kontakt mit Gerichtsvollziehern.

    Hat das der Gesetzgeber mit “intakter Leumund” gemeint ?

  6. , 22. Juli 2010 um 10:07 Uhr

    @ Sebastian Ohnert

    Ich kann Ihnen nur zustimmen: Auch der seriöse Finanzmakler ist ein Zukunftsberuf, genauso wie der des kompetenten und kundenorientierten Vermögensberaters der DVAG.

  7. M. S., 27. Juli 2010 um 13:40 Uhr

    Ich erlaube mir mal hier etwas zu zitieren:

    “Heidelberger Leben will Marktanteil verdreifachen (27. Juli 2010)

    … Eine Verdreifachung des Marktanteils in den nächsten fünf Jahren, eine klare Positionierung als Maklerversicherer … als Ziele vorgenommen.

    … so will die Heidelberger Leben die Zusammenarbeit mit Maklern ausbauen.

    „Wir müssen gezielt die Arbeit der Makler unterstützen und ihnen Vertriebsansätze für Gespräche mit ihren Kunden aufzeigen“ … Schwerpunkte werden deshalb die regionale Betreuung durch den Außendienst, der Auf- und Ausbau von Online-Schulungen und Trainings zu vertriebsrelevanten Themen sein.—” (aus portfolio international)

    Da frage ich mich schon, wie hier im blog teilweise behauptet wird, ein Makler kann anhand von Vergleichsprogrammen Anlageentscheidungen treffen. Wozu dann Schulungen..? Ist hier nicht zu erkennen, dass durch Vertriebsschulungen die Heidelberger Leben IHR Geschäft ankurbeln will.

    Wir reden jetzt also nicht von verbesserten Produkten sondern von Verkaufstrainings..

    Mhh… für mich auch eine Art von Psydomaklerei.