Falschberatung

21. Juni 2010 | 1.039 mal gelesen

Wenn zur Zeit über das Thema Falschberatung gesprochen wird, dreht es sich fast immer um die Vermittlung von Zertifikaten, meist Lehman-Zertifíkate, an ahnungslose Privatkunden.

Die Thematik ist deutlich breiter: Jetzt wurde die Stadtsparkasse Köln wegen der Schieflage eines durch sie vermittelten geschlossenen Immobilienfonds verklagt, an dessen Betreibergesellschaft die Stadtsparkasse pikanterweise beteiligt ist. Verkauft wurde der Fonds vor allem an ältere Menschen und Rentner, die eine sichere Anlage mit vernünftiger Rendite gesucht haben.

Nun zeigt sich, dass die im Fonds abgebildeten Gewerbeimmobilien weit weniger Ertrag abwerfen als es die Verkaufsprospekte versprochen haben. So stellte sich z.B. heraus, dass auf dem Grundstück einer der Immobilien früher eine Mülldeponie und eine Chemiefabrik befanden, womit das Objekt faktisch nicht mehr zu vermieten ist.

Den Anlegern droht Totalverlust. Wieder ein Beispiel dafür, welcher Schaden durch Falschberatung angerichtet werden kann.

Gut, dass sich die Berater der DVAG Deutsche Vermögensberatung auf die Produkte namhafter Anbieter beschränken und insbesondere auf das Angebot hochriskanter Anlageformen wie Zertifikate oder geschlossene Fonds vollständig verzichten.


Kommentare für diesen Artikel (9)

  1. Wolfgang Stadler, 21. Juni 2010 um 10:15 Uhr

    Vergangenes Jahr konnten wir unseren Kunden mit dem Parkdepot der AM Leben 3,0% für ein Jahr garantieren – Finanztest nahm dieses Produkt heuer im Februar unter die Lupe, damals bei 2,25% Zins.

    Ich zitiere:

    “Aufpassen sollten Anleger aber darauf, dass der Vermittler die Kontoeröffnung nicht dazu nutzt, weitere Produkte zu vermittlen, die sie nicht haben wollen.”

    Vielleicht sollten sich die Herrschaften diese Kommentare mal sparen und den Sparkassen bei der Vermittlung von Zertifikaten besser auf die Finger schauen…

  2. Frederc Appel, 21. Juni 2010 um 19:38 Uhr

    Erstaunlich finde ich immer wieder, dass diejenigen (= Sparkassen), die am meisten durch Falschberatung glänzen, immer noch das beste Image haben. Was man so alles durch Imagekampagnen kaschieren kann – Mission Finanzcheck läßt grüßen…

  3. Michael Miedl, 21. Juni 2010 um 20:06 Uhr

    Hallo liebe Blogger,

    bei der “Mission Finanzcheck” kommt in unserer Region zur Zeit zu 90 Prozent
    ein “Wohn-Riester” dabei heraus, selbst ohne Kauf-/Bauwunsch.
    Aber wen interessieren schon die Wünsche und Ziele des Kunden ?!
    Bin schon gespannt, welches Produkt die nächste Aktion bringt.

    Viele Grüße aus Schönwald in Oberfranken.

    Michael Miedl

  4. Norbert Balzer, 21. Juni 2010 um 22:48 Uhr

    Lieber Herr Stadler,

    Sie haben Recht und ich habe diesen Artikel noch vor meinem geistigen Auge. Auf der einen Seite haben wir wohl ein sehr vernünftiges und zukunftsweisendes Geschäftsmodell.

    Menschen kennenlernen, die finanzielle- und persönliche Situation erfassen um dann ganz einfach Zukunft gestallten.

    Die meisten unserer Kunden haben sicher keine Vorstellung davon, was hier im Background abläuft. Rund 37.000 Berater der Deutschen Vermögensberatung sammeln täglich die Fragestellungen ihrer Kunden ein. Das Ganze wird an unsere Produktpartner weitergetragen und dann kommt es eben zu solchen Angeboten. Das wir voller Stolz unsere Arbeitsweise dann an potenzielle Kunden weitertragen, halte ich für sinnvoll und wichtig.

    Nun weis ich nicht, wie viele interessierte Menschen dann zum Abschluss weiterer Verträge gezwungen wurden, vermute jedoch, dass jeder Mensch seine Ablehnung dafür zum Ausdruck bringen kann.

  5. Claudia Müller, 22. Juni 2010 um 13:54 Uhr

    Alles wird gut! Falschberatung wird es bald gar nicht mehr geben können. Der Herr Haasis, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, hat kürzlich die frohe Botschaft verlautbaren lassen, dass die Beratung bei den Sparkassen völlig neu konzipiert wird zukünftig. Es werde auf der Grundlage von Wünschen, Zielen und individueller Situation beraten werden. Dadurch wolle man (die Sparkassen) sich deutlich von den Strukturvertrieben abheben.

    Hat Herr Haasis eine gestörte Wahrnehmung? Fehlt Herrn Haasis Branchenwissen? Hat Herr Haasis einen Witz gemacht? Spricht Herr Haasis damit der geneigten Leserschaft jegliche Intelligenz ab? War der Wunsch (und der Neid) Vater von Herrn Haasis` Gedanken?

    Wer hat es erfunden? Herr Haasis?? Setzen – sechs!!

  6. M. S., 22. Juni 2010 um 14:26 Uhr

    @Claudia Müller

    Treffender als in Ihrem Kommentar kann man es nicht ausdrücken. Glückwunsch dazu 🙂

    Vielleicht ist Herr Haasis auch zur Erkenntnis gekommen und er zählt die DVAG nicht zu den klassischen Strukturvertrieben. Denoch bleibt die Erkenntnis, das die Arbeitsweise bereits vor rund 40 Jahren von Reinfried Pohl nicht nur erkannt sondern auch umgestzt wurde 😉

  7. Marcel H. Costin, 22. Juni 2010 um 20:30 Uhr

    @ Claudia Müller

    …ja, und wie werden die Mitarbeiter motiviert dauerhaft ordentlich zu arbeiten und alles zu geben? Man müsste einen Großteil der Menschen in den Banken austauschen, da dazu nur ein ganz bestimter Typ Mensch geeignet ist.

    Funktioniert meiner Meinung nach nur, wenn der Mitarbeiter am Erfolg beteiligt wird, nah beim Kunden ist und mit vielen Kompetenzen und Freiheiten ausgestattet ist. Es gibt schon Gründe, warum es festbezahlte und fixbezahlte Arbeit gibt, so wie Gründe für voll strukturierte Vertriebe und weniger strukturierte Vertriebe.

    Alleine diese Philosophie und Haltung in die Köpfe tausender Berater zu bekommen, ein Umdenken herbei zu führen… genau deswegen ist es so schwer das Konzept der DVAG zu kopieren und einzuholen, klarer Fall. Es ist biologisch gewachsen und wird gelebt.

    Da Banken dazu noch einem gewißen Gewinndruck ausgesetzt sind, dürfte auch das schwer sein, diesen aus dem Vertrieb ganz raus zu nehmen. Man müsste den Motor anhalten und genau in die andere Richtung drehen und mit Sicherheit gibt es genug Menschen die nicht daran glauben, dass “andersherum” besser funktioniert und sobald sie sehen, dass der Motor langsamer wird, werden sie es boykottieren in den Vorständen und Aufsichtsräten. Wäre ein sehr mutiger Schritt, der genau durchdacht werden muss und am besten auf vielen Jahren Erfahrung aufbaut – die jedoch fehlt. Reine Politik, man ist erst erfolgreich,wenn alle konsequent und dauerhaft an einem Strang ziehen.

    Der, der das schafft, muss schon verdammt gut sein, alle geschloßen hinter sich aufzustellen!!! 😉

    Viele Grüße,
    Marcel H. Costin

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  8. , 22. Juni 2010 um 21:32 Uhr

    Liebe Claudia Müller,

    Vielen Dank! Die Sparkassen haben 35 Jahre verpennt und glauben, jetzt mal eben so schnell das aufzuholen, was wir uns fundamental erarbeitet haben. So einfach ist das nicht, also liebe Sparkassen versucht es doch erst mal mit Fähnchen… 🙂

  9. Wolfgang Stadler, 23. Juni 2010 um 09:04 Uhr

    und es wird dann auch keine Vorgaben mehr in den Banken geben – und keine Verkaufsziele – und der Banker wird Sonntag um 19 Uhr beim Kunden vorbeikommen – und und und 🙂